Vor 25 Jahren wurde die Bahnunterführung eröffnet
Eine schrankenlose Freiheit

Greven -

Es gibt Sachen, die dauern eben ein bisschen länger. Dafür gibt es viele Beispiele, in Greven wäre der Bau der Bahnunterführung so eines. Die wurde vor fast genau 25 Jahren fertig gestellt, hatte aber einen Vorlauf von mindestens noch ein mal so vielen. Dietmar Beinker, ehemals Mitarbeiter der Stadtverwaltung, kann sich noch gut daran erinnern.

Samstag, 04.01.2020, 09:28 Uhr aktualisiert: 04.01.2020, 10:01 Uhr
Die weiße Wanne aus Beton: Mit Hilfe dieser Wanne wird ein Aufschwimmen der Konstruktion verhindert.
Die weiße Wanne aus Beton: Mit Hilfe dieser Wanne wird ein Aufschwimmen der Konstruktion verhindert. Foto: Stadt Greven

Bereits 1968 gab es einen verkehrstechnischen Vorentwurf für eine Unterführung. Die wurde von ganz vielen Bewohnern des Grevener Westens herbeigesehnt. Denn bis zu 250 Zugbewegungen wurden auf der Strecke zwischen Rheine und Münster, oder noch weiter gesehen, zwischen Emsland und Kohlenpott gezählt. „Neben dem normalen Personenverkehr rollten Kohle-Transporte in den Norden und Erz-Transporte in den Kohlenpott über diese Strecke“, erinnert sich Beinker.

Er, damals aktiv in der Jungen Union , demonstrierte sogar Anfang der 80er-Jahre für eine Unterführung. „Ich hatte damals den wirtschaftlichen Schaden, der durch die ewige Wartezeiten vor den Bahnschranken entsteht, durchgerechnet“, erzählt er. Er bekam eine heftige Summe zusammen. „Das waren zwischen drei und vier Millionen Mark pro Jahr.“ Hinzu kam, dass der Grevener Westen aufgrund dieser Behinderungen nicht mehr expandieren konnte. Kein Wunder: Durchschnittlich 200 Mal ging pro Tag die Schranke herunter. „Manchmal dauerte es eine halbe Stunde, bis es weiter ging.“

Aber: Irgendwann war ein Ende der Plage in Sicht. Die Planfeststellung für die Unterführung und die neue Trasse der Landstraße 555 startete Ende 1979. Aber: Darüber waren nicht alle Grevener glücklich. Es wurden viele Diskussionen über das Für und Wider geführt. „Es gab sogar eine Bürgerinitiative, die sich gegen das Projekt aussprach.“ Kein Wunder: Schließlich mussten einige Häuser zwischen Ems und Bahn der neuen Straßenführung weichen. Trotz allem: 1987 wurde die Planfeststellung beschlusskräftig.

Begonnen wurde das Riesen-Projekt im Jahr 1990 mit dem Bau der neuen Emsbrücke. „Die Brücke besteht im Prinzip aus zwei Brücken“, verdeutlicht Beinker. Als der erste Teil fertig gestellt war, wurde die alte Brücke, die weiter nördlich verlief, abgerissen. Der Verkehr rollte aber noch weiter über die alte Bahnhofstraße.

Mit dem Bau der Unterführung wurde dann 1993 begonnen. „Das war damals eigentlich nur möglich, weil Greven in diesem Bereich über fünf Gleise verfügte“, erklärt Beinker. Das hatte mit der Verladerampe fürs Militär zu tun, die im Rahmen der Maßnahme nach Reckenfeld verlegt wurde. Außerdem hatte damals Biederlack noch einen eigenen Bahnanschluss. „Die Zahl der Gleise wurde aber reduziert, sonst wäre die Bahnunterführung zu tief geworden.“

Die Bauarbeiten waren immens und zogen einiges nach sich. Die Hanseller Straße wurde verlegt, ebenso Mühlenstraße und Emsdettener Straße. Diverse Häuser mussten abgerissen werden. Unter anderem das Hotel Nettmann, die Villa Schründer und der Landhandel Waltermann. „Im Rahmen der Maßnahmen haben wir für den Westen auch ein Gesamtentwässerungssystem komplett neu aufgebaut“, erklärt Beinker.

In der Unterführung wurde eine weiße Betonwanne eingebaut. „Die war notwendig, um ein Aufschwimmen zu verhindern.“

Insgesamt waren diverse „Bauherren“ an dem Projekt beteiligt, natürlich auch die Bahn. „Die war bei den ersten Besprechungen gleich mit 23 Vertretern der diversen Unterfirmen der Bahn vertreten“, erinnert sich Beinker. Später aber habe es nur noch einen Ansprechpartner gegeben. „Das lief dann alles reibungslos.“

Nach und nach wurden Straßen verlegt und fertig gestellt. Ursprünglich sei sogar eine fünfspurige Straßenführung auf der Emsbrücke angedacht worden, wurde dann aber auf vier Spuren reduziert. „Über eine Linksabbiegespur zur B 219 würde man sich heute sicherlich freuen“, ist sich Beinker sicher.

Letztendlich, nach fünf Jahren Bauzeit, wurde die neue L 555 mit Bahnunterführung und neuer Emsbrücke am 15. Dezember vom damaligen Bürgermeister Hubert Binder eingeweiht. Pünktlich um 14 Uhr schloss sich zum letzten Mal die Bahnschranke und gleichzeitig wurde der Verkehr auf die neue Trasse umgeleitet. Erster Nutzer war ein Lkw.

Für die Bewohner des Grevener Westens endete damit eine lange Leidenszeit mit noch längeren Wartezeiten vor den geschlossenen Schranken. „Die Bewohner des Westens und auch alle anderen Grevener haben damals drei Kreuzzeichen gemacht“, sagt Beinker.

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