Unfallflucht schwer nachzuweisen
Wer saß im BMW mit Schweizer Kennzeichen?

Greven/Reckenfel -

Fahrerflucht vor Gericht. Der Richter hatte es schwer. Denn, wer hinter dem Steuer saß, blieb schleierhaft.

Sonntag, 31.05.2020, 06:00 Uhr aktualisiert: 31.05.2020, 07:00 Uhr

Eine knifflige Aufgabe versuchten am Donnerstag ein Richter und ein Staatsanwalt im Amtsgericht Steinfurt zu lösen. Angeklagt war ein 33 Jahre alter Grevener, der am 1. Juni vergangenen Jahres gegen 10 Uhr morgens auf der Grevener Straße im Ortsteil Reckenfeld mit seinem Auto einen Verkehrsunfall verursacht und sich anschließend vom Ort des Geschehens aus dem Staub gemacht haben soll.

Das Problem: Keiner der fünf geladenen Zeugen konnte den mit seinem Verteidiger erschienenen Angeklagten als Fahrer des Unfallfahrzeuges eindeutig identifizieren. Nur ein 68 Jahre alter Emsdettener, dessen Pkw arg beschädigt wurde, hatte das am Unfallfahrzeug – ein BMW – befestigte Kennzeichen als ein Nummernschild aus der Schweiz erkannt. Die Reparatur seines Pkw kostete rund 6000 Euro. „Die Versicherung des Unfallwagens hat bisher nur 1700 Euro bezahlt. Was glauben Sie, wie dick mein Hals ist“, beschwerte sich der Geschädigte.

Ein weiterer Unfallzeuge – ein 39 Jahre alter Reckenfelder – hatte genauso wenig gesehen, wie der Geschädigte. Die Polizei fand das von beiden beschriebene Fahrzeug am späten Nachmittag des Unfalltages, das vor der Grevener Wohnung des Angeklagten parkte. Doch der gab vor, nichts von einem Unfall zu wissen und zur Tatzeit nicht hinter dem Steuer des BMW gesessen zu haben. Außerdem sei er nicht der Halter des Fahrzeuges, sondern habe sich den Wagen nur geliehen, um mit einem Arbeitskollegen aus der Schweiz von St. Gallen nach Greven fahren zu können.

So bezichtigte er seinen Beifahrer, damit etwas zu tun zu haben. Denn ihm habe er den Autoschlüssel zwischenzeitlich gegeben. Seinen Namen hatte der Angeklagte noch parat, gab aber vor, keine Kontaktdaten zu haben. Nur eine Telefonnummer des Halters in der Schweiz konnte der 33-Jährige anbieten. Im vermeintlichen Unfallfahrzeug hatte die Polizei einen schweizerischen Personalausweis gefunden, zwar mit dem vom Beschuldigten genannten Vornamen des Kollegen aber einen anderen Nachnamen. „Das was Sie uns hier erzählen ist sehr vage und sehr oberflächlich. Sie sind nicht in der Lage, uns etwas Konkretes zu diesem Fall zu liefern“, beschwerte sich der Richter und brachte eine Einstellung des Verfahrens ins Spiel.

Mit diesem Vorschlag konnte sich der Staatsanwalt nicht anfreunden. Deshalb brach das Gericht den Prozess ab und will zu einem neuen Termin Vertreter der Versicherung des BMW, den Halter aus der Schweiz und die bisher nicht gehörten Zeugen einladen.

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