Abitur in ungewöhnlichen Zeiten
Vorerst letzter Tag: Freitag, der 13.

Greven -

Drei Schüler bereiten sich aufs Abi vor. Aber der übliche Abi-Spaß fällt diesmal so ziemlich aus.

Dienstag, 31.03.2020, 09:54 Uhr aktualisiert: 31.03.2020, 10:00 Uhr

Die Unsicherheit ist vorbei. Die 18-Jährige Lena Beinker sieht dem Abitur jetzt gelassen entgegen: „Ich bin davon ausgegangen, dass die Prüfungen stattfinden werden.“

Auch Judith Budde aus dem Leistungskurs Biologie des Augustinianums hat mit dem Lernen schon angefangen: „Es sind sowieso alle Termine abgesagt. Man hat auch viel Zeit, um sich auf die Prüfungen vorzubereiten.“

„Nordrhein-Westfalen wird die Abiturprüfungen nicht absagen.“ Die Worte von Schulministerin Yvonne Gebauer ( FDP ) vom vergangenen Mittwoch brachten Klarheit. Trotz Corona-Krise und dem Herunterfahren des öffentlichen Lebens finden die so wichtigen Prüfungen zum Ende der Schulzeit statt. Zum Wochenende war dann klar: Vom 12. bis 25. Mai werden die Prüfungen geschrieben.

Auch der Schulbetrieb soll nach den Osterferien wieder hochgefahren werden. Statt Vermutungen haben die Schüler nun Sicherheit. Wir haben mit dem Schulleiter und zukünftigen Abiturienten des Gymnasium Augustinianum gesprochen.

„Die Schülerschaft ist darauf vorbereitet, ins Abitur zu gehen – und wir auch“, sagte der kommissarische Schulleiter Andreas Henke .

Judith Budde sagt, sie könne gut alleine lernen – gleiches gilt für den 18-Jährigen Moritz König, dessen Leistungskurse Chemie und Erdkunde sind: „Ich habe mich aber auch schon mit einem Freund getroffen. Zu zweit geht das ja zum Glück noch.“

Sich mit fünf Freunden bei jemanden zuhause treffen und in gemütlicher Runde lernen – die so beliebten Lerngruppen fallen zurzeit aus. Budde hat aber bereits Alternativen getestet: „Ich habe mit einer Freundin über Skype gelernt. Das hat schon sehr gut geklappt.“

Das Zauberwort heißt: „IServ“ – ein Schulportal, in dem für die Schülerinnen und Schüler Aufgaben bereitgestellt werden. Über E-Mail können sie den zuständigen Lehrern Fragen stellen. König sagt: „Das klappt auch sehr gut. Es gibt einige Lehrer, die sich wirklich sehr viel Mühe geben und engagiert bei der Sache sind.“

Lange Zeit war nicht sicher, ob das Abitur wirklich geschrieben wird. Die Idee eines Durchschnittabiturs, bei dem nur die zuvor erbrachten Leistungen gezählt werden, stand lange im Raum. Beinker meint dazu: „Ein solches Abitur hätte für sehr viel Diskussion gesorgt. Das wäre sehr umstritten.“

Nun haben die Schülerinnen und Schüler Sicherheit. „Und das ist auch gut so“, meint Beinker.

Unsicherheiten gibt aber noch: „Wir wissen, dass es drei Wochen Schule geben wird. Wie der Unterricht aber aussehen wird – darüber ist sich keiner sicher“, so Beinker.

Nur die abiturrelevanten Fächer im Block-Unterricht oder der ganz normale Stundenplan: Beides sei vorstellbar. Die Lehrer aus den Leistungskursen hätten bereits eine Mail an ihre Schüler geschrieben, über die Art des Unterrichts und die genauen Prüfungstermine konnten aber auch sie keine Auskunft geben.

Schulleiter Henke berichtete gegenüber unser Zeitung: „Wir haben die sehr, sehr glückliche Situation, dass wir das Vor-Abi abgeschlossen haben.“ Lena Beinker meint: „Alle haben ihre Ergebnisse. Das hat vor dem Corona-Wahnsinn noch gut geklappt.“

Engagierte Lehrer, Online-Aufgaben und viel Zeit hin oder her – die Unsicherheit spielte bei vielen Schülern eine Rolle. Der vorerst letzte Schultag, passenderweise Freitag, der 13. März, wurde erst nach Schulschluss zu diesem.

Nun wissen die Schülerinnen und Schüler: Nach Ostern wird es noch drei Wochen geben. Darüber wird sich nicht nur König freuen. Einen letzten Schultag, ohne zu wissen, dass es ein solcher ist, sei schade. Vor der Änderung der zusätzlichen drei Wochen sagte er: „Es war natürlich schade, weil man den letzten Tag mit Freunden in der Schule nicht bewusst erleben konnte.“

Die Mottotage, der Tag X sowie der Abiball stehen auf der Kippe. Geplant ist eine große Feier am 20. Juni auf dem üblichen Gelände vergangener Jahre in der Nähe des Flughafens. Judith Budde ist im Komitee für den Ball: „Die Planungen laufen nach wie vor. Keiner weiß, ob er stattfinden wird.“

Nihal Miaaz aus dem Komitee für die Motto-Tage berichtet: „Zurzeit ist alles in der Schwebe. Wir überlegen einen längeren Tag X zu starten, wenn es die Situation hergibt.“ König spricht aus, was alle denken: „Wenn die Schulzeit ohne Abiball im Sande verläuft, wäre das traurig, schade und ungerecht.“

Dass die aktuelle Corona-Phase Auswirkungen auf den Lernprozess der Schülerinnen und Schüler hat, verneinen die drei Abiturienten unisono. Klar sei aber auch: In Eigenregie lernen bedeute vor allem hohe Disziplin und auch ein gewisses Maß an Struktur.

Maximilian König: „Man hat viel Zeit. Aber mit Sport und Musik kann man die auch gut nutzen. Ich versuche produktiv zu bleiben.“

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