Warten auf die Ladenöffnung
„Das geht in die richtige Richtung“

Greven -

Eisdielen, Bäckereien, Lebensmittelläden – überall herrscht reges Treiben in Grevens Innenstadt. Zu mindestens im Mitnehmsektor. Ab nächster Woche sollten nun auch voraussichtlich die meisten Geschäfte wieder öffnen. Wir sprachen mit einigen Kaufleuten

Freitag, 17.04.2020, 13:14 Uhr aktualisiert: 17.04.2020, 16:26 Uhr
Wieschhörster Frauenmode an der Marktstraße und der Obstladen an der Alten Münsterstraße.
Wieschhörster Frauenmode an der Marktstraße und der Obstladen an der Alten Münsterstraße.

Christian Ahlert besitzt Grevens größtes Modehaus. Das könnte im Moment schlecht sein. Denn ab nächster Woche dürften in den Innenstädten alle Läden bis 800 Quadratmeter wieder öffnen. Ahlert hat rund 3000.

„Aber“, rechnet der Kaufmann, „das 19/20 in der Martinistraße hat 400 Quadratmeter – das kann auf jeden Fall aufmachen.“ Und wenn er sein Hauptgeschäft, das vier Etage besitzt, nur ebenerdig öffnen würde, käme er auch unter die Obergrenze. „Ich muss mit der Stadt telefonieren“, verabschiedet er sich beim Gespräch mit dieser Zeitung.

Dort wusste am Nachmittag aber auch Pressesprecher Wolfgang Jung nur, was die Bundesregierung beschlossen hatte. Die Landesverfügung war für den Nachmittag angesagt, heute will die Stadt den Kaufleuten Konkretes mitteilen.

Die sitzen in den Startlöchern. Und in einer Situation, die sie sich vor acht Wochen nicht hätten träumen lassen. „Da brauchte man schon Reserven, um das zu überstehen“, sagt Modekaufmann Marc Wieschhörster , „eigentlich wollte wir die in Investitionen und Digitalisierung stecken.“

Auch Wieschhörster muss für seine Läden rechnen, in Greven ist das einfach: 450 Quadratmeter Mode für Männer am Völkerballkreisel, 300 Quadratmeter „Women‘s Wear“ an der Marktstraße. Das dürfte glatt gehen. Auch das Männermode -Geschäft Wüsthof an der Osnabrücker Georgsstraße bleibt mit 750 Quadratmetern unter der Grenze. Rotes Licht wird es aber wohl weiterhin für den kleinsten Laden der Wieschhörster-Familie in den Münster-Arkaden geben. Der hat nur 100 Quadratmeter. Aber die Arkaden gelten als Einkaufszentrum und bleiben vorerst zu.

Zwar hat Marc Wieschhörster mit seiner Schwester Stellung gehalten und auch einen kleinen Lieferservice betrieben. Aber für ihn ist völlig klar, bei allem Reden über die Chancen des digitalen Handels: „Wir müssen analog einen 100-prozentigen Job machen.“

Ansgar Balzer ist seit 30 Jahren in seinem Gewerbe tätig. „Aber so etwas habe ich noch nie erlebt“, sagt der Inhaber der drei Expert-Läden in Greven, Emsdetten und Rheine. Etwa 100 Mitarbeiter sind von der Krise betroffen. So wie Wieschhörster und Ahlert habe man mit Kurzarbeit rechnen müssen. „Bisher mussten wir noch keinen Mitarbeiter entlassen“, sagt Balzer, „wir wollen alle Mitarbeiter halten.“

Mit 735 Quadratmetern liegt seine Geschäftsgröße in Greven unter der jetzt angepeilten Größe von 800 Quadratmetern. Dass die notwendigen Regeln für Hygiene und Abstand einzuhalten seien, sieht er nicht als Problem. Eine Feststellung, die auch von den Modehändlern unterstützt wird. Es handelt sich schließlich nicht um Geschäfte mit Massenandrang. Gute Verkäufer sind sowie auf Distanz. Balzer spekuliert auch eher mit den „Zielkäufern“, die größere Geräte einkaufen wollen. Da kommt es nicht so sehr drauf an, nachher noch in der Stadt einen Kaffee zu trinken.

Während die meisten Geschäfte still stehen, ist gestern Nachmittag in der Stadt allerhand los. Die Leute kaufen Eis am Schaufenster, gehen in den engen Gemüseladen an der Alten Münsterstraße und kaufen Brot, Blumen und Parfümerieartikel.

„Die Regel, Läden nur bis 800 Quadratmetern zu öffnen“, findet Christian Ahlert, „ist eigentlich schwachsinnig.“ Zielführender wäre es, Unterschiede zwischen Städten und ländlichen Regionen zu machen.

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