Ausstellung über Grevener Postgeschichte
„Extrapost“ macht den Weg frei

Greven -

In der ehemaligen Post wird seit Samstag die Geschichte der Grevener Post in vielen Details dargestellt. Ein Arbeitskreis des Heimatvereins hat einiges von früher zusammengetragen.

Montag, 13.01.2020, 21:28 Uhr aktualisiert: 13.01.2020, 22:00 Uhr
Hans-Jörg Siepert, Stefan Tovornik und Franz-Josef Gähr (v.l.) begrüßten die Passanten vor einer historischen Postkutsche mit Trompetensignalen.
Hans-Jörg Siepert, Stefan Tovornik und Franz-Josef Gähr (v.l.) begrüßten die Passanten vor einer historischen Postkutsche mit Trompetensignalen. Foto: Günter Benning

Wenn die Post kam, mussten alle weichen. So wie heute bei der Rettungsgasse auf der Autobahn. Franz-Josef Gähr aus Gelmer hält eines seiner königlich-bayrischen Posthörner an den Mund und schmettert los: „Extrapost.“ Eines von einem guten Dutzend Signale, mit denen sich die Kutschen den Weg freimachten.

Gähr steht mit Hans-Jörg Siepert und Stefan Tovornik vor der Alten Post an der Alten Münsterstraße und bläst das Publikum in die neue Ausstellung. Im ehemaligen Postsaal wird seit Samstag die Geschichte der Grevener Post in vielen Details dargestellt. Ein Arbeitskreis des Heimatvereins hat tief geschürft, um Licht ins Postwesen der Stadt zu bringen, eine Geschichte, die mehr oder weniger mit einer Prügelei anfängt.

Genau genommen, meint allerdings Franz-Josef Gähr, der in historischen Uniformen manchmal noch Post bei Geburtstagen abliefert, gab es schon im 30-jährigen Krieg Postboten. Der Friedensreiterweg, auf dem Depeschen von Münster nach Osnabrück befördert wurden, ging durch die Emsstadt.

Aber eine eigene Poststelle, die kam erst später. „Wo die war“, erklärt Heimatvereinsmitglied Hans Röttgers, „wissen wir nicht.“ Allerdings hat er im Stadtarchiv Dokumente über ein Gerichtsverfahren gefunden. Dem Gastwirt vom „Lamm“ wurde da vorgeworfen, er habe am 9. Juli 1812 dem Kaufmann J.C. Biederlack die Scheiben eingeschmissen. Einerseits soll der Alkohol im Spiel gewesen sein, andererseits der Ärger darüber, dass der Wirt nicht den Zuschlag für die Poststelle erhalten hat. Schlussfolgerung: Es gab also irgendwo in der Stadt schon eine Post.

Spätere Postämter sind besser verbrieft, erklärt Ferdi Mehl , selbst begeisterter Philatelist, der zahlreiche Exponate aus seinem persönlichen Fundus zu der Ausstellung beigetragen hat. Alles sehr ordentlich in der Ausstellung zu sehen, deren Stellwände vom münsterischen Philatelisten-Verein stammen.

Alte Briefe sind da zu sehen, die Grevens Amtsvorsteher geschrieben hat. Aber auch Bilder von den früheren Dienststellen.

An die neuere Geschichte kann sich Karl-Heinz Sandbaumhüter noch gut erinnern: „Damals musste die Gebühr für Pakete im Voraus bezahlt werden – 20 Pfennige.“ Sandbaumhüter kam 1948 als Postbote nach Greven. „Er ist das Urgestein der Post in Greven gewesen“, lobt ihn Ferdi Mehl.

Übrigens: Wer sich bei der Ausstellung an einer Lotterie beteiligt, kann eine Fahrt in einer Postkutsche gewinnen. Hans-Jörg Siepert, früher in Reckenfeld, heute in Tecklenburg heimisch, bietet die Tour durchs Tecklenburger Land an.

Wichtige Post wurde übrigens in Greven laut angekündigt. Ferdi Mehl: „Kriegsdepeschen kamen mit der Bahn – und der Bahnvorsteher schoss mit seiner Dienstpistole in die Luft, damit der Sohn vom Posthalter Derken zum Abholen kam.“

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