Junges Freilichtbühnen-Team inszeniert „Die Welle“
Experiment gerät außer Kontrolle

Reckenfeld -

Ein junges Team der Freilichtbühne bereitet aktuell eine Inszenierung des Stücks „Die Welle“ vor. In der kommenden Woche findet die erste von sechs Aufführungen statt.

Freitag, 28.02.2020, 21:00 Uhr
Wer bei der „Welle“ nicht mitspielt, wird zum Außenseiter – und bekommt das auch zu spüren. Im Stück teilt Benjamin Lenz (2.v.l.) aus, im wahren Leben hat er über die Geschichte eine Facharbeit geschrieben.
Wer bei der „Welle“ nicht mitspielt, wird zum Außenseiter – und bekommt das auch zu spüren. Im Stück teilt Benjamin Lenz (2.v.l.) aus, im wahren Leben hat er über die Geschichte eine Facharbeit geschrieben. Foto: Heidrun Riese

So etwas wie der Nationalsozialismus kann in der heutigen Zeit nicht mehr passieren. Oder? In dem Theaterstück, das einige Jugendliche der Münsterländischen Freilichtbühne derzeit unter der Regie von Tabea Niepel , Jan Cunen und Maike Imberge proben, gibt es auf diese Frage eine klare Antwort: Ja. Wie leicht das sogar geschehen kann, das zeigt „Die Welle“, nach dem bekannten Roman von Morton Rhue – im März sechs Mal im Spielerheim zu sehen.

Wer das Buch nicht gelesen hat, wird zumindest davon gehört haben, handelt es sich doch um eine beliebte Schullektüre. Benjamin Lenz, der als Robert in der Reckenfelder Inszenierung eine zentrale Figur verkörpert, hat gerade erst eine Facharbeit über die Geschichte geschrieben, die auf einem realen Experiment an einer High School in Kalifornien beruht. Darin geht es um einen Lehrer, der seinen Schülern die gesellschaftlichen Verhältnisse in Deutschland während des Nationalsozialismus verdeutlichen will, indem er im Unterricht eine Bewegung startet: „Die Welle“. Es beginnt damit, dass die Jugendlichen eine gerade Haltung einnehmen und aufstehen müssen, wenn sie eine Frage beantworten. Doch der Versuch, den Benjamin Lenz in seiner Facharbeit als „Nazideutschland im Reagenzglas“ beschreibt, gerät außer Kontrolle und die Bewegung verselbstständigt sich.

„Das Stück bietet viel Stoff, um den Nationalsozialismus kritisch zu hinterfragen“, findet Jan Cunen. „Es zeigt deutlich, wie einfach es ist, eine Masse für nationalsozialistische Gedanken zu begeistern.“

Noah Berger, der zum 19-köpfigen Ensemble gehört, stellt ergänzend fest: „Das ist eine zeitlose Geschichte - auch wenn das Experiment, auf dem sie basiert, schon 1967 durchgeführt wurde.“ Die Geschichte wollen die Jugendlichen der Freilichtbühne vor allem mit schauspielerischen Mitteln herüberbringen. Deshalb gibt es bis auf ein paar Stühle und eine Tafel sowie ein Sofa mit Couchtisch auch kaum Requisiten, und die Kostüme stammen zum großen Teil aus den eigenen Kleiderschränken der Mitwirkenden. Lediglich die Armbinden als Erkennungszeichen für „Die Welle“ wurden extra für das Stück angefertigt.

Wie in der Inszenierung steht die Entwicklung der Figuren auch in der Facharbeit von Benjamin Lenz im Vordergrund. Besonders die der eigenen fasziniert den Robert-Darsteller. „Es gibt Menschen, die für pseudomilitärische Disziplin sehr empfänglich sind, weil sie sehr viel Macht verleiht“, analysiert er. „So wie meine Rolle, die für mich die interessanteste im ganzen Stück ist. Denn sie entwickelt sich im Verlauf der Geschichte vom Außenseiter zu genau dem, von dem alle Schüler anfangs dachten, dass das gar nicht möglich ist.“

Wer genau wissen möchte, was es mit dieser Aussage auf sich hat, hat sechs Gelegenheiten, sich „Die Welle“ anzugucken. Vorstellungen sind am 6. März (Freitag), 7. März (Samstag), 13. März (Freitag), 14. März (Samstag), 19. März (Donnerstag) und 21. März (Samstag) jeweils um 19.30 Uhr im Spielerheim der Freilichtbühne. Karten sind für elf Euro (ermäßigt sechs Euro) in der Geschäftsstelle, 02575-15 66, und an der Abendkasse erhältlich.

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