Andrea Weiß fertigt Schutzmasken
Nähen gegen die große Unsicherheit

Reckenfeld -

170 Exemplare hat sie schon ausgeliefert: Andrea Weiß aus Reckenfeld näht Schutzmasken und gibt sie kostenlos an jene ab, die sie im Moment dringend brauchen.

Donnerstag, 26.03.2020, 09:56 Uhr aktualisiert: 26.03.2020, 10:00 Uhr
Die Reckenfelderin an ihrem Arbeitsplatz, wo sie momentan „Gas gibt“, um der hohen Nachfrage nach Schutzmasken gerecht werden zu können.
Die Reckenfelderin an ihrem Arbeitsplatz, wo sie momentan „Gas gibt“, um der hohen Nachfrage nach Schutzmasken gerecht werden zu können. Foto: Privat

Andrea Weiß hätte allen Grund, sich Sorgen zu machen. Sie hat sich erst Anfang Februar mit einer Änderungsschneiderei und Bastelstube selbstständig gemacht und steht wie viele (Kleinst)-Unternehmer vor einer ungewissen Zukunft.

Was sie stattdessen macht: Sie macht sich Sorgen um ihre Mitmenschen. Und handelt. Die „Näh- und Bastelfee“ näht Nasen- und Mundschutze und gibt diese kostenlos ab an jene, die sie in diesen Zeiten besonders brauchen. „Mein solidarischer Beitrag“, sagt sie.

Der Stoff, den die 49-Jährige verwendet, stammt überwiegend aus eigenen Beständen: Tischdecken, alte Bettwäsche und Reststoffe. Ausnahmslos Stoffe übrigens, die bei 60 Grad gewaschen werden können. „Einiges wurde davon gespendet. Ich erlebe eine große Solidarität der Mitmenschen. Viele unterstützen mich, indem sie fragen ob was fehlt, oder ob sie irgendwas für mich tun können. Dafür bin ich sehr dankbar“, sagt die Reckenfelderin. „Unterstützt werde ich von meiner Familie und meiner lieben Nachbarin Doris.“

Die genähten Masken seinen kein 100-prozentiger Schutz, „aber es hält die Speichelverteilung beim Sprechen oder Husten zurück“, weiß die Schneiderin. Eine solche Maske schützt also weniger jene, die sie tragen, sondern vielmehr das Umfeld der Träger. Und: je mehr eine tragen, umso größer die Chance, dass die Verbreitung des Virus eingedämmt wird.

Andrea Weiß aus Reckenfeld näht Corona-Mundschutze, der Erlös wird gespendet

Andrea Weiß aus Reckenfeld näht Corona-Mundschutze, der Erlös wird gespendet Foto: Privat

Eine Idee, die offenbar sehr gut ankommt. Andrea Weiß war in den letzten Tagen fleißig. „Es sind schon 170 Stück rausgegangen. Der Bedarf, die Not ist groß.“ Abnehmer seien Arztpraxen, Notbetreuungen, mobile Pflegedienste, Therapeuten, Privatpersonen und viele mehr.

Was die Mutter zweier Töchter antreibt? „Die Verzweiflung der Menschen. Hygienevorschriften können ohne Mundschutz nicht eingehalten werden. Risikogruppen haben Angst und fühlen sich unsicher. Da hilft man gerne.“

Aus diesem Grund gibt sie die Masken auch kostenlos ab und macht darauskeineinträgliches Geschäft. „Ich möchte, dass jeder sich eine Maske bestellen kann. Viele Menschen haben in dieser Zeit schon genug Einbußen. Es sollte auch niemals die Not anderer ausgenutzt werden“, ist die Reckenfelderin überzeugt. „Was ich damit verschenke, ist meine Zeit und die gebe ich gerne für Menschen, die Hilfe brauchen.“ Um eben diese Unterstützung leisten zu können, stellt sie zeitweise auch eigene wirtschaftliche Interessen hinten an. „Ich habe mich erst am 1. Februar 2020 selbstständig gemacht. Natürlich habe auch ich meine Einbußen, aber irgendwann wird alles wieder gut und solange nutze ich die Zeit und helfe wo es geht.“

Viele, die eine Maske erhalten, zeigen ihre Dankbarkeit, indem sie Andrea Weiß eine Spende zukommen lassen. „Das Geld werde ich dem Förderverein des Löschzug Reckenfeld für einen Notfallrucksack spenden“, sagt die Reckenfelderin, die Feuerwehrfrau ist und sich in diesem Jahr als Ersthelferin ausbilden lassen möchte. Anderen helfen – das liegt ihr offenbar im Blut.

Andrea Weiß aus Reckenfeld näht Corona-Mundschutze, der Erlös wird gespendet

Andrea Weiß aus Reckenfeld näht Corona-Mundschutze, der Erlös wird gespendet Foto: Privat

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