Johann Christoph Biederlack übernahm vielfach Verantwortung
Für Ems-Schifffahrt und Eisenbahn stark gemacht

Greven -

Johann Christoph Biederlack war mehr als ein erfolgreicher Kaufmann. Er verwaltete auch die dörflichen Angelegenheiten.

Samstag, 23.05.2020, 16:33 Uhr aktualisiert: 23.05.2020, 16:50 Uhr
Johann Chrstoph Biederlack auf einem alten Porträt.
Johann Chrstoph Biederlack auf einem alten Porträt.

Zu Beginn des 16. Jahrhunderts hat sich Heinrich Naber , geboren auf dem Hof Naber in Greven-Westerode, unterhalb des Kirchbergs „bi der Lake“ angesiedelt. Daraus entstand später der Familienname Biederlack. Noch heute steht dort an der Martinistraße ein Haus Biederlack, im Jahre 1896 gebaut.

Johann Christoph Biederlack wurde am 30. November 1773 in Greven als Sohn des Hermann Anton Biederlack und seiner Ehefrau Maria Elisabeth geb. Frye. geboren. Er hatte fünf Geschwister.

Nach dem Schulbesuch in Greven wechselte er zum Paulinum in Münster. 1796 übernahm er die väterliche Kaufhandlung in Greven. Zunächst handelte er mit Massengütern wie Tran, Tee, Kaffee, Reis, Papier, Genever, Zichorie, Seife, Pflaumen und Honig.

Er bezog seine Handelsgüter aus England, Ostfriesland, Holland und Bremen. Schon bald hatte er fünf Angestellte. Eigene Kähne, „‚Pünten“ von je etwa 7 Lasten (280 Zentner) Tragfähigkeit brachten die Waren von Emden die Ems hinauf bis nach Greven.

Im Jahre 1798 heiratete er Gertrud Biedenharn aus Neuenkirchen i. O. Aus dieser Ehe gingen zehn Kinder hervor.

Am 20. April 1801 wurde J. Chr. Biederlack einer der vier Grevener Rottmeister, auch „Vorsteher“ genannt. Diese verwalteten die dörflichen Angelegenheiten: sorgten für die Unterhaltung der Dorfstraßen, für die Durchführung der Feuer-Visitation, für polizeiliche Anordnungen, für die Regelung von Einquartierungen.

Im Jahre 1804 gab es in Greven 104 Personen, die im Dorf und in den Bauerschaften täglich bettelten, dazu kamen noch erkrankte Personen, die kein Geld für Arzneien oder ärztliche Behandlung hatten. Biederlack und gleichgesinnte Kaufleute, dazu einige Geistliche, sahen, dass die meisten von ihnen arbeitsfähig waren.

Mit dem Plan eines Armenreglements, eines Arbeitshauses und einer gezielten Krankenfürsorge (Beihilfen zu Arzt- und Arzneikosten) bei gleichzeitigem Verbot jeglicher Bettelei gelang es ihnen erfolgreich, das Bettelwesen in Greven zu beenden. Hinzu kamen gezielte Arbeitsbeschaffung und Lehrstellenangebote bei Bauern und Handwerkern.

Während der französischen Herrschaft gehörte J. Chr. Biederlack dem Grevener Municipalrat als 2. Beigeordneter an. Er war damals einer der Wenigen in Greven, die die französische Sprache beherrschten. Außerdem sprach er englisch und niederländisch.

Auch in der erneut preußischen Zeit ab November 1813 übernahm er im Dorf politische Verantwortung. Er wurde 1816 Beigeordneter (bis zum Januar 1839) und zugleich Mitglied des Gemeinderates des Amtes Greven. Ab dem 9. April 1844 war er Mitglied der ersten Amtsversammlung. Und am 30.7.1850 übernahm er das Amt des Ortsvorstehers. Von 1826 bis 1841 war er Mitglied des „Westfälischen Provinziallandtages“ in Münster, wo er sich für die Schiffbarmachung der Ems einsetzte. Außerdem setzte er sich vehement für eine Streckenführung der Eisenbahn von Münster über Greven und Emsdetten nach Rheine ein. Auch den Ausbau der Landstraßen im Münsterland hielt er für sehr wichtig.

1832 wurde er zum „Ritter des Roten Adlerordens 4. Klasse“ und im Jahre 1837 zum „Königlichen Kommerzienrat“ ernannt.

Johann Christoph Biederlack starb am 2. Mai 1854 in Greven.

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