Kreissparkassenchef Langkamp zu Aktien
Panik und Hektik sind keine guten Berater

Greven -

Verkaufen oder Behalten? Rainer Langkamp, Chef der Kreissparkasse, warnt vor übereiligen Entschlüssen in der Aktienkrise.

Montag, 30.03.2020, 10:00 Uhr
Rainer Langkamp im Gespräch.
Rainer Langkamp im Gespräch. Foto: KSK

Rainer Langkamp ist Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse und lebt in Greven. Im Interview spricht er über die Entwicklung der Aktionenmärkte.

 

Wie schätzen Sie die Einbrüche der Aktienmärkte in den letzten Wochen ein?

Langkamp: Aus einem weltweiten Aufschwung wurde innerhalb von wenigen Tagen eine Blitzrezession. Kein Ereignis in der modernen Wirtschaftsgeschichte hat zu Friedenszeiten den Konjunkturausblick für die gesamte Weltwirtschaft in so kurzer Zeit komplett gedreht.

Wurde die Gefahr des Virus unterschätzt?

Langkamp: Bis auf eine kurze Irritation Ende Januar nahm die Börse keine Notiz von der neuen Krankheit. Mittlerweile haben über 170 Länder Corona-Fälle gemeldet. Während bis dahin nur die Einschränkungen bei den weltweiten Produktionsketten eingerechnet waren, kam jetzt die Aussicht auf wirtschaftliche Beschränkungen bis hin zur Schließung kompletter Sektoren auch auf die Europäische Union und auf die USA zu.

Soll ich meine Aktien jetzt verkaufen?

Langkamp: Panik und Hektik sind keine guten Anlageberater. Aufgrund der Verunsicherung sollten Anleger jetzt nicht hektisch ihre Wertpapiere verkaufen. Das gilt umso mehr, wenn sie einen langfristigen Anlagehorizont haben. Für Privatanleger ist es sinnvoll, auch größere Kursrückgänge auszusitzen. Erst mit dem Verkauf werden die Verluste realisiert. Die historische Erfahrung sprich eindeutig dafür, dass Kursrücksetzer über die Zeit wieder ausgeglichen werden. Und der sprichwörtlich teuerste Satz an der Börse lautet, dass es diesmal anders sein wird.

Sollen Anleger jetzt die niedrigen Kurse nutzen und Aktien kaufen?

Langkamp: Deutliche Kursrückgänge sind unter langfristigen Gesichtspunkten eine gute Gelegenheit für den Einstieg. Den vermeintlich „richtigen“ Zeitpunkt zu erkennen, ist so etwas wie der heilige Gral an den Aktienmärkten: es findet ihn niemand. Anleger sollten geplant vorgehen und Stück für Stück in kleinen Portionen Wertpapiere kaufen.

Muss ich um meine Altersvorsorge fürchten?

Langkamp: Im Moment der Krise sehen die Dinge oft betrüblich aus. Aber die Aktienanlage mit dem Motiv der Altersvorsorge ist eine sehr langfristige Anlage. Rückschläge wurden an den Aktienmärkten stets mehr als ausgeglichen. Das wird auch in Zukunft so sein. Denn langfristig sind auch in der Vergangenheit die Aktienmärkte unter Schwankungen und Rückschlägen gestiegen. Und auch nach der Corona-Krise wird die Weltwirtschaft wieder auf ihren Wachstumspfad zurückfinden. Die Märkte werden die Kursrückgänge aufholen, auch wenn dies nicht gleich innerhalb von wenigen Wochen geschieht.

Sollte ich jetzt doch die niedrigen Zinsen aussitzen und abwarten bis diese wieder steigen?

Langkamp: Die Zinsen bleiben verschwunden. Das wird die aktuelle Krise verlängern, denn die Notenbanken haben gerade das Zinsniveau noch weiter nach unten gesenkt und damit noch fester verankert. Ein Hoffen auf die Rückkehr von Zinsen auf den Sparbüchern ist damit unrealistisch. Für den langfristigen Sparer ist das Sparbuch keine Alternative. Bislang für sinnvoll befundene Aktienanteile und Sparpläne sind und bleiben attraktiv.

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