Dr. Dirk Ziesing referierte beim Archivgespräch
Als Greven französisch war

Greven -

Greven stand zu Zeiten Napoleons mal unter französischer Veraltung. Was sich nach der Völkerschlacht in Leipzig wieder änderte. Das und mehr erfuhren Besucher eines Vortrags.

Donnerstag, 16.01.2020, 19:38 Uhr aktualisiert: 16.01.2020, 19:40 Uhr

Mitte September 2019 erschien nach jahrelangen Recherchen das Buch „Das Münsterländer Landwehr-Infanterie-Regiment (4. Westfälisches) in den Befreiungskriegen 1813-1815“. Autor ist Dr. Dirk Ziesing (Bochum). Es ist das vierte Buch in seiner Reihe, die die neu aufgestellten westfälischen Regimenter jener Zeit vorstellt. Am Mittwochabend hielt der Autor dazu im großen Sitzungssaal des Rathauses vor rund 40 Zuhörern einen Vortrag im Rahmen des jährlichen Archivgesprächs.

Dr. Ziesing forscht bereits seit mehreren Jahrzehnten zur westfälischen Militärgeschichte. Er sei gerne gekommen, so begann er seinen Vortrag, mit Hilfe des Stadtarchiv-Teams habe er im Archiv das umfangreiche Quellenmaterial zu seinem Forschungsbereich in Bezug auf Greven gesichtet und für seine Forschung verwertet.

Dr. Ziesing liegt mit seinem Forschungsschwerpunkt voll im Trend der aktuellen Geschichtsforschung, die sich erst seit den 1980er Jahren dem historischen Geschehen in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts zugewandt hat.

Sein fast zweistündiger Vortrag, frei gehalten, und die vielen übersichtlich gestalteten Folien, die seine Ausführungen mit Daten, Namen und Abbildungen unterstützten, führte die gespannt Zuhörenden 200 Jahre in der Zeit zurück. Dr. Ziesing begann mit der Kaiserkrönung Napoleons (2.12.1804) und seinen Eroberungszügen in Europa, insbesondere seinem Sieg in der Schlacht bei Austerlitz (2.12.1805) über Österreich und Russland und seinem Sieg über Preußen in der Schlacht bei Jena und Auerstädt (14.10.1806).

Danach erfolgte die Umgestaltung und Eingliederung der eroberten Gebiete, auch des seit 1802 preußischen Münsterlandes, in die französische Verwaltung. So war Greven im Jahre 1808 Teil des Großherzogtums Berg, darin zum Departement Ems, Arrondissement Münster, Kanton Greven gehörend, zusammen mit den umliegenden Orten Altenberge, Emsdetten, Nordwalde, Saerbeck und Telgte. Der Bürgermeister hatte jetzt den Titel „Maire“.

Im Spätsommer 1812 begann der Russlandfeldzug Napoleons, der bis in das von Menschen verlassene Moskau führte. Auf dem Rückmarsch während des Winters kamen von der 600 000-Mann-Armee weniger als 80 000 Soldaten zurück.

Zu den Opfern gehörten auch Grevener, zum Beispiel Johann Bernard Heinrich Bücker, Johann Bernard Joseph Bölke und Franz Philipp Linnenbank. Bei Joseph Prinz (Greven an der Ems) findet man mehr als 20 Opfer der französischen Kriege.

Nach der Völkerschlacht bei Leipzig (16.-19.10.1813) zogen sich die Franzosen Richtung Frankreich zurück, Greven verließen sie am 2.11., Münster am 4. 11.1813.

Ab November 1813 begannen die Preußen mit der Aufstellung der Westfälischen Landwehr und der Freiwilligen Jäger. Das Münsterländer Landwehr-Infanterie-Regiment, das 4. der fünf Westfälischen, wurde als ein Teil der preußischen Armee unter dem Kommando des Feldmarschalls Gebhard Leberecht von Blücher (1742-1819) aufgestellt.

Im Juni 1815 nahm es an der (verlorenen) Schlacht bei Ligny (Belgien) und an der entscheidenden siegreichen Schlacht bei Waterloo (Belgien) teil.

Mitglieder des Münsterländer-Landwehr-Regiments waren auch viele Grevener: ein Freiwilliger und 1814/15 zusammen 148 Ausgeloste. Dr. Ziesing geht auf sechs Seiten seines Buches auf die Grevener Landwehrmänner ein, insbesondere auch auf den einzigen Freiwilligen, auf Friedrich Wilhelm Tümler, dessen Leben ausführlich in dem Buch „Schmedehausen“ von Wilhelm Schenkel dargestellt ist. Mitte Dezember 2019 wurde in der Lokalzeitung ein Artikel über das außergewöhnliche Leben dieses Mannes veröffentlicht, der nach seiner Dienstentlassung fast 50 Jahre Amtmann in Greven war.

Dr. Ziesing referierte auch darüber, dass ein Landwehrmann zwischen 17 und 40 Jahre alt und mindestens fünf Rhein. Fuß (157 cm) wegen der Länge des Vorderladers groß war. Er ging auch auf die Kleidung und die Bewaffnung der Landwehrmänner ein.

Im besten Falle bestand die Bewaffnung aus einem Vorderlader, für den das Pulver und die Kugel sich in einer Papierpatrone befanden, die bei Bedarf mit den Zähnen geöffnet werden musste. Wem die Schneidezähne fehlten, wie dem Grevener C. H. Theodor Blomberg gnt. Temming, wurde also ausgemustert.

Es war ein so gut gelungener Vortragsabend, dass die abschließend geplante Möglichkeit, Fragen zum Thema zu stellen, ausfallen musste.

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