1. Mai: Grevener Grüne demonstrieren auf dem Marktplatz
Hoffen auf sozialen und ökologischen Neustart

Greven -

Großer Beifall – kleiner Lohn: Die Coronakrise offenbart schlechte Arbeitsbedingungen vor allem in der Pflege und anderen sogenannten systemrelevanten Berufen. Die Grünen Greven nahmen den 1. Mai zum Anlass, bei einer Kundgebung auf dem Marktplatz für eine soziale und ökologische Neuausrichtung der Industrie und Wirtschaft zu demonstrieren.

Montag, 04.05.2020, 06:00 Uhr aktualisiert: 05.05.2020, 16:01 Uhr
Die Grünen demonstrierten am 1. Mai auf dem Marktplatz und setzen sich für einen ein sozialen und ökologischen Neustart nach der Corona-Pandemie ein.
Die Grünen demonstrierten am 1. Mai auf dem Marktplatz und setzen sich für einen ein sozialen und ökologischen Neustart nach der Corona-Pandemie ein. Foto: Grüne

„Wir haben damit gleichzeitig ein Zeichen gesetzt, dass politisches Engagement gerade jetzt besonders wichtig ist“, heißt es in dem Pressebericht der grünen.

Es war in diesem Jahr die einzige Demonstration dieser Art im Kreis Steinfurt. Ausgerüstet mit Plakaten, einem großen Banner, Mundschutz und mit einem Mindestabstand von zwei Metern fanden sich rund 25 Menschen auf dem Marktplatz ein. Der grüne Bürgermeisterkandidat Dr. Michael Kösters-Kraft sagte in seiner Begrüßung: „Es ist in diesem Jahr besonders wichtig, dass wir von unseren Grundrechten Gebrauch machen und auf die Missstände in vielen Arbeitsbranchen hinweisen.“

Der grüne Bundestagsabgeordnete Friedrich Ostendorf ging zunächst auf die Situation der Pflegenden ein, die auch vor Corona schon schwierig war. Überdurchschnittlich viele Frauen arbeiten in diesem verantwortungsvollen Bereich, arbeiten für verhältnismäßig wenig Lohn und sind später von Altersarmut betroffen.

Anschließend nahm Ostendorf, der von Haus aus Landwirt ist, die Arbeitsbedingungen von Erntehelfern unter Corona-Bedingungen ins Visier, die auf Sondergenehmigung der Bundesregierung aus Rumänien eingeflogen wurden. Die Gesundheitschecks bei der Einreise verliefen bekanntermaßen chaotisch und waren nicht mit den Corona-Schutzmaßnahmen konform. Die Erntehelfer erhalten dieses Jahr erstmalig den Mindestlohn von 9,35 Euro. Sie müssen als Saisonkräfte aber nicht in Deutschland sozial- und krankenversichert werden – was besonders seltsam anmutet in Zeiten, wo eine intensivmedizinische Behandlung wahrscheinlicher ist als sonst, wie ein Corona-Ausbruch auf einem Spargelhof in Bad Kronzingen zeige. „Diejenigen Spargelbauern, die bereit sind, für die Erntehelfer auch Sozialabgaben zu zahlen, werden durch die derzeitige Politik konsequent benachteiligt.“ sagte Ostendorf.

Auch die Arbeitsbedingungen in der Fleischindustrie beschrieb Ostendorf als äußerst prekär. Auf einem Schlachthof in Baden-Württemberg hatten sich zuletzt mehr als 300 Menschen mit Corona infiziert. Das Zusammenleben in den Unterkünften begünstige die Ausbreitung des Virus: „Das steht in völligem Widerspruch zu all den Einschränkungen, die uns allen derzeit auferlegt sind.“

„Unser Fazit der Veranstaltung ist, auch das eigene Konsumverhalten kritisch in den Blick zu nehmen, mit dem wir schlechte Arbeitsbedingungen billigend in Kauf nehmen“, heißt es weiter in der Presseinfo.

In den kommenden Wochen und Monaten werden die Weichen für Auswege aus der Krise und eine Neuorientierung der Industrie und Wirtschaft gestellt. „Diese Neuorientierung muss aus grüner Sicht eng an an die Klimaziele, faire Arbeitsbedingungen und soziale Gerechtigkeit geknüpft sein, damit es ein sozialer und ökologischer Neustart wird“, heißt es abschließend in der Presseinfo.

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