Eichenprozessionsspinner
Technische Betriebe setzen auf neuen Hubsteiger

Greven -

Die Technischen Betriebe Greven (TBG) haben ihre Möglichkeiten im Kampf gegen die Raupen des Eichenprozessionsspinners (EPS) deutlich verbessert: Die TBG haben einen eigenen Hubsteiger angeschafft, mit dem nun auch höher gelegene EPS-Nester in den Kronen städtischer Bäume beseitigt werden können.

Dienstag, 14.04.2020, 23:00 Uhr
Vor dem neuen Hubsteiger (von links): André Kintrup (Leiter TBG), Natali Sender, die die Meldungen über EPS-Befall entgegen nimmt, Thomas Buschkamp (TBG, koordiniert die Einsätze gegen den EPS) und (auf dem Steiger) Jörg Poggemann aus dem Team der EPS-Bekämpfer.
Vor dem neuen Hubsteiger (von links): André Kintrup (Leiter TBG), Natali Sender, die die Meldungen über EPS-Befall entgegen nimmt, Thomas Buschkamp (TBG, koordiniert die Einsätze gegen den EPS) und (auf dem Steiger) Jörg Poggemann aus dem Team der EPS-Bekämpfer. Foto: TBG

André Kintrup , kommissarischer Leiter der TBG, spricht von einem „Riesenfortschritt bei der Bekämpfung der Spinnerraupen. Wir können mit dem eigenen Hubsteiger jetzt viel schneller reagieren, wenn wir in höheren Bäumen in sensiblen Bereichen rund um Schulen, Kindergärten oder Spielplätze Nester beseitigen müssen.“ In den vergangenen Jahren waren die TBG in solchen Fällen noch auf die Unterstützung von Fachfirmen angewiesen. Die sind aber erfahrungsgemäß in der Hochphase der EPS-Saison meistens auf Tage ausgebucht: „Flexibles, schnelles Reagieren war da oft gar nicht möglich“, so Kintrup. „Trotzdem werden wir uns in Spitzenzeiten auch weiterhin Mithilfe von außen holen.“

Die Stadt Greven setzt, genau wie die Nachbarstadt Emsdetten, weiter auf die rein mechanische Bekämpfung der EPS-Raupen und ihrer Gespinste mit Industriesaugern. Die abgesaugten Raupen werden als „Sondermüll“ verbrannt. Auch die Stadt Ibbenbüren geht so vor.

Orientierung an den Niederlanden

In Saerbeck und Rheine dagegen experimentiert man mit einem Fraßgift auf Basis des „Bazillus thurengiensis“, das die Raupen im frühen Larvenstadium abtöten soll. „Dieses Mittel tötet aber selbst im Idealfall längst nicht alle Raupen in einem Baum, es muss also trotzdem mechanisch nachgearbeitet werden. Und oft schädigen solche Gifte auch andere, harmlose Schmetterlingsraupen. Außerdem muss das Mittel unter ganz bestimmten Wetterbedingungen versprüht werden, um einigermaßen gut zu wirken, es darf nicht zu windig sein und auch nicht regnen. Das sind für uns zu viele Gründe, die gegen den Einsatz solcher Fraßgifte sprechen“, sagt Kintrup.

Was man über den Eichenprozessionsspinner wissen sollte

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  • Im Münsterland breitet sich der Eichenprozessionsspinner in diesem Jahr besonders aus. Der Körper der bis zu fünf Zentimeter langen Raupe ist mit gefährlichen Brennhaaren übersät. Die Raupe ist an einem schwarz-braunen Streifen auf dem Rücken zu erkennen.

    Foto: Patrick Pleul (dpa)
  • Hauptsächlich an Eichen, manchmal aber auch an Hainbuchen spinnen die Raupen ihre Nester.

    Foto: Michael Schwakenberg
  • Aus Gelegen von 100 bis 200 Eiern schlüpfen Anfang Mai kleine Larven, die bis zur Verpuppung fünf bis sechs Stadien durchlaufen. Nach der Verpuppung ist das Tier ein brauner, unscheinbarer Nachtfalter.

    Foto: Bodo Marks (dpa)
  • Im „Gänsemarsch“ gehen die Raupen auf die Suche nach Nahrung – bevorzugt Eichenblätter. Durch diese „Prozession“ sind die Tiere zu ihrem Namen gekommen.

    Foto: Peter Roggenthin (dpa)
  • Ab dem dritten Stadium entwickeln sich bei den Larven Brennhaare mit Widerhaken, die ein Nesselgift (Thaumetopoein) enthalten. Bei unmittelbarem Kontakt kann das zu Hautentzündungen führen, bei empfindlichen Menschen auch zu allergischen Reaktionen. Typische Symptome sind Juckreiz, Hautrötung und Bläschen. Die Beschwerden klingen meist nach wenigen Tagen ab.

    Foto: Bernd Schäfer
  • Wer ein Nest entdeckt, sollte es deshalb nicht anfassen, sondern eine Fachfirma mit der Entfernung beauftragen, raten Behörden.

    Foto: hbm
  • So sieht ein entferntes Nest aus. Hohe Temperaturen und wenig Regen im Mai und Juni begünstigen die Verbreitung der Raupen.

    Foto: Paul Meyer zu Brickwedde

Die Stadt Greven orientiert sich auch 2020 am niederländischen „Leitfaden zur Eindämmung des Eichenprozessionsspinners“, der statt auf Gift unter anderem auf die Stärkung natürlicher Fressfeinde des EPS setzt. „Dass sich in den vergangenen Monaten so viele Initiativen gegründet haben, die Nistkästen bauen und aufhängen, um Vögel als natürliche Feinde des EPS anzulocken, finden wir natürlich klasse“, so Kintrup. Die Stadt selbst hat aus Haushaltsmitteln 450 Nistkästen finanziert, die kostenlos an Bürger abgegeben wurden.

Aufsprühen eines Biozids

In Anlehnung an die Niederlande wird die Stadt Greven auch in diesem Jahr bei ihren bisherigen Maßnahmen gegen den EPS bleiben: In allen besonders sensiblen öffentlichen Bereichen – unter anderem im direkten Umfeld von Kindergärten, Schulen, Spielplätzen, Sportanlagen – werden Raupen und Gespinste schnellstmöglich abgesaugt. Danach konzentrieren sich die Arbeiten auf alle weiteren innerstädtischen Bereiche mit hoher Siedlungsdichte. In den Außenbereichen, in denen viel weniger Menschen wohnen und unterwegs sind, werden bei Befall Warnschilder angebracht, zum Beispiel an Wirtschaftswegen und Waldrändern.

Stadt und TBG bitten auch in diesem Jahr um Verständnis, dass in einer so flächengroßen Stadt wie Greven mit geschätzt 100.000 Eichenbäumen nur ein Bruchteil der Bäume von den Spinnerraupen befreit werden kann.

Die Straßen.NRW-Regionalniederlassung Münsterland sieht in diesem Jahr für die Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners an Bundes- und Landesstraßen neben dem herkömmlichen Absuchen/Absaugen auch das Aufsprühen eines Biozids (Wirkstoff: Bazillus Thuringiensis) auf befallene Bäume vor. „Dieses Bakterium wird über die benetzten Blätter durch die jungen Raupen aufgenommen und verhindert die weitere Ausbreitung. Für Menschen, andere Tiere und Pflanzen ist dieses Mittel nicht schädlich“, heißt es in der Presseinfo von Straßen NRW.

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