Ein Jahr Gefängnis für fünf Einbrüche
„Mandant steht kurz vor dem Absaufen“

Greven/Rheine -

Der Schaden ist klein. Die Strafe mit einem Jahr hoch. Aber der Richter hat sich viel dabei gedacht. Der Täter sitzt tief im sozialen Abgrund.

Dienstag, 18.02.2020, 08:42 Uhr aktualisiert: 18.02.2020, 09:01 Uhr

Für ein Jahr muss ein 20-jähriger Angeklagter aus Greven wegen fünf Einbruchdiebstählen in einen Kiosk am Freibad und in die Gesamtschule in Greven ins Gefängnis.

Das Jugendschöffengericht verurteilte ihn am Montag auf Antrag der Staatsanwaltschaft und Empfehlung der Jugendgerichtshilfe zu dem konsequenten Strafmaß unter Einbeziehung eines vorangegangenen Schuldspruchs. Viermal brach er im Juni/Juli 2019 in den Kiosk am Freibad ein und stahl Süßigkeiten, Getränke und Eis im Gesamtwert von rund 300 Euro. Der Sachschaden, den er durch Aufdrücken des Fensters anrichtete, betrug das Doppelte des Diebesgutes. In der Gesamtschule entwendete er am 23. November 2019 einen Laptop, ein Handy und einen Akku-Schrauber im Wert von 1500 Euro. Zudem wurden ihm mit dem Urteil 1700 Euro Wertersatz für den Schaden auferlegt. Bei den Taten stand er unter Bewährung, ungeachtet dessen machte er weiter.

Der Angeklagte räumte die Taten mit gesenktem Kopf ein und sagte: „Ich bekomme bis heute kein Geld vom Amt, auch nicht vom Arbeitsamt“. Der Grund lag in fehlenden Bescheinigungen, die er nicht einreichte.

Die Jugendgerichtshelferin erklärte, dass er nach dem erfolgreichen Abschluss der Mittleren Reife seine Ausbildung abgebrochen hätte.

Danach sei die Situation bei ihm zu Hause eskaliert. Seitdem wohne er bei Freunden oder in einer Obdachlosenunterkunft: „Sein Leben hat keine Perspektive. Er verbringt den Tag mit Zocken an der Konsole und Drogenkonsum“. Er sei in Russland aufgewachsen. Nach dem frühen Tod seiner Eltern sei er in eine Pflegefamilie gekommen, in der es nach dem Ausbildungsabbruch eskaliert sei.

Um sein Leben zu strukturieren, empfahl sie eine Jugendstrafe ohne Bewährung. Der Richter sagte in der Urteilsbegründung: „So geht es nicht weiter. Ich werde in der Urteilsbegründung eine Langzeit-Drogentherapie empfehlen. Dann müssen Sie sehen, was Sie daraus machen“. Der Verteidiger hatte im Plädoyer betont: „Mein Mandant steht kurz vor dem Absaufen. Ob das Gefängnis das richtige Mittel dagegen ist, bezweifle ich.“

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