Die Sprengung des Munitionsdepots in der Gronenburg
Erst die Druckwelle – dann der Knall

Greven -

In der Gronenburg befand sich ein großes Munitionsdepot der Wehrmacht. Als es in die Luft ging, schreckte ganz Greven zusammen.

Dienstag, 31.03.2020, 10:00 Uhr
Die Kanadier kamen zu spät: Kurz vorher ließ der deutsche Major Schmidt das Bombendepot in der Gronenburg sprengen.
Die Kanadier kamen zu spät: Kurz vorher ließ der deutsche Major Schmidt das Bombendepot in der Gronenburg sprengen. Foto: Privat

Im Rahmen des Leistungskurses Geschichte beschäftigten sich Schüler des Grevener Gymnasiums vor 25 Jahren mit den Geschehnissen in Greven rund um das Ende des Zweiten Weltkrieges . Unter anderem sprachen sie mit einer damals 75-jährigen Bäuerin, die an der Hansellerstraße nahe der Gronenburg wohnte:

„Der deutsche Major Schmitz wohnt damals in unserem Haus. Er hat uns mitgeteilt, dass die Gronenburg gesprengt werden soll. Wir sollten dann alle Türen und Fenster öffnen, damit sich die Druckwelle gleichmäßig verteilt. Es wurden auch die Bewohner alle umliegenden Höfe gewarnt.

Der Major hat uns immer gesagt, dass der Krieg bald zu Ende ist. Der wusste ja Bescheid, hat uns gesagt, wo überall gekämpft wurde. Am Abend haben wir dann immer den Schwarzsender gehört.

Ein paar Tage vorher kamen Deutsche. Das war Ostern . Die sahen total elendig aus. Aber die haben noch gefragt, ob wir für sie Hühner schlachten. Das waren unsere Hühner. Die sollten noch nicht geschlachtet werden. Aber der Schmitz hat gesagt, dass die, die kommen, nicht mehr fragen, der hatte recht.

Dann hat er die Gronenburg gesprengt. Die ganze Nacht sind Bomben explodiert. Das war ein Depot voll mit Bomben. Die Engländer haben davon gewusst, aber die haben das nicht bombardiert – sonst wären wir alle tot. Wir waren im Bunker. Zuerst kam die Druckwelle. Ein Zittern im Boden. Und dann der Knall. Dann ist uns viel Vieh eingegangen.

Wir hatten kein Stroh ohne Scherben mehr. Alle Fenster sind zersprungen, Wände gerissen. Das Dach war abgedeckt. Der hat sich ein Denkmal gesetzt. Wir waren alle sauer auf den Major. Unser Hund hat sich durch die Detonation an einer Kette aufgehängt. Dann konnten wir unser Vieh nicht füttern. Im ganzen Stroh lagen Scherben. Dann kam das Parachute-Regiment. Ich erinnere mich noch genau an die rot-grünen Kappen. Auch ein Deutscher war dabei. Der hat uns erzählt, dass er keine Verwandten mehr hat. Er wollte nicht mehr leben.

Sie sind zu unserem Haus gekommen, mit der Uhr in der Hand. Uns wurde gesagt, dass wir fünf Minuten Zeit hätten, unsere wichtigsten Sachen zu nehmen und abzuhauen. Sonst würden sie uns erschießen.

Wir sind in den Bunker gezogen. Später kamen noch Russen. Die waren viel freundlicher, die sind in den Stall gezogen. Uns haben die Engländer dann aufgetragen, die Kühe zu füttern und zu melken. Die Milch haben sie uns weggenommen. Nur wenig blieb für uns. Und füttern konnten wir unser Vieh nicht mehr. Wir hatten ja nur noch ein paar rumliegende Rüben.

Die Engländer haben dann in der Wohnung gehaust. Unsere Lebensmittel haben sie genommen. Dann haben sie alles genommen, was sie brauchten. Statt ihre Handtücher zu nehmen, haben sie frische von uns genommen.

Sie haben das Haus regelrecht geplündert. Als sie weggingen, lag 20 Zentimeter Dreck und Fett auf dem Tisch. Überall Chaos und es stank. Es waren ja halt viele Soldaten. Sie hatten das Haus durchstöbert und einen Duden gefunden. Da standen die ganzen Begriffe von Hitler und so drin und die haben sie rausgerissen. Etwa 20 Seiten – und dann in eine Ecke geschmissen.

Was dann in der Stadt los war, habe ich wenig miterlebt. Ich weiß nur, dass die Brücken gesprengt wurden, aber die Tommies haben dann neue gebaut, ganz schnell, sonst wären sie ja nicht zu uns gekommen.

Tommies war halt der normale Begriff für die Briten. Das hat halt jeder zu denen gesagt. Das Regiment, das bei uns war, war ja so eine Durchmischung. Wenigstens haben sie denn, als sie gingen, uns ein paar Kekse von ihnen stehen lassen. Auch Konserven, die kannten wir ja vorher nicht, und es war das erste Mal, dass ich Aprikosenmarmelade gesehen habe.

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