Goldschmiedin Beatrix Wendel eröffnete ihre „Waldschmiede“ vor sieben Jahren
Edle Metalle und kreative Ideen

Reckenfeld -

Sie wollte immer schon Goldschmiedin werden, vor sieben Jahren hat Beatrix Wendel sich den Traum erfüllt und die Waldschmiede eröffnet.

Dienstag, 02.06.2020, 22:00 Uhr aktualisiert: 03.06.2020, 14:56 Uhr
In ihrem Verkaufsraum präsentiert Beatrix Wendel eine erlesene Auswahl an selbst gefertigten Schmuckstücken.
In ihrem Verkaufsraum präsentiert Beatrix Wendel eine erlesene Auswahl an selbst gefertigten Schmuckstücken. Foto: Pia Weinekötter

„Ich wollte schon immer Goldschmiedin werden“, erinnert sich Beatrix Wendel , „als Kind habe ich bereits mit den Tiffany-Utensilien meines Vaters Alfred Beike hantiert und mit buntem Glas und Lötkolben die ersten Schmuckstücke kreiert.“ Ein Praktikum in der Oberstufe bei der Goldschmiede Susanne Kube bestärkte die Reckenfelderin: „Ich durfte als Praktikantin sogar einen eigenen Silberring designen und herstellen.“ Doch leider war der dortige Ausbildungsplatz schon vergeben, so dass Wendel nach dem Abitur ihre Goldschmiede-Ausbildung in Rheine begann – und nach fünf Wochen wieder beendete. „Es passte einfach nicht.“ Ergotherapie als Verbindung aus Handwerk und Menschen schien die Lösung.

Doch die Faszination für die Goldschmiede ließ sie einfach nicht los. Nach der abgeschlossenen Ergotherapie-Ausbildung suchte sie wieder den Kontakt zu Susanne Kube und trat ein Jahr später endlich den ersehnten Ausbildungsplatz an – und startete auch gleich richtig durch: Zwischenprüfung mit Eins, verkürzte Lehrzeit, und 2006 sowohl den Abschluss als Jahrgangsbeste und als auch den Wifo-Ausbildungs-Preis. Den Lehrjahren folgten die Gesellenjahre – und zwar als Wanderjahre. „Ich habe für ein Jahr als Vertretung bei einer renommierten Goldschmiede in Oslo direkt gegenüber vom National-Theater gearbeitet und anschließend für ein knappes Jahr bei einem Juwelier in Werne.“

Dann zog es die gebürtige Reckenfelderin wieder in die Heimat. Hochzeit und ein Job in Reckenfeld waren der Plan. Eheschließung sowie Familiengründungen mit der Geburt ihrer Tochter Ida 2010 waren der einfache Teil. Einen Job als Goldschmiedin in Reckenfeld der schwierigere Part. Als Qualitätsprüferin für Schmuck bei einem großen Online-Händler wurden ihre fachlichen Qualitäten zwar sehr geschätzt, aber Beatrix Wendels Traum sah anders aus. Und er nahm mehr und mehr Gestalt an. In ihrem Elternhaus am Waldrand bot sich der Platz im ungenutzten Stall an und das unverhoffte Erbe einer Tante ermöglichte 2013 die Einrichtung der Goldschmiede-Werkstatt. Die „Waldschmiede“ war geboren und kurze Zeit später auch ihr Sohn Thilo: „Bei der Eröffnung war ich hochschwanger“, schmunzelt die Unternehmerin.

Auch wenn ihr Arbeitsplatz der umgebaute Schweinestall ist und sich dort neben Silber, Gold und Platin auch Perlen befinden, heißt es noch lange nicht, dass Beatrix Wendel „Perlen vor die Säue“ wirft. Für ihre kreativen und ausgefallenen Eigenkreationen aus Silber oder 585 Gold lässt sie sich gerne von der Natur inspirieren. So bietet die Goldschmiedin sowohl Schmuck aus ihren Vitrinen als auch Auftragsarbeiten an. Gerne verwendet sie für den individuellen Schmuck auch das Altgold ihrer Kunden: „Oft ist es ein geerbtes oder geschenktes Schmuckstück von Oma, das man zwar nicht trägt, aber auch nicht einfach in Bargeld umtauschen möchte.“ Und dank Wendels Kreativität entsteht daraus ein einzigartiges neues Erinnerungsstück.

Reparaturen oder Umarbeitungen bietet sie ebenso an wie Anlass-Schmuck beispielsweise zur Erstkommunion: „Das ist ein schwieriger Zeitpunkt für ein dauerhaftes Schmuckgeschenk, denn zum Zeitpunkt des Schenkens ist man noch ein Kind, aber bereits auf der Schwelle zur Pubertät, wo allzu kindlicher oder religiöser Schmuck schnell uncool wird.“ So entstand beispielsweise ein stilisierter Fisch – „und der ist sogar Jungs-tauglich!