Kita-Stadteltern-Vorsitzende hoffen auf baldige Öffnung
„Es kommt auf die Details an“

Greven -

Statt wie ursprünglich für September geplant, öffnen die Kitas nun bereits am 8. Juni. Das stellt insbesondere die Einrichtungen vor Herausforderungen. Sie müssen die Vorschriften aus Düsseldorf innerhalb kurzer Zeit umsetzen. Aber auch Eltern müssen sich auf die Wiedereröffnung mit eingeschränkten Zeiten einstellen.

Montag, 25.05.2020, 08:51 Uhr aktualisiert: 25.05.2020, 10:26 Uhr
Sven Lueke mit seinem Sohn
Sven Lueke mit seinem Sohn Foto: Lueke

„Das war sehr unerwartet.“ Dr. Sven Lueke ist Vorsitzender der Grevener Kita-Stadteltern. Aber mit der Ankündigung von NRW-Familienminister Joachim Stamp ( FDP ), die Kindertagesstätten des Landes schon am 8. Juni wieder zu öffnen, hatte er nicht gerechnet. Die Botschaft freut Lueke für seinen Sohn Albert, der seine Kita vermisst. „Aber den genauen Plan für die Öffnung müssen wir vor Ort erstellen“, sagt er.

Ursprünglich hatte die Landesregierung den September als Starttermin für die Kitas angepeilt. Und tatsächlich enthält die vorgezogene Rückkehr-Regelung des Landes zwei wichtige Einschränkungen: Erstens werden die Zeiten eingeschränkt. Wer, beispielsweise, bisher 45 Stunden Betreuung pro Woche gebucht hatte, muss jetzt mit 35 Stunden vorlieb nehmen. Für alle anderen Betreuungsstufen gilt die entsprechende Reduzierung. Übrigens auch für jene Eltern aus „systemrelevanten Berufsgruppen“, die bisher schon Anspruch auf Betreuung hatten.

Zweitens muss vor Ort geklärt werden, ob und wie die Kitas die Öffnung realisieren können. Was natürlich bleibt, sind die pandemie-typischen Vorsichtsmaßnahmen: Kein Einsatz von Mitarbeitern aus Risiko-Gruppen, verschärfte Abstandsregeln und Hygiene-Vorschriften. Zudem müssen die Kita-Gruppen verkleinert werden. „Aber, wenn da ein Kind auf dem Spielplatz fällt und weint“, meint Luekes Stellvertreterin Laura Peloso , „wie soll man da als Erzieherin Abstand halten?“

Wie alle Kita-Eltern haben Sven Lueke und Laura Peloso intensive Wochen hinter sich. „Mein Mann und ich sind in der Pflege tätig“, sagt Peloso. Beide hatten daher einen Anspruch auf die Notbetreuung sowohl für ihre Tochter Sophia in der Kita, als auch für die beiden Schulkinder.

Aber sie hätten die Betreuung zuerst nicht in Anspruch nehmen wollen. „Auch weil wir nicht wussten, wie es überhaupt weitergeht“, schildert die stellvertretende Vorsitzendes der Kita-Stadteltern. Zu viele Fragen rund um das Covid-19-Virus waren offen. Heute gehen ihre Kinder zumindest an zwei Tagen in der Woche in die Notgruppe.

Und dann sagt Peloso, was manche andere Eltern angesichts der unerwarteten Nähe zu ihren Kindern in den vergangenen Wochen wohl auch empfunden haben: „Wir haben das auch als schön empfunden.“

Beides kommt vor. Auch gleichzeitig. Aber einige Eltern, sagt Sven Lueke, gehen nach acht Wochen Ausnahmezustand „auf dem Zahnfleisch“. Beruf und Kinderbetreuung zu verbinden, das schlaucht.

Luekes Frau arbeitet in einem radiologischen Betrieb in Unna, er kümmert sich um die Kinder und – im Homeoffice – um seinen Job als Selbstständiger: „Aber man kommt nicht dazu, mal in Ruhe etwas zu schreiben. Oder nachzudenken.“

Dabei sieht er auch, dass manche der Elternvertreter im Kita-Beirat der Stadt eher privilegiert sind. Die mit dem Eigenheim, „mit dem Spielhaus im Garten“. Auch bei ihnen gebe es oft Existenznöte und Spannungen. Vor allem, wenn die Eltern beispielsweise in Branchen arbeiteten, die in der Krise komplett heruntergefahren wurden.

Eng sei es aber besonders bei Kindern, die in beengten Wohnverhältnissen leben. Die Spielplätze waren gesperrt, das Spielen mit anderen Kindern verboten – wenn die Kids, die in ihren Wohnungen bleiben mussten, lärmten, konnte es schon mal Ärger mit den Nachbarn geben. „Irgendwann“, sagt Lueke, „ist bei den Eltern der Akku leer.“

Auf dem Weg zurück zur Normalität komme es jetzt darauf an, den richtigen Kurs zu finden. „Wir navigieren auf Sicht“, nutzt er ein passendes Bild aus der Nautik. Langfristig werde es sicher eine Diskussion darüber geben, wie man künftig gesellschaftlich auf ähnliche Vorkommnisse reagieren sollte. Covid-19 sei das eine: „Aber es gibt immer wieder Probleme und Gefahren im Leben, über die reden wir nicht.“

Und was macht sie, wenn die Kita wieder geöffnet ist? Laura Peloso antwortet schnell: „Aufräumen.“

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