Peter Vennemeyer über die aktuelle Corona-Lage im Grevener Rathaus
Es gibt Quarantänebrecher

Greven -

Ein Corona-Fall im Rathaus. Und Menschen, die ihre Quarantäne durchbrechen. Wenn auch alles steht, die Verwaltung hat viel zu tun. Bürgermeister Peter Vennemeyer berichtet.

Sonntag, 05.04.2020, 05:09 Uhr aktualisiert: 05.04.2020, 06:30 Uhr
Peter Vennemeyer in seinem Büro.
Peter Vennemeyer in seinem Büro. Foto: Günter Benning

Bürgermeister Peter Vennemeyer haben wir erst vor wenigen Wochen zu Beginn der Corona-Krise befragt. Normalerweise halten wir nach Interviews einen gewissen Abstand. Aber die Zeiten sind alles andere als normal, wie Vennemeyer im Gespräch mit unserem Redaktionsmitglied Günter Benning berichtet.

 

Im Augenblick geht die Zahl der Infizierten in Greven zurück. Ist das eine Entwarnung?

Vennemeyer: Jeder Erkrankte weniger ist schon mal positiv. Ob da ein Trend zu erkennen ist, mögen Experten beurteilen.

Haben Sie Infizierte in der Verwaltung?

Vennemeyer: Ja.

Wie viele?

Vennemeyer: Das sag ich nicht. Ich habe mit den Mitarbeitern darüber nicht gesprochen, es hat aber auch einen aus dem Krisenstab getroffen, so viel kann ich sagen.

Können die Betroffenen im Home-Office arbeiten?

Vennmeyer: Wer infiziert ist, ist krank. Ich möchte auch nicht, dass die Leute im Home-Office arbeiten, sie sollen wieder gesund werden.

Es wird heftig diskutiert über die Frage, ob man in der Öffentlichkeit Mundschutz anlegen soll. Wie sehen Sie das?

Vennemeyer: Wir halten die Sicherheitsabstände im Rathaus ein. Ich trage keinen, im Privatbereich mitunter schon.

Wie sieht es bei Ihnen in der Verwaltung aus?

Vennemeyer: Wir versuchen zur Zeit, die Verwaltungsaufgaben, die wir für den Krisenstab des Kreises abwickeln müssen, zu erledigen. Das klappt ganz gut. Wir müssen aber auch das Tagesgeschäft erledigen. Wir haben viele Mitarbeiter im Home-Office. Das geht nicht überall. Der Bereich Jugendamt und Sozialer Dienst ist voll aufgeteilt. Ein Teil sitzt im Rathaus, ein Teil sitzt auf der anderen Seite in den Jugendamtsräumen. Jeder Mitarbeiter hat ein eigenes Büro. Wir haben Schichtbetrieb von 6 bis 22 Uhr. Das funktioniert.

Gibt es im Rathaus Bereiche, in denen Kurzarbeit gemacht werden muss?

Vennemeyer: Eher Mehrarbeit. Kurzarbeit gibt es im öffentlichen Dienst sowieso nicht. Das sehen die Tarifverträge nicht vor.

Was sind im Moment die häufigsten Nachfragen von außen an die Verwaltung?

Vennemeyer: Es wird viel das Thema Wertstoffhof diskutiert. Das ist nicht so einfach wie es oft geschildert wird. Wir versuchen, das kreisweit zu steuern. Wir werden in der kommenden Woche ab Mittwoch testweise den Wertstoffhof öffnen, aber unter ganz klaren Einschränkungen, es werden immer nur fünf Kunden gleichzeitig auf den Platz gelassen. Und wenn das nicht funktioniert, dann werden wir sofort wieder schließen, das ist klar. Experten, die damit zu tun haben, raten uns allerdings dazu, den Wertstoffhof geschlossen zu lassen.

Das führt natürlich zu Wildwuchs an den Containerstandorten. Was sagen Sie dazu?

