Dr. Volker Krobisch als Leiter des Gymnasiums Augustinianum verabschiedet
„Sehr gerne hier gearbeitet“

Greven -

Zehn Jahre war er der Leiter des Gymnasiums Augustinianum, nun hat er Abschied genommen. Im Interview blickt Dr. Volker Krobisch zurück und voraus.

Samstag, 29.02.2020, 07:00 Uhr
Nach zehn Jahren Augustinianum verlässt Dr. Volker Krobisch die Schule, um künftig für die Bezirksregierung zu arbeiten.
Nach zehn Jahren Augustinianum verlässt Dr. Volker Krobisch die Schule, um künftig für die Bezirksregierung zu arbeiten. Foto: Oliver Hengst

Im Herausgehen drückt er dem Besucher eine Visitenkarte in die Hand. Das vorletzte Exemplar, das er noch hat. Neue gibt es nicht mehr. Zehn Jahre lang war er Leiter des Gymnasiums Augustinianum. In dieser Woche wurde Dr. Volker Krobisch verabschiedet. Im Interview sprach er (vor der Verabschiedung) über Höhen und Tiefen, inhaltliche und reale Baustellen und Dinge, die nicht gelungen sind.

Macht sich Abschiedsschmerz breit?

Dr. Volker Krobisch: Abschiedsschmerz wäre vielleicht zu viel gesagt. Ich würde es leise Wehmut nennen, die mich ergreift. Weil ich sehr gerne hier gearbeitet habe und mich aus dem Augustinianum ja nicht verabschiede, weil ich unzufrieden wäre, sondern weil ich mir für die nächsten drei Berufsjahre bis zum Erreichen der Altersgrenze nochmal eine neue, spannende Aufgabe wünsche. Dass das geklappt hat, ist für mich ein glücklicher Umstand.

Was genau ist das für eine Aufgabe?

Krobisch: Ich werde bei der Bezirksregierung Münster im Dezernat Fortbildung arbeiten. Ich habe ja schon seit Jahren – quasi nebenamtlich – in der Schulleitungsqualifizierung mitgewirkt, Seminare geleitet, Trainerfunktionen übernommen. In den letzten drei Jahren habe ich speziell im Bereich der Schulentwicklungsberater-Ausbildung gearbeitet – also Lehrkräfte, die dafür qualifiziert werden, Schulen in ihrer Entwicklung zu beraten. Das ist für mich eine sehr spannende Aufgabe.

Wird Sie diese Aufgabe auch mit dem Augustinianum in Kontakt bringen?

Krobisch: Wir brauchen immer tüchtige Schulentwicklungsberater, Nachwuchs für Schulleitungen und Menschen, die Moderatoren- oder Trainerrollen übernehmen. Es könnte sein, dass mir der ein oder andere einfällt, den ich anspreche.

Zehn Jahre Augustinianum – worauf hätten sie gern verzichtet?

Krobisch: Auf die eine oder andere personelle Querele, die man erlebt hat – die zum Glück lange zurückliegt. Das war eine schwierige Situation für die Schule, die sich aber geklärt hat.

Was bleibt Ihnen besonders positiv in Erinnerung?

Krobisch: Da gäbe es vieles zu nennen. Das kurioseste war, was sich aus dem Hochwasserschaden 2014 ergeben hat. Wir hatten hier ohne zu übertreiben eine Katastrophe, weil alle tiefer liegenden Gebäudeteile zum Teil bis an die Decke unter Wasser standen. Dass sich aus dieser Situation sehr viel Positives für die Schulentwicklung ergeben hat, das ist für mich das größte Lehrstück. Das war überraschend. Denn wenn Sie hier zwischen 40 Containern stehen voll mit feuchten, nass triefenden und zum Teil schimmelenden Schulmaterialien, und geflutete Naturwissenschaften erleben, können Sie sich schwer vorstellen, dass darin auch etwas Positives liegen könnte. Aber es war so.

Positiv, was die bauliche Entwicklung angeht?

Krobisch: In vielerlei Hinsicht. Positiv war natürlich, dass das Thema Neue Naturwissenschaften damit sehr schnell geklärt war. Positiv war auch, dass wir die – ich sage mal: Hinterlassenschaften aus 35 Jahren Unterrichtsarbeit angepackt haben. In West II, dem Atombunker, lag tonnenweise Material, das sonst nie jemand angefasst hätte. Das gab Raum für Neues. Wir haben hier auch einen sehr starken Zusammenhalt entwickelt im Abarbeiten des Problems. Schulleitung und Kollegium sind stärker zusammengewachsen.

Wie sehr hat es Sie geärgert, dass Sie mit ihrem Team erst den Übergang zu G8 managen mussten, um später erneut viele Ressourcen investierten zu müssen, um alles rückgängig zu machen?

