„A Christmas Carol“ im Ballenlager
Ein höchst unterhaltsamer Rezitations-Abend

Greven -

Jacob Marley ist tot – so beginnt Charles Dickens großartige „A Christmas Carol“ aus dem Jahre 1843 und auch bei der Inszenierung von Christoph Tiemann und dem „Theater ex Libris“ am Sonntag war das nicht anders. Aber sonst war dieser Abend wohl auf vielen Gebieten überraschend. Jacob Marley ist tot – so beginnt Charles Dickens großartige „A Christmas Carol“ aus dem Jahre 1843 und auch bei der Inszenierung von Christoph Tiemann und dem „Theater ex Libris“ am Sonntag war das nicht anders. Aber sonst war dieser Abend wohl auf vielen Gebieten überraschend.

Dienstag, 24.12.2019, 10:31 Uhr aktualisiert: 24.12.2019, 10:50 Uhr
Christoph Tiemann (Mitte) und seine Mitstreiter schlüpften mit Esprit und Leidenschaft in die 20 Rollen.
Christoph Tiemann (Mitte) und seine Mitstreiter schlüpften mit Esprit und Leidenschaft in die 20 Rollen. Foto: Axel Engels

Zuerst sollte diese Einstimmung auf die Festtage in der kleinen Kulturschmiede stattfinden. Die Kulturinitiative hatte dies für die Liebhaber gehobener Literatur geplant, aber bei solch großem Andrang wechselte man ins Ballenlager. Dort waren freie Plätze dann Mangelware, erlebte man einen schaurig-schönen Abend mit einer Geschichte, die fast jeder Besucher kannte.

Viele Bearbeitungen der Geschichte um den geizigen, hartherzigen Ebenezer Scrooge, Geschäftspartner des verstorbenen Marley, haben seit der Veröffentlichung für Furore gesorgt. Aktuell ist die von Charles Dickens aufgezeigte Problematik, Missstände und Armut wie im Vereinigten Königreich des 19. Jahrhunderts gibt es immer noch. Ob als Kinoklassiker, Theater- oder Musicalversion, diese Geistergeschichte zum Christfest ist quasi ein Klassiker mit stark sozialkritischen Elementen.

Am Sonntag gab es ihn mit Christoph Tiemann als Ebenezer Scooge und dem Ensemble des „Theater ex Libris“ in einer Form, die man so noch nicht erlebt hat. Markus von Hagen gab mit ausdrucksstarker Stimme sowohl den „Geist der gegenwärtigen Weihnacht“ als auch einen Geschäftsmann, Urs van Wulfen bereicherte die Rezitation mit tiefer Bassstimme und auch Tilman Rademacher wusste den Protagonisten ein ganz lebendiges Gewand zu verleihen. Als „Geist der vergangenen Weihnacht“ sowie als Schwester von Ebenizer Scrooge konnte Sarah Giese ihre ganzen Qualitäten einbringen.

Aber die rezitatorische Kunst dieses Quintetts allein machte noch nicht alles aus, was an diesem Abend so verzauberte. Für klanglich-musikalische Atmosphäre war Philipp Ritter zuständig, der für jede stimmungsmäßige Schattierung den passenden Klang zauberte. Auf einer großen Leinwand erblickte man Bilder, die wie aus der Erstausgabe entnommen schienen, die ja auch von John Leech illustriert war. Aber diesmal waren es Bilder, die Christoph Tiemann mit Akribie und Feinsinn extra für diese Weihnachtsgeschichte zusammengestellt hat. Da lenkte nichts vom eigentlichen Geschehen ab. Die Bilder intensivierten den Eindruck der Worte, animierten zur eigenen Reise ins Land der Fantasie.

Bei Christoph Tiemann und seinen wortgewandten Weggefährten ging es nicht plakativ zu wie etwas bei dem Disney-Klassiker. Mit Esprit und Leidenschaft schlüpften sie in die 20 Rollen, hielten in jeder Szene den Spannungsbogen hoch, der Intensität dieser Inszenierung konnte man sich nicht entziehen.

Das war eben nicht ein der oftmals angestaubten und trockenen Lesungen, sondern dramaturgisch höchst unterhaltsame Rezitation, bei der die Bilder in den Köpfen der Besucher sicherlich genauso farben- und stimmungsreich entstanden.

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