Greven und der Biomüll
Der Weg zum sauberen Schweinchen

Greven -

Biomüll – das war mal ein Streitfall in Greven. Aber die Müllbürger haben offensichtlich dazu gelernt.

Samstag, 23.05.2020, 12:36 Uhr aktualisiert: 23.05.2020, 12:40 Uhr
Sicherlich kein Traumjob: Diese Männer und Frauen kontrollieren den angelieferten Biomüll auf Störstoffe. Dieses Bild entstand vor zwei Jahren.
Sicherlich kein Traumjob: Diese Männer und Frauen kontrollieren den angelieferten Biomüll auf Störstoffe. Dieses Bild entstand vor zwei Jahren. Foto: Gunnar A. Pier

Das Wort „Corona“ mag ja schon niemand mehr hören – und es hat in diesem Bericht auch nichts zu suchen. Was sagte ein Leser kürzlich: Schreibt doch mal über etwas Positives in diesen Corona-Zeiten. Wird gemacht. Die gute Nachricht: Aus den Grevener Ferkeln sind inzwischen saubere Schweinchen geworden. Wie bitte? Ja, das stimmt. Und dabei geht es um das Thema Biomüll.

Seit 2014 wird der gesammelte Biomüll des Kreises im Kompostwerke der EGST (siehe Infokasten) in Saerbeck gesammelt, sortiert und zu hochwertigem Kompost verarbeitet. Hört sich gut an, wenn da nicht die so genannten Störstoffe wären. Plastiktüten, Plastikbecher, halbvolle Gläser mit Nutella oder Marmelade, und, und, und – der Fantasie sind da keine Grenzen gesetzt. Und vor allem die Grevener hatten die Mülltrennung wohl nicht so wirklich kapiert – oder wollten es nicht, weil es ihnen egal war. Mitte 2015 wurde der aus Greven angelieferte Biomüll in Saerbeck kontrolliert und sortiert. Das vernichtende Ergebnis: Über elf Prozent Störstoffe. „Zu Beginn war der Biomüll aus Greven wirklich ganz schlimm mit Störstoffen durchsetzt“, erklärte Beatrice Daal , Abfallberaterin bei der EGST (Entsorgungsgesellschaft Steinfurt mbH), die das Kompostwerk in Saerbeck betreibt.

Was folgten waren Kontrollen. Ganz üble Mischungen in den Biotonnen sorgten dafür, dass eine rote Karte verteilt wurde, die Biotonnen stehen blieben. Und das hat gewirkt: 2017 lag der Anteil der Störstoffe beim Biomüll aus Grevener Haushalten bei nur noch 1,4 Prozent, aktuell, am 7. Mai diesen Jahres, wurden nur zwei Prozent Störstoffe gefunden. Tendenz gleichbleibend.

Primus im Kreis ist Greven damit noch nicht. „In Emsdetten hatten wir bei der letzten Erfassung nur 0,8 Prozent Störstoffe“, verdeutlicht Daal. Aber: Die Messung fand zu einem Zeitpunkt statt, während dessen kurz vorher grüne, gelbe und rote Karten verteilt worden waren. Trotzdem ein Wert, den Daal gerne für den ganzen Kreis hätte. „Aber es gibt leider immer noch Haushalte, denen Mülltrennung ein Fremdwort, denen Mülltrennung völlig egal ist. Da müssen wir noch ran.“

Momentan liegt die Fremdstoffquote bei 2,2 Prozent im Kreis-Durchschnitt. „Aber das könnte noch weiter runter gehen“, sagt Daal. Denn: „Kein Kompostierungswerk kann garantieren, dass alle Plastikschnipsel aussortiert werden.“

Und sie zählt Dinge auf, die besondere Probleme machen. „Es gibt immer noch die Wattestäbchen aus Plastik, die kann die Maschine nicht aussortieren.“ Und sie erzählt von Dingen, die nicht in den Biomüll gehören, über die vermutlich noch niemand nachgedacht hat. „Die Aufkleber auf Bananen und Äpfel sind mit Plastik beschichtet und verrotten nicht.“

Aber es gibt auch Dinge, die lange nervten und jetzt nicht mehr zu finden sind. „Zu Beginn waren es vor allem die Bänder aus Video- oder Audio-Kassetten, die den Sortiermaschinen Schwierigkeiten bereiteten. Die findet man so gut wie gar nicht mehr.“

Ist doch klar: In den digitalen Zeiten ist so etwas ja auch völlig oldschool . . .

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