Neue Wendung im Verfahren um das Kollektorfeld in den Emsauen
Renaturierung ohne neue Energien

Greven -

Das letzte Schreiben im Fall „Kollektorfeld Emsaue“ ging Mitte Dezember beim Verwaltungsgericht Münster ein. „Wann es einen Termin für das Verfahren geben wird“, erklärte der Vorsitzende Richter Michael Labrenz, „kann man nicht sagen.“ Jetzt mehren sich die Zeichen, dass es gar kein Verfahren mehr geben wird. Die Stadt nämlich könnte auf das geplante Kollektorfeld zur Gewinnung von Erdwärme in der Emsaue verzichten. „Man muss sich ja die Frage stellen, ob ein Prozess lohnt“, meinte Bürgermeister Peter Vennemeyer im Gespräch mit dieser Zeitung.

Freitag, 17.01.2020, 07:07 Uhr aktualisiert: 17.01.2020, 07:10 Uhr
Hier sollten die Energie-Kollektoren vergraben werden – jetzt könnte die Stadt auch offiziell auf ihre Zukunftspläne verzichten, damit es mit der Renaturierung der Ems weitergeht.
Hier sollten die Energie-Kollektoren vergraben werden – jetzt könnte die Stadt auch offiziell auf ihre Zukunftspläne verzichten, damit es mit der Renaturierung der Ems weitergeht. Foto: Günter Benning

Die eingeplanten Mittel aus dem Haushalt der Europäischen Union sind längst perdu. Mit rund 14 Millionen Euro hatte die Stadt für das Projekt Energie-Gewinnung aus Kollektoren und die energetische Sanierung des Rathauses gerechnet.

Nach der Genehmigung durch das Regierungspräsidium im März 2019 hatte der Naturschutzbund dagegen vor dem Verwaltungsgericht Klage erhoben.

Damals hatte der Leiter der Biologischen Station Dr. Michael Harengerd darauf verwiesen, dass die Emsaue ein wertvolles FFH-Schutzgebiet sei. Von den Kollektorschlangen, die in der Nähe der Fußgängerbrücke über die Ems verbuddelt würden, gehe aber eine Gefahr für Fauna und Flora aus. Überdies, so der Nabu , sei es sinnvoller, die Erdwärme aus einer Ackerfläche zu ziehen als aus dem Emsufer.

Stadt und Regierungspräsidium in Münster sahen das anders. Bürgermeister Vennemeyer verwies auf seine Gutachter, die eine jährliche CO-Einsparung von 650 bis 700 Tonnen versprechen würden. Seit März 2019 liegt die Sache nun beim Verwaltungsgericht und wird, so der Fachjargon, „ausgeschrieben“. Die Kontrahenten tauschten Stellungnahmen mit dem Gericht aus.

Zwischendurch verstrich die Frist zur Beantragung der EU-Mittel. „In dieser Förderperiode“, so Mario Huslage, der das Projekt im Rathaus organisiert, „wird es keine Mittel mehr geben.“ Ein Bau der Kollektoranlage ohne Zuschüsse und den Ausgleich eine „Wirtschaftlichkeitsnachteils“ – wie bei anderen regenerativen Energieanlagen – gehe nicht.

Federführend in dem Verfahren ist das Regierungspräsidium. Aus dessen Sicht hat ein anderes Projekt weiter Vorrang, in das die Grevener Energiegewinnung eingebettet gewesen ist. Die Renaturierung der Ems auch zwischen Schöneflieth und Emsbrücke soll weitergehen. Im Bereich des Freibads haben die Bagger bereits zugeschlagen. Doch mit der Klage des Nabu ist der Weiterbau des letzten Teilstücks auf Grevener Stadtgebiet ebenfalls gestoppt.

Beim Regierungspräsidenten will Pressesprecherin Ulla Lütkehermölle zwar noch nichts bestätigen. Immerhin kündigte sie an, die Stadt werde sich schriftlich in den nächsten beiden Wochen melden. Wenn Greven auf die Kollektoren offiziell verzichtet, könnte das übrige Verfahren weiterlaufen. Hinter der Renaturierung steht auch der Nabu.

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