Interview mit Bürgermeister Peter Vennemeyer
Neue Häuser lieber in der Stadt

 Greven -

Zwei Wahlperioden sind genug. Nach der Kommunalwahl im September wird Bürgermeister Peter Vennemeyer sein Chefbüro im Rathaus verlassen. Im Gespräch mit unserem Redaktionsmitglied Günter Benning blickt er auf das vergangene Jahr zurück und spricht über künftige Herausforderungen für die Stadt.

Freitag, 17.01.2020, 17:43 Uhr aktualisiert: 19.01.2020, 14:45 Uhr
Peter Vennemeyer in seinem Bürgermeisterbüro.
Peter Vennemeyer in seinem Bürgermeisterbüro. Foto: Günter Benning

Wie war das vergangene Jahr für Sie?

Vennemeyer : Ereignisreich und herausfordernd. Wir haben mit der Politik viele Dinge bewegt. Aber wir mussten auch erleben, dass manches nicht so gelaufen ist, wie wir uns das vorgestellt haben. Bei der Rathausstraße hätte ich mir eine andere Entwicklung vorstellen können. Dann wären wir heute fast am Bauen.

Was ist gut gelaufen?

Vennemeyer: Zum Beispiel der Umbau der Marienschule. Wir sind in den letzten Zügen bei der Martinischule, die Planungen für die Erich-Kästner-Schule laufen. Alles zielt darauf hinaus, die Betreuungsangebote zu erhöhen. In der Gesamtschule haben wir die Mensa in Betrieb genommen, ein wunderschönes Gebäude. Und am Gymnasium ist der naturwissenschaftliche Trakt am Augustinianum in Betrieb genommen. Wir haben viel Geld in die Hand genommen – aber das ist gut angelegt.

Muss Greven mittlerweile „städtische“ Bedürfnisse befriedigen?

Vennemeyer: Wir müssen den Spagat hinkriegen zwischen Urbanität und Dorf. Die Siedlungsstruktur ist überwiegend dörflich. Das ist schön, aber wir leben heute in einer anderen Zeit. Mehr Urbanität, das hat mit Wohnraum zu tun, auch mit dem wichtigen Thema Bildung. Und mit der Infrastruktur der Stadt. Nehmen Sie den Wertstoffhof, die vierte Reinigungsstufe der Kläranlage, den Baubetriebshof. Das alles sind notwendige Modernisierungen.

Wie soll Greven weiterwachsen?

Vennemeyer: Das ist eine der großen Fragen für die Politik. Wir hoffen, dass wir eine Entscheidung bis zum Sommer hinbekommen – dann müssen wir erklären: wollen wir eine innerstädtische Entwicklung oder wollen wir größer wachsen. Wir sprechen dann über das Siedlungsgebiet jenseits der B 481. Man muss darüber nachdenken, wie weit wir weitere Innenverdichtung betreiben und wie wir die Potenzialflächen, von denen wir einige haben, umsetzen können. Die Landesplanung hat sich geändert, wir können Flächen, die heute als Wohnbauflächen vorgesehen sind, auch innerstädtisch tauschen. Wir müssen nicht unbedingt jenseits der B 481 weiterbauen, weil das im Flächennutzungsplan so steht. Ich würde diesen Sprung auch nicht machen, weil die Kosten dafür hoch sind. Man müsste eine komplett neue Infrastruktur schaffen, mit Schule und Kita.

Was ist die Alternative?

Vennemeyer: Diese Stadt hat noch eine Menge Flächen im innerstädtischen Raum, man muss nur die Eigentümer davon überzeugen. Das wird noch ein Problem werden. Wenn man die Stadt von oben betrachtet, gibt es Flächen, wo wir die Bebauung abrunden können. Beispiel Mühlenstraße oder Nordwalder Straße auf dem Gelände der Raiffeisen AG, auch das Setex-Gelände ist interessant. Da sprechen wir allein über 1500 bis 2000 Einwohner.

Was halten Sie von der Bebauung des Rathausplatzes?

Vennemeyer: Der Platz hat den charmanten Vorteil, dass er komplett im Besitz der Stadt ist. Das schreit nach einer städtebaulichen Entwicklung, mit 200 Wohneinheiten, einer Mischnutzung, Einzelhandel und Gastronomie. Das fände ich klasse. Ich hoffe, dass dies eines der wichtigsten Projekte der nächsten Jahre sein wird.

Wie sehen Sie die Entwicklung Reckenfelds?

Vennemeyer: Das wird eine innerörtliche Entwicklung, die ihresgleichen sucht. Der Wettbewerbsgewinner hat dort zwar einen Plan erstellt, der eine Herausforderung an die Bebauungsplanung darstellt. Ich hoffe aber, die Probleme klären wir in den nächsten Wochen.

Interessanterweise entstehen immer Diskussionen über die Geschosshöhe. Wo kommt die Angst vor Höhe her?

