Klassenfahrten an weiterführenden Schulen
Flugreisen nur in Ausnahmefällen

Greven -

Die einen sind noch nie geflogen. Die anderen wollen Flüge reduzieren. CO

Donnerstag, 06.02.2020, 08:44 Uhr aktualisiert: 06.02.2020, 11:18 Uhr
Grevener Gymnasiasten in den USA: Das wird auch weiterhin nicht ohne Flugzeug klappen. Doch davon abgesehen gibt es
Grevener Gymnasiasten in den USA: Das wird auch weiterhin nicht ohne Flugzeug klappen. Doch davon abgesehen gibt es Foto: dpa-tmn / Archiv

Klassen- oder Stufenfahrten mit dem Flugzeug – an den weiterführenden Schulen in Greven sind sie nicht gänzlich tabu, aber mitunter wird sehr intensiv darüber debattiert.

An der Anne-Frank-Realschule hat sich das Thema bislang noch nicht gestellt. „Wir sind noch nie geflogen“, sagt Konrektor Andreas Sornig . „Wir haben bislang nur Ziele angesteuert, die nicht so weit weg sind, dass man fliegen müsste.“ Sollte das Thema mal auf die Schule zukommen (weil aus pädagogischen Gründen ein Flugziel angesteuert werden soll), ist eine ökologische Kompensation denkbar. Auf der Plattform Atmosfair kann man entsprechende Leistungen „buchen“. Diese würden die Reise natürlich verteuern, was man in der Diskussion berücksichtigen müsse. „Wir haben das schon im Blick, weil auch einige Schüler das thematisieren“, sagt der kommissarische Schulleiter Rainer Sandkötter. Am Gymnasium ist die Lage etwas komplizierter. Immerhin gibt es seit Jahren einen Austausch mit Wisconsin/USA. „Da wird natürlich weiter geflogen“, sagt Schulleiter Dr. Volker Krobisch . „Man kann da nicht mit dem Einhandsegler fahren.“ Und auch eine Anreise mit dem Kreuzfahrtschiff sei „Schwachsinn“.

Die USA-Reise sei in 2019 nach seinem Wissen aber die einzige Flugreise von Augustinianern gewesen. Es gebe gewissermaßen einen „freiwilligen Selbstverzicht“. Aber eben noch keine verbindliche Regelung. „An unserer Schule ist da eine intensive Diskussion entstanden“, sagt Krobisch. Ausgelöst nicht zuletzt durch die Schüler selbst, von denen sich einige bekanntermaßen auch sehr aktiv für „fridays for future“ engagieren. Den Impuls habe das Kollegium aufgenommen. Die Lehrerkonferenz habe beschlossen, „weitgehend“ auf Flugreisen zu verzichten. In dieser Woche wird sich die Schulkonferenz mit dem Thema beschäftigen, im Mai dann die Schulpflegschaft, also Elternvertreter. „Die haben da ein gehöriges Mitspracherecht“, sagt Krobisch. Erst recht, falls beschlossen werde, Flugreisen via Öko-Kompensation zu verteuern. Die Debatte um Flugreisen steht für Krobisch im Kontext vieler Aktionen zum Thema Nachhaltigkeit an der Schule – das Thema fand gar Eingang in das Leitbild der Schule. Ein 2016 gegründeter Arbeitskreis Nachhaltigkeit (mit Lehren, Schülern und Eltern) will Umwelt-Themen (Papier, Recycling etc.) noch stärker in die Schule tragen.

An der Nelson-Mandela-Gesamtschule gab es bislang noch keine Schüler-Flugreise. Man habe mit Schülern die Diskussion „gewinnbringend geführt“, sagt er. Nicht ohne Anlass: Manche Schüler wünschten sich nicht weniger, sondern überhaupt mal Flugreisen. Dies gebe es an anderen Schulen schließlich auch. Doch bislang ist es an der Gesamtschule nicht dazu gekommen. Auch die Schüler, die im kommenden Jahr die Jahrgangsstufe 13 besuchen, haben für die dann anstehende Fahrt ein Ziel gewählt, das ohne Flieger zu erreichen ist. Noch aber fehlt es an einem verbindlichen Grundsatzbeschluss. „Dieser Prozess wird weitergehen“, kündigt Krimp­hoff an, der aus seiner persönlichen Meinung kein Geheimnis macht. „Wir sollten es tunlichst vermeiden, Ziele auszuwählen, die nur per Flugzeug zu erreichen sind. Ich denke, das muss nicht sein.“ Man könne dem Bildungsauftrag auch ohne Flugreisen nachkommen – vielleicht sogar besser, wenn man mit den Schülern das Für und Wider reflektiere.

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