Krobisch: Das hat mich überhaupt nicht geärgert. Ich sehe es als notwendige Klärung innerhalb der Schuldiskussion an. Natürlich gibt es Argumente für G8. Eine Mehrheit hat sich auch dafür entschieden. Das Gute daran ist, dass sie verstanden haben, dass der Weg falsch war und dass sie dann den Mut hatten, umzukehren. Ich bin selbst bereit, auch neue Wege zu gehen – wohlwissend, dass ich vorher nicht sagen kann, ob der Weg richtig oder falsch ist. Aber wenn ich den Weg nicht gehen würde, würde die Schule an dieser Stelle stehen bleiben. Am Ende sind wir heute weiter, weil wir die G8-Phase durchlaufen haben, mit allen Nachteilen. Ich war übrigens von Anfang an ein Gegner von G8. Aus dem Fehler haben wir viel gelernt, zum Beispiel für die individuelle Förderung, insofern war es fruchtbar.

Wie gut ist das Augustinianum aktuell aufgestellt?

Krobisch: Dazu eine kleine Episode: Ich erhielt im Dezember eine Beschwerde einer Mutter, die beklagte, dass so kurz vor Weihnachten den Schülern noch so viele Hausaufgaben, Referate, Klausuren und Projekte zugemutet würden. Ich fand die Kritik berechtigt. Das Schöne an der Kritik war, dass sie dazu sagte: Und das an einer Schule mit einem solch guten Ruf! Ich werte dieses – unfreiwillige – Kompliment als Indiz dafür, wo die Schule steht. Dergleichen erlebe ich in der Schlussphase meiner Tätigkeit hier oft. Es kommen immer wieder Schüler und Eltern, die sagen: Die Schule steht nicht so schlecht da.

Hinterlassen Sie auch offene Baustellen?

Krobisch: Oh, ja! Unsere größte Baustelle ist West I, das muss ich nicht weiter ausführen. Es gibt auch manches, was mir nicht gelungen ist. Zum Beispiel hätte ich gern den Augustinus-Campus realisiert, der sollte ja schon 2020 kommen. Gemeint ist die Gestaltung des Bereiches zwischen den beiden Gebäudekomplexen, ein Schulcampus als „Shared Place“, um den Zusammenhalt zu stärken, aber auch um die Verkehrssicherheit zu erhöhen. Aber ich habe Hoffnung, dass das noch gelingen wird. Seit zehn Jahren ärgere ich mich darüber, dass in der ganzen Zeit unserer Lehrerzimmer nicht renoviert worden ist. Manchmal zweifle ich auch, ob es mir gelungen ist, die Schule davon zu überzeugen, dass man eine Schule über ein Leitbild steuern kann.

Manche kritisieren die Schule und damit auch die Leitung dafür, dass sie das Thema Inklusion nicht so stark zu ihrem Thema gemacht hätten wie andere. Für Sie nachvollziehbar?

Krobisch: Ich verstehe diese Kritik und verstehe, dass es in der Außenwahrnehmung so erlebt wird. Ich glaube aber nicht, dass das zurecht geschieht. Wir haben immer Schüler mit Sonderförderbedarf hier aufgenommen und tun das weiter. Das geht von Hörschädigungen bin hin zu teilautistischen Phänomenen. Das haben wir immer gern und glaube ich auch recht gut gemacht. Im Hochwasser-Jahr sollten wir Inklusionsschule werden, also Schule des gemeinsamen Lernens. Wir haben um ein Jahr Aufschub gebeten, es wäre wirklich zur Unzeit gekommen. Aber wir haben uns nicht verwehrt. Ein Jahr später, also 2015/16, als erste Erfahrungen mit Inklusion an Gymnasien gemacht waren, hat man uns dann nicht mehr gefragt.

Vor dem Hintergrund der Diskussion um so genannte Abschulungen: Gibt es in der Grevener Schullandschaft Ungleichgewichte?

Krobisch: Ich habe immer betont, dass wir hier nicht abschulen, sondern dass wir dann einen Schulformwechsel empfehlen, wenn wir es für richtig für den betreffenden Schüler halten – nicht für die Schule. Wir wollen keine Bequemlichkeit herbeiorganisieren. Insofern finde ich das Nebeneinander eines integrierten und eines gegliederten Schulsystems für das Gymnasium Greven richtig. Die Realschule gibt am Ende der Erprobungsstufe zwischen fünf und zehn Schüler an die Hauptschule ab. Das Gymnasium gibt etwa in der gleichen Größenordnung an die Realschule ab. Wir nehmen zum Teil auch Schülerinnen und Schüler der Realschule und der Gesamtschule bei uns auf. So lange es das gegliederte Schulsystem in Greven gibt, gibt es ein „Atmen“ zwischen den Systemen.

Welche Schlagzeile möchten Sie künftig mal über das Augustinianum lesen?

Krobisch: „Das Augustinianum hat sich erfolgreich um den Deutschen Schulpreis beworben und ist unter die Top 20 gelangt. Ich glaube, dass wir so, wie wir aufgestellt sind, eine gute Chance hätten. Gerade mit den Entwicklungen: Augustinusstunde, MINT-Exzellenz-Label, Spanisch als zusätzliche, zweite Fremdsprache und vielem mehr.

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