Kläranlage wird derzeit um eine vierte Reinigungsstufe erweitert
Probebetrieb startet im Mai

Greven/Reckenfeld -

Greven ist in NRW die erste Kommune, die so etwas eigenständig errichtet. Gemeint ist die vierte Reinigungsstufe der Kläranlage. Mit Hilfe dieser Stufe sollen Mikroplastik und Medikamentenrückstände herausgefiltert werden. Der Probebetrieb startet im Mai.

Samstag, 28.12.2019, 14:15 Uhr aktualisiert: 28.12.2019, 14:20 Uhr
Kai Schünemann (links) und Klaus Rading begutachten die vierte Reinigungsstufe von oben. Im turmähnlichen Silo wird Aktivkohle gelagert, die Mikroplastik und -schadstoffe binden soll.
Kai Schünemann (links) und Klaus Rading begutachten die vierte Reinigungsstufe von oben. Im turmähnlichen Silo wird Aktivkohle gelagert, die Mikroplastik und -schadstoffe binden soll. Foto: Oliver Hengst

Glasklar. Am Ende der dritten Reinigungsstufe sieht das Wasser aus, als hätte jemand einen Hahn mit Trinkwasser aufgedreht. Alles, was jetzt noch drin ist, ist mit bloßem Auge nicht mehr zu erkennen – und somit ein Fall für die vierte Reinigungsstufe.

Die soll im Mai in Betrieb gehen und künftig Mikroplastik und Medikamentenrückstände herausfiltern. „Wir sind in NRW die erste Kommune, die das eigenständig errichtet“, sagt Klaus Rading nicht ohne Stolz. Der Leiter des Geschäftsbereiches Abwasser in der Stadtverwaltung kennt zwar auch eine ähnliche Anlage in Dülmen, diese Kommune sei jedoch Teil eines Wasserverbandes. Ganz auf eigene Kappe: das gibt es landesweit so noch nirgendwo.

Die Stadt nimmt dafür 4,6 Millionen Euro in die Hand. 80 Prozent gibt es als Förderung zurück – mehr als üblich, weil das Projekt in Greven wissenschaftlich begleitet wird. „Das ist auch schon angelaufen“, sagt Rading. „Die ersten Wasserproben wurden bereits entnommen, um den Jetzt-Zustand zu dokumentieren.“ Eine mehr als vernünftige Investition, findet Rading, der sich deshalb freut, dass die Kommunalpolitiker das Projekt mittragen.

Sobald die Anlage eingeweiht ist, wird sich ein einjähriger Probetrieb anschließen. In dieser Zeit, erklärt Abwassermeister Kai Schünemann, werde man die Abläufe justieren.

Das Prinzip: Dem Wasser wird Aktivkohle zugesetzt, an diese sollen sich Mikroplastik und -schadstoffe anheften. Mit einem Tuchfilter wird das ganze schließlich herausgefiltert. Das Tuch (eigentlich sind es viele) ist Teil eines selbstreinigenden Prozesses und soll rund zehn Jahre halten. Die so dem Wasser entzogenen Rückstände werden schließlich in speziellen Anlagen (nicht in Greven) verbrannt.

Bevor es in der vierten Reinigungsstufe ankommt, ist das Wasser bereits durch drei andere Reinigungsstufen (mechanisch, biologisch, chemisch) geleitet worden. In der ersten werden zunächst grobe Verschmutzungen und Sand herausgesiebt. Schwebstoffe setzen sich im Klärbecken ab und können so entnommen werden. In der biologischen Abteilung werkeln Millionen Bakterien. Damit diese fleißigen Kollegen gute Bedingungen vorfinden wird dem Wasser Sauerstoff zugesetzt. Eine chemische Reinigung findet in Greven (fast) nicht statt. Lediglich etwas Eisen wird dem Wasser zugeführt.

Eines der größten Probleme, mit denen Schürmann und seine Kollegen zu kämpfen haben: Feuchttücher, die in die Toilette geworfen werden. „Die können wir hier überhaupt nicht gebrauchen“, sagt der Betriebsleiter. Sie wicklen sich auf und verstopfen die Pumpen. Weshalb der Abwassermeister dazu aufruft, sie eben nicht über diesen Weg zu entsorgen. „Auf den Packungen steht oft: biologisch abbaubar. Das stimmt aber nicht.“

Am Tag erreichen rund 6000 Kubikmeter Wasser aus Greven und Reckenfeld die Kläranlage – wenn es trocken ist. „An Regentagen haben wir auch schon mal 18 bis 20 000 Kubik“, verdeutlicht Schünemann. Die Kapazität sei auf 90 000 so genannte Einwohnerwerte (rechnerischer Wert der „Schmutzfracht“) ausgelegt. „Die aktuelle Belastung liegt bei rund 65 000 Einwohnerwerten, davon 20 000 aus der Industrie“, so Rading.

Viele Prozesse und Messungen in der Kläranlage laufen automatisiert ab, hin und wieder muss einer der zehn Mitarbeiter aber auch händisch eingreifen. Auf einem großen Monitor in der Schaltzentrale haben die Kollegen alles im Blick. Auch die Pumpwerke, für deren Wartung die Kläranalagen-Mitarbeiter ebenfalls zuständig sind. Über die Stadt verteilt sind das rund 35 größere (Kerkstiege, Emsinsel, Marienfried und Co.) sowie rund 200 kleinere auf privatem Gelände. Auch für deren reibungslose Funktion sind die Mitarbeiter (die im Übrigen an Sonn- und Feiertagen Bereitschaftsdienste übernehmen) zuständig.

Die Kläranlage ist in den 80er Jahren errichtet worden. Seitdem wurde immer wieder investiert. Zuletzt etwa in Photovoltaik oder mehrere Gasturbinen, die das selbst erzeugte Biogas verstromen. Rund 50 Prozent des Energiebedarfes der Anlage werden so gedeckt.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7156121?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F168%2F
WDR macht Platz für 130 Wohnungen
Von der Mondstraße zum Servatiiplatz (v.l.) Stadtbaurat Robin Denstorff, Studioleiterin Andrea Benstein, Oberbürgermeister Markus Lewe, Dr. Carsten Wildemann (Leiter der WDR-Gebäudewirtschaft), Dr. Christian Jäger (Geschäftsführer der Wohn- und Stadtbau) und Dr. Thomas Robbers (Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Münster) stellten die gemeinsamen Pläne von Stadt und WDR vor.
Nachrichten-Ticker