Vennemeyer: Müll abwerfen in der Landschaft oder neben den Containern ist absoluter Blödsinn und nicht nachvollziehbar. Wenn wir da jemanden erwischen, werden wir den konsequenterweise verfolgen und bestrafen. Man muss ja sagen, dass wir den Sperrmüll weiterhin abholen. Da muss man sich auf einen Termin verständigen und dann funktioniert das tadellos.

Dass die Leute derzeit offenbar verstärkt online einkaufen, mit vielen Paketen und Karton, verschlimmert das Problem doch eher?

Vennemeyer: Dann muss man die Dinger auch mal sammeln. Ich bin gerade am Umziehen, da fällt eine Menge an. Allerdings nutze ich die Zeit, die Pakete klein zu schneiden, damit sie in den normalen Container passen.

Zeigt die Lage an den Containern und in der Landschaft nicht auch, dass es etliche Bürger gibt, die kein Verständnis für die besondere Situation aufbringen?

Vennemeyer: Im Großen und Ganzen läuft es in Greven gut. Daher ein dickes Dankeschön an die Bevölkerung. Was ich uns wünsche, ist manchmal ein bisschen mehr Gelassenheit und Geduld im Umgang mit der Situation. Wenn ich mitunter sehe, wie mit Mitarbeitern in Baumärkten oder Lebensmittelgeschäften umgegangen wird, die ja auf nachvollziehbare Sicherheitsmaßnahmen verpflichtet sind, dann kann ich das nicht mehr verstehen. Die tun das ja nicht aus Spaß, sondern um uns alle zu schützen.

Es gibt Bereiche der Sozialverwaltung, wo es Probleme gibt. Etwa in Flüchtlingsunterkünften oder Obdachlosenheimen, wo viele Leute auf kleinem Raum zusammenleben. Oft mit gemeinsamer Küche oder Bädern. Was tun sie da?

Vennemeyer: Wir haben die Situation ziemlich entzerrt, wir haben auch noch Freiräume, um eventuell Obdachlose unterzubringen. Wir beobachten das täglich.

Glauben Sie, dass wir nach den Osterferien in manchen Bereichen wieder in Betrieb gehen können?

Vennemeyer: Ich sehe das kritisch. Das ist wie Glaskugellesen. Fakt ist, dass das Ansteckungsrisiko nach dem 20. April nicht vorbei sein wird.

Wie wird das Kontaktverbot beachtet?

Venemeyer: Im Großen und Ganzen läuft das echt gut. Aber es gibt auch Quarantänebrecher. Und je nachdem, wie schwer ein Verstoß gegen die Quarantäneregeln ist, kann das sogar eine Straftat sein. Und da schlägt die Macht der Ordnungsverwaltung zu. Da nutzen wir unser komplettes Instrumentarium, um die Quarantäne durchzusetzen.

Was steht in nächster Zeit auf der Agenda der Verwaltung?

Vennemeyer: Wir überlegen jetzt mit den Mitarbeitern, wie wir halbwegs im Normalbetrieb Dinge sicherstellen können. Etwa Eheschließungen oder Umzugsmeldungen. Ein großer Knackpunkt ist die öffentliche Auslegung der Bauleitplanung. Es werden Vorgänge übrig bleiben, die wir Wochen und Monate vor uns herschieben.

Uns fehlt auch die politische Diskussion.

Vennemeyer: Das ist uns bewusst. So kann das nur in einem begrenzten Maßstab funktionieren. Für den 22. April hab ich zu einer Haupt- und Finanzausschusssitzung eingeladen. Wir hoffen, diesen Termin auch durchführen zu können.

Andere Kommunen wie Saerbeck haben in kleiner Runde im Rat getagt, um wichtige Entscheidungen auf den Weg zu bringen. Wäre das in Greven auch möglich?

Vennemeyer: Das wäre die letzte Konsequenz, momentan haben wir aber keine Dinge, die eine hohe Entscheidungsrelevanz haben. Die können geschoben werden. Bis auf Eilentscheidungen wie den Erlass der Kita-Beiträge. Das war aber auch so möglich.

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