Vennemeyer: Da ist erstmal die Angst vor Veränderung. Eine Einzelhausbebauung ist für den Einzelnen schön. Wenn ich aber eine Wohnbebauung für viele Leute ohne große Beanspruchung der Natur will, dann muss ich in die Höhe planen.

Zu den Dingen, die im vergangenen Jahr nicht gut gelaufen sind, gehört die Rathausstraßenplanung.

Vennemeyer: Richtig, die Entscheidung des Rates wirft uns zwei, drei Jahre zurück. Davon hängen auch andere Dinge in der Innenstadtplanung ab.

Die Innenstadt hat aber im vergangenen Jahr an Qualität gewonnen?

Vennemeyer: Innenstädte werden sich nur entwickeln können, wenn man eine Gemeinsamkeit zwischen Erlebnisqualität und Shopping hinbekommt. Es wird zwar viel gemeckert über Greven, aber wenn ich uns mit anderen Innenstädten vergleiche, dann sind wir gut aufgestellt. Wir haben unser integriertes Handlungskonzept Innenstadt. Wir haben einen guten Mix. Und gerade die gastronomische Entwicklung, die noch weitergehen wird, zeigt, dass wir ein attraktiver Standort sind.

Unbefriedigend bleibt die Lage an der Rathausstraße. Wo geht das hin?

Vennemeyer: Die Förderung des Fuß- und Radverkehrs wird immer wichtiger. Da gibt es Defizite. Seitdem ich selber E-Bike fahre, schreibe ich fast jede Woche Zettel an die Tiefbauer dazu, in welchem Zustand die Radwege sind. Da muss man nacharbeiten. Interessant wird ein Test werden, ob man ein Einbahnstraßensystem in der Stadt realisieren kann. Das Ziel bliebt eine autofreie Innenstadt.

Sie können sich ein Einbahnstraßensystem vorstellen?

Vennemeyer: Ja, der Knackpunkt werden die Kardinal-von-Galen-Straße sein, die Kreuzung Nordwalder Straße und der Kreisverkehr an der Saerbecker Straße. Wenn man die Rathausstraße einspurig führt, mit einer Busspur, dann muss man gucken, wie sich die Verkehre entwickeln. Aber der hohe Verkehrsdruck auf der Rathausstraße ist nicht einfach wegzukriegen.

Was wünschen Sie ihrem Nachfolger?

Vennemeyer: Man ist nicht Bürgermeister einer Partei, sondern einer Stadt. Da ist es trotzdem schön, wenn man verlässliche Mehrheiten hat und man damit arbeiten kann. Der Aufwand, mit den Parteien zu verhandeln, ist bei unklaren Mehrheiten sehr hoch. Aber man muss auch sehen, dass der Zustimmungsgrad in Greven bei 85 bis 90 Prozent liegt.

Auch bei Entscheidungen, die für Sie negativ waren, wie die Ablehnung der Rathausstraßenplanung...

Vennemeyer: Es gab eine Gegenstimme – meine.

Was muss ein Bürgermeister können?

Vennemeyer: Ich komme aus einer Verwaltung, war ein paar Jahre in der Privatwirtschaft. Das hat mir sehr geholfen. Aber das Leben hat sich sehr geändert. Für diesen Verwaltungskonzern brauchen Sie Management-Kenntnisse. Reines Wissen aus den Fachgebieten ist nicht erforderlich.

Hilft Lebenserfahrung?

Vennemeyer: Das muss der Wähler wissen, ich äußere mich dazu nicht. Ich kann mir aber vorstellen, dass sie hilft.

Wenn man noch acht Monate im Amt ist, fasst man große Pläne nicht mehr an?

Vennemeyer: Ich glaube, dass man in vielen Verwaltungen sagt, dies und jenes machen wir nicht mehr. Dann etwa, wenn ein alter Rat etwas beschließen würde,was den neuen Rat betrifft.

Im letzten Jahr war es interessant, wie der Reckenfelder Sportverein seine Sportzentrum gebaut hat. Ist das ein Vorbild für anderes?

Vennemeyer: Ja, das kann ich mir gut vorstellen. In diesem Fall war ich einer der Initiatoren. Als ich in Hamburg wohnte, habe ich bei einem ähnlichen Modell geholfen. Die Stadt wollte Feuerwehrhäuser für die Freiwillige Feuerwehr bauen, sie hatte Geld für zwei Häuser. Da haben wir gesagt, das machen wir selber: Und wir haben mit Engagement und den richtigen Leuten vier Häuser gebaut. Wenn man das hinbekommt, ist es eine Win-Win-Situation. Alles wäre ohne das Engagement des SCR und seines Vorsitzenden Termöllen nie möglich gewesen.

Haben Sie schon Pläne für die Zeit nach der Wahl?

Vennemeyer: Ich werde meinen Schlüssel abgeben und mich in nichts mehr einmischen.Aber es gibt Pläne. Es ist auch schön zu sehen, dass sich Menschen Gedanken über meine zukünftige Freizeit machen.

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