Christian Ahlert über die Folgen der Ladenschließung
Jetzt ist Kreativität gefragt

Greven -

Christian Ahlert hat sein Modenhaus am Mittwoch schon geschlossen. Jetzt sucht er nach Möglichkeiten, die Delle durch Corona zu überwinden.

Samstag, 21.03.2020, 10:36 Uhr aktualisiert: 21.03.2020, 11:00 Uhr
Christian Ahlert in der Herrenabteilung: Die neue Ware ist schon längst bestellt.
Christian Ahlert in der Herrenabteilung: Die neue Ware ist schon längst bestellt. Foto: Günter Benning

Ein ungewohntes Bild. Christian Ahlert , Chef im gleichnamigen Modenhaus am Niederort, steht allein in der Herrenabteilung. Letzte Woche hat er seine Mitarbeiter nach Hause geschickt, nur einige sind noch aktiv. „Wir müssen ja Rechnungen bezahlen“, sagt er. Für ihn ist jetzt die Kernfrage, wie es weitergeht.

Ahlert beschäftigt 50 Mitarbeiter, von Voll- bis Teilzeit. Die Irritation sei schon Anfang der vergangenen Woche entstanden, als noch nicht klar war, dass zahlreiche Geschäfte geschlossen werden sollten. „Ich habe mich dann am Dienstag entschieden“, sagt der Grevener, „auch zum Schutz der Mitarbeiter.“

Die werden in diesem Monat noch ihr normales Gehalt bekommen. Für den April wird Ahlert dann Kurzarbeit beantragen. Das heißt: Ein Alleinstehender erhält 60 Prozent seines Nettogehaltes, mit Kindern sind es 67 Prozent. „Wir werden“, verspricht es der Unternehmen, „dann noch etwas aufstocken können.“

Die Regale sind voll, die Kleiderstände biegen sich unter der Ware. Jetzt wäre es Zeit gewesen für den offenen Sonntagsverkauf und den Saisonabschlussverkauf, sagt Ahlert: „Die neue Ware für September ist ja schon fertig und auf dem Weg.“ Allenfalls könne man jetzt mit den Lieferanten über Lieferverzögerungen reden – damit die Lager nicht überlaufen.

Natürlich weiß Ahlert, dass diese Krise temporär ist. Wenn das Virus im Griff ist, kann es besser werden. „Aber den entgangenen Umsatz“, sagt er, „wird niemand aufholen.“ Der Schaden, der durch Corona entstanden sei, werde die Bilanzen auf Jahre beeinflussen.

Seine Sorge: Dass sich jetzt manche Kunden zuhause ins Internet begeben. Schließlich könne man derzeit sehr gut sehen, was eine ausgestorbene Innenstadt bedeute. „Vielleicht kann man seine Konsumwünsche ja jetzt etwas aufschieben“, schlägt er vor. Nach Corona seien die Geschäfte ja wieder erreichbar.

Wie andere Läden in Greven versucht Ahlert, jetzt auch die neuen Medien ins Spiel zu bringen. „Wer einen dringenden Wunsch hat“, sagt er, „kann uns eine Email an info@modehaus-ahlert.de schicken.“ Die Mitarbeiter würden dann weiterhelfen – „und wenn wir mit Facetime durch den Laden gehen“.

Unlängst hat er selbst noch Einkäufe, die umgeändert wurden, ausgeliefert. Das sei auch in Zukunft kein Problem. In den nächsten Tagen holt er sich von der Bank noch ein Online-Terminal, um berührungsloses Bezahlen auch unterwegs zu ermöglichen. Der Virus bewirkt plötzlich, dass der Fortschritt mit Macht eingesetzt wird. Er könne, sagt er, auch in wenigen Stunden in der Stadt liefern – schneller als dass Internet.

„Eigentlich sind wir gut ins Jahr gestartet“, sagt der Unternehmer, der in den vergangenen Jahren viel in den Ausbau seiner Geschäfte investiert hat, „und wir sind nicht die einfachste Branche.“ Corona sorgt für einen Rückschlag.

Ahlert sieht auch die Auswirkungen auf die Gastronomie. Um sie zu unterstützen, schlägt er vor, könne man ja jetzt vielleicht mal Gutscheine kaufen – um sie später einzulösen. Ein kleines Geschenk – und eine Liquiditätshilfe für die Branche.

Vorerst hat Ahlert seine Geschäft bis nach Ostern geschlossen. „Aber ich gehe davon aus“, fürchtet er, „dass wir bis Ende April brauchen werden.“

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