Neue Reitanlage am Flothdamm
Licht und Luft für Pensions-Pferde - Kritik aus dem Umfeld

Greven -

100 Prozent tiergerecht. Das ist der Anspruch der Bauherren, die am Flothdamm einen auffallend großen Reitstall bauen.

Dienstag, 03.03.2020, 17:09 Uhr aktualisiert: 03.03.2020, 20:25 Uhr
Jutta Leising und Christoph Cord verbringen derzeit viel Zeit auf der Baustelle. Im Sommer soll die Halle fertig sein.
Jutta Leising und Christoph Cord verbringen derzeit viel Zeit auf der Baustelle. Im Sommer soll die Halle fertig sein. Foto: Oliver Hengst

Die Bauherren: Jutta Leising und Christoph Cord . Ihr Plan: Pferdepensionsplätze. Die Größe des Gebäudes hat für die beiden vor allem einen Grund: „Wir wollen das 100-prozentig tiergerecht machen“, sagt Jutta Leising, die von Kindesbeinen an mit Pferden zu tun hatte. Und Christoph Cord, Diplom-Agraringenieur, ergänzt: „Wir haben hier alle Tierwohlkriterien aufgenommen.“ Das Motto der beiden: Wenn Pferdeboxen, dann richtig.

Geplant sind 34 Einzelboxen und zwei so genannte Aktivstallgruppen, die jeweils etwa 15 Tieren Platz bieten. Die Einzelboxen sind mit 3 mal 7,50 Meter deutlich größer als üblich. Das Aktivstallgruppen-Konzept ist noch relativ neu. Hier werden die Tiere in Gruppen gehalten. „Es gibt da kein richtig und kein falsch. Beide Haltungen haben ihre Berechtigung“, sagt Cord.

Man habe sich bewusst dafür entschieden, eine Halle mit viel Volumen zu bauen, weil dies den Pferden viel Licht und frische Luft garantiere. Die Pensions-Pferde würden von Mitarbeitern versorgt (einer ist bereits eingestellt), auf Wunsch können die Besitzer die ganze Anlage nutzen und bestimmte Dienstleistungen buchen – alles zum Wohl der Tiere.

Mit Verweis auf das eigene Alter und das nicht unerhebliche Investment sagt Cord: „Wir haben keine Zeit, langsam zu wachsen.“ Daher habe man sich entschieden, die Sache „relativ umfassend anzugehen“ und „eine Halle, in die alles passt“ zu errichten. Sie bietet – neben der eigentlichen Reithalle und den Boxen – unter anderem Platz für Futterlager, Sattelkammer und Sozialräume für die Menschen, die hier arbeiten. Gegenüber der Halle entsteht ein Freiluft-Reitplatz.

„Das hier ist Landwirtschaft, kein Gewerbe, kein Sport“, betont Cord. „Wir sind ein landwirtschaftlicher Betrieb.“ Im Sommer, so hofft das Ehepaar, soll die Halle fertig sein.

Eigene Pferde hat die Familie im Übrigen auch, aber nicht so viele, wie man angesichts der Hallen-Maße vermuten könnte. „Ein paar Sportponys für die Kinder“, sagt Jutta Leising.

Das Hallendach wird für Photovoltaik genutzt – Cord ist in der Branche tätig. In einem Teil der früheren Hofstelle werden auch Ferienwohnungen untergebracht. Der Umbau der Scheune soll aber erst später in Angriff genommnen werden, die Halle hat zunächst Priorität.

Manche Beobachter, die das Projekt kritisch sehen, sprechen von einer „Industriehalle mitten in der Landschaft“ und finden das ganze Bauvorhaben „höchst suspekt“. Andere unken, die Halle sei groß genug, um darin nicht nur Pferde, sondern Elefanten zu halten. Und einige treibt die Frage um: Wie konnte die Stadt eine Halle mit diesen Dimensionen genehmigen? „Uns ist das allen ein Rätsel“, sagt jemand.

Für die Stadt stellt sich die Sache im Grunde ganz einfach dar: Es sprach nichts gegen eine Genehmigung. Laut Auskunft der Stadt umfasst die Baugenehmigung 66 Pferdepensionsplätze und eine so genannte Bewegungshalle, um den Tieren den nötigen Auslauf zu ermöglichen. Das Vorhaben ist nach Angaben des städtischen Pressesprechers Wolfgang Jung 2017 im Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt vorgestellt worden. „Grundsätzlich ist das Vorhaben zulässig, es gab keine triftigen Gründe, die gegen eine Genehmigung sprechen.“ Es sei auch „von Anfang an klar“ gewesen, dass das Projekt „beachtliche Dimensionen“ habe. Jedoch liege das Bauprojekt klar innerhalb der rechtlichen Vorgaben.

Eingeweihte wollen gleichwohl erfahren haben, dass es zwischen Verwaltung und Politik kontroverse Diskussionen darüber gegeben haben soll, ob man die Halle genehmigen solle oder nicht.

Jutta Leising und Christoph Cord haben sehr wohl wahrgenommen, dass ihre Baustelle Fragen auslöst. Was für sie auch okay ist. „Man kann uns auch direkt ansprechen. Wir beißen ja nicht“, sagt Jutta Leising.

Angesprochen wurden sie bereits von potenziellen Nutzern, die die großzügig bemessenen Pferdeboxen positiv zur Kenntnis nahmen: „Nachfragen haben wir schon gehabt“, sagt Cord. Er ist optimistisch, dass die Anlage gut anläuft.

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