Bei Cramer und Löw bestellen die Grevener online oder per Telefon
„Erstaunlich viel Resonanz“

Greven -

Marcus Löw hat geschlossen. Aber hinter den Scheiben des Buchhandels geht das Geschäft weiter. Besser als gedacht.

Mittwoch, 25.03.2020, 08:57 Uhr aktualisiert: 25.03.2020, 19:56 Uhr
Der Bücherladen hat an seinem Hinterausgang einen Büchertresor. Hier können Bestellungen kontaktfrei abgeholt werden.
Der Bücherladen hat an seinem Hinterausgang einen Büchertresor. Hier können Bestellungen kontaktfrei abgeholt werden. Foto: Günter Benning

Der Buchhandel hatte sein Corona schon vor 20 Jahren. Da hieß es Amazon und bedrohte das lokale Geschäft vor Ort.

„Damals haben wir uns umgestellt“, sagt Marcus Low, Chef von Cramer und Löw an der Marktstraße. Und das hilft ihm in der gegenwärtigen Krise. Löws Geschäft ist derzeit geschlossen. Hinter den Scheiben sieht man allerdings noch einige Mitarbeiter bei der Arbeit.

„In der letzten Woche habe ich noch gedacht, jetzt läuft es langsam aus“, gibt er zu, „aber am Montag und Dienstag hatten wir echt gut zu tun.“

Über Posts bei Facebook und Instagram hat der Buchhändler auf seinen Liefer- und Online-Service aufmerksam gemacht. Denn bei Cramer und Löw kann man trotz Corona Bücher bestellen. Entweder auf der Internetseite, per Telefon oder WhatsApp.

„Und das funktioniert viel besser als erwartet“, sagt Löw. Er gehe davon aus, dass er im Moment zehn bis 20 Prozent des normalen Umsatzes mache. Natürlich fehlt da was in der Kasse – aber alles besser als Stillstand.

Sein Facebook-Post, den er in die Grevener Gruppen gestellt hat, habe 3500 Menschen erreicht, noch mal 400 über Instagram. „Man hat ja gesagt, das niemand mehr Facebook macht“, sagt Löw, „aber die Leute haben jetzt viel Zeit für die sozialen Medien.“

Von Vorteil für ihn ist, dass er seit Jahren Außenboxen am Hintereingang seines Geschäftes hat. Wer bestellt, kann seine Einkäufe dort mit einem Zahlenschlüssel abholen. „Nach jedem Vorgang wird desinfiziert“, sagt der Buchhändler und sprüht mit einem Desinfektionsmittel das Zahlenschloss ab.

Die aktuelle Lage hat zu zahlreichen Aktivitäten in sozialen Medien geführt. So hat sich in Greven eine Facebook-Seite „Gemeinsam für Greven - Kauft regional!“ gegründet, die allerdings wenige Mitglieder hat. Hier hat auch Marcus Löw seine Spuren hinterlassen, dazu einige andere Kaufleute, die trotz Corona weiter ihre Dienstleistungen anbieten. Im benachbarten Ibbenbüren vereint die Internetseite „Ibbenbüren bringt‘s“ mittlerweile rund 70 Läden und Gewerbetreibende, die weiter im Geschäft bleiben wollen.

Für den Buchhändler Löw kommt es darauf an, als stationärer Händler zu verhindern, „dass jetzt Amazon wieder 1000 neue Kunden gewinnt“. Seine Erfahrung: „Vielen Leuten ist die Problematik mit dem lokalen Handel durchaus bewusst.“

Nicht jede Branche ist so stark online-vernetzt wie der Buchhandel. So bietet Löw seit langem einen Online-Buchladen. Dahinter steckt der Großhändler Libri, der seinen Kunden sogenannte „White Label“-Läden anbietet. Das Angebot – nämlich das gesamte Buchsortiment von Libri – steht im Hintergrund. Im Vordergrund firmiert die Marke des lokalen Händlers. „Die Leute können dort bestellen und bei uns im Laden abholen“, sagt Löw, „aber sie können sich die Bücher auch nach Hause schicken lassen.“

Löw sieht die Risiken, die ein langer Corona-Stillstand mit sich bringt: „Ich habe den Vorteil, dass ich im eigenen Haus sitze“, sagt er. Schwieriger sei es bei Mietern. Er gehe davon aus, dass er eine Vakanz von noch drei bis vier Wochen stemmen kann. Danach werde es schwierig.

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