Als Teenager in die USA
Wiedersehen im Sommer muss warten

Greven -

Jonas Lorenz wollte eigentlich in diesem Sommer noch einmal in die USA fahren. Dort hat er als 15-jähriger ein Jahr lang Schule pur erlebt. Inclusive Nebenjob in einem Fast-Food-Restaurant. Aber aus dem Wiedersehen mit den alten Freunden dürfte wohl vorerst nichts werden.

Sonntag, 29.03.2020, 18:42 Uhr
Jonas Lorenz hatte das Gefühl, dass alle gerne zur Schule gehen in den USA - vielleicht auch wegen des Schulmaskottchens „Mr. Norski“, mit dem Jonas hier Halloween feiert.
Jonas Lorenz hatte das Gefühl, dass alle gerne zur Schule gehen in den USA - vielleicht auch wegen des Schulmaskottchens „Mr. Norski“, mit dem Jonas hier Halloween feiert. Foto: Lorenz

Eigentlich ist alles vorbereitet fürs große Wiedersehen. Eigentlich will Jonas Lorenz in den Sommerferien wieder über den großen Teich. Aber nicht nur eigentlich steht das in diesen Zeiten natürlich völlig in den Sternen. An das bis vor kurzem scheinbar so Normale – einen Flug buchen und los geht‘s! – ist aktuell nicht zu denken.

Was momentan bleibt, ist der WhatsApp-Chat mit der Clique, die er an der Highschool kennenlernte. „Die haben gerade auch Corona-schulfrei“, berichtet er.

Hier wie dort: Teenager, die die Welt entdecken möchten, sitzen zuhause. Andererseits: Jetzt hat Jonas endlich mal Zeit – Zeit, sein einzigartiges Abenteuer in aller Ruhe Revue passieren zu lassen.

Als 15-Jähriger machte sich der Grevener im August 2018 auf in die USA. Ein ganzes Schuljahr verbrachte er im Bundesstaat Wisconsin, genauer gesagt in einem Vorort der Hauptstadt Madison. Zehn Monate weit weg von daheim, in denen er auf sich allein gestellt war wie nie zuvor – und doch in keinem Moment einsam: „Alle waren so hilfsbereit und freundlich“, schwärmt Jonas. Justin, der Sohn seiner Gastfamilie, ging mit ihm in dieselbe Stufe.

Und in der Highschool empfingen ihn Mitschüler und Lehrer herzlich: „Generell habe ich das Gefühl, die gehen alle gerne dahin“, grinst er. Die Identifikation mit der Schule – riesig: „Wenn dort Football-Spiele stattfinden, kommen alle zum Anfeuern.“ Jonas probierte es mit Baseball. Und lernte überhaupt viele Dinge, die hierzulande auf keinem Stundenplan stehen: Architektur, Mediengestaltung, ja sogar Schweißen.

Ach ja, und nicht zu vergessen: „Independent living“, zu Deutsch „selbstständiges Leben“ – die ganze Palette von Steuern bis Versicherungen. Das, worin angeblich die Deutschen Weltmeister sind, ist in Wisconsin Unterrichtsfach.

Aber, Stichwort deutsch: Viele deutsche Auswanderer machten einst nach Wisconsin rüber, noch heute ist die „German Bratwurst“ dort buchstäblich in aller Munde. „German Frühstück“ hingegen eher nicht: „Im Prinzip frühstücken sie dort gar nicht.“

Unter anderem daran musste sich Jonas gewöhnen – ebenso daran, dass es praktisch keinen öffentlichen Nahverkehr gab, und fast niemand Fahrrad fuhr. Als Teenie ohne Führerschein spontane Wochenend-Ausflüge unternehmen? Offenbar nicht vorgesehen.

„Da stellt sich manchmal natürlich schon der Alltag ein“, schmunzelt er. „Und dann ist wenig los mit dem Zauber eines Auslandsjahres.“

Oft genug kehrte dieser Zauber aber zurück: Jonas bummelte über den Weihnachtsmarkt von Chicago – zusammen mit dem „Deutsch-Club“, einer Truppe junger Deutsch-Lerner von der Highschool. Flog aus in die Disney-World nach Orlando. Schaute sich Washington und das Weiße Haus an. Und tauchte schließlich ein in den Trubel New Yorks.

Dass ihn die Neugier auf all das packen würde, das hatten Jonas‘ Eltern wohl geahnt – und extra ein Konto für etwaige Auslandsaufenthalte ihrer Kinder angelegt. Die münsterische Reiseagentur „TravelWorks“ half ihnen dann dabei, das Abenteuer zu organisieren – ungewöhnlich früh: „Mit 15, 16 Jahren für ein Jahr ins Ausland, da haben schon einige gestaunt“, berichtet der Gesamtschüler mit dem Ziel Abi 2021.

Bereut, sagt er mit einem Dreivierteljahr Abstand, habe er seine Entscheidung nie: „Ich glaube, ich bin dadurch offener geworden – und optimistischer.“ Was ja derzeit durchaus weiterhilft: Falls Corona nämlich sein für diesen Sommer geplantes USA-Comeback verhindert? „Dann klappt es eben wann anders.“

 

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