Anke Lindenbaum bietet mit ihrer Wäsche-Schneiderei Neuanfertigungen und Änderungen
Selbstgenähtes für Tisch und Bett

Greven -

Anke Lindenbaum hat einen immer seltener werdenden Beruf: Sie ist Wäsche-Schneiderin. In ihrer Werkstatt kommen neben alten gusseisernen Nähmaschinen auch hochmoderne Exemplare zum Einsatz.

Mittwoch, 19.02.2020, 08:37 Uhr aktualisiert: 19.02.2020, 08:50 Uhr
Anke Lindenbaum übt ihren
Anke Lindenbaum übt ihren Foto: Pia Weinekötter

Ein Hauch längst vergangener Zeiten ist zu spüren, wenn man an den Begriff Wäsche-Schneiderei denkt. Liebevoll zusammengetragene Aussteuer der Bräute kommt einem da in den Sinn, Bettwäsche mit Monogramm des Mädchennamens, Tischwäsche aus feinem Leinen mit delikater Spitze oder auch maßgefertigte Nachthemden und Schlafanzüge.

Doch Anke Lindenbaum hat Moderne und Historie gut miteinander verbunden: so zeigt sie beispielsweise die dünnen Kupfer-Folien mit ausgestanztem Monogramm, das für das Vorzeichnen des Stickmusters genutzt wurde. „Dann musste diese vorgezeichnete Form mit dichten Stichen ausgefüllt werden.“

Ein weiteres Relikt aus früheren Jahrzehnten ist die Zuschneidemaschine, mit der ihre Mutter Margret Lindenbaum gleich 25 Lagen Stoff auf einmal für die Kittelproduktion zuschnitt.

Kittel werden heute weniger verlangt, aber dafür stehen Schürzen hoch im Kurs. „Gerade bei den Männern, die begeistert grillen oder kochen“, weiß die Wäsche-Schneidermeisterin.

In ihrer Werkstatt kommen dann neben den vielen oftmals gusseisernen Nähmaschine – „Schnellnäher mit bis zu 7000 Stichen pro Minute, Knopfloch-Automat oder auch eine auf Paspelierung eingestellte Maschine“ – auch hochmoderne Maschinen wie zum Beispiel eine computergestützte Nähmaschine mit einer Vielzahl von Programmen oder die Maschine mit dem Dehnstich für elastische Trikot-Ware wie T-Shirts oder Schlafanzüge zum Einsatz.

Das Handwerk hat im Hause Lindenbaum Tradition. „Meine Mutter Margret Lindenbaum hat das Geschäft 1950 als 21-Jährige gegründet, damals noch mit einer Sondergenehmigung, weil sie die Meisterprüfung noch nicht komplett abgeschlossen hatte“, plaudert Anke Lindebaum aus dem Nähkästchen.

Die Lindenstraße war damals noch eine Durchgangsstraße und brachte viel Laufkundschaft. „In Spitzenzeiten beschäftigte meine Mutter 14 Näherinnen und hat insgesamt 35 Lehrlinge ausgebildet, von denen etliche auch immer wieder mal bei uns im Geschäft vorbeischauen“, blickt Anke Lindenbaum mit etwas Wehmut zurück.

Denn sie sagt zwar noch „uns“, aber mittlerweile führt sie das Unternehmen allein. Ihre Mutter verstarb vor zwei Jahren und kann daher in diesem Jahr das 70-jährige Betriebsjubiläum nicht mehr miterleben.

Deshalb war es für Anke Lindenbaum auch nicht nur familiäre Bestimmung, sondern die echte Begeisterung für ihre Profession, die sie den Beruf ergreifen ließ.

Nach den Gesellenjahren folgte 1990 die Meisterprüfung. „Die Prüfung wurde nicht mehr jedes Jahr abgehalten und ich musste dafür bis nach Kassel gehen“, berichtet die 54-Jährige und fügt hinzu, „heute wüsste ich im gesamten Münsterland auch keine weitere Wäscheschneiderei.“

Das ist auch ihren Kunden bewusst, denn die kommen längst nicht mehr nur aus Greven. „Viele schicken ihre Reparaturen auch per Post zu mir, beispielsweise eine bunte Wollmütze mit einem Mottenloch, das ich dann ganz fein stopfe, oder auch die Lieblingsjeans.“ Oder bei einem hochwertigen Herrenhemd werden Manschetten oder Kragen erneuert. „Das ist dann mein Beitrag zur Nachhaltigkeit“, schmunzelt die Unternehmerin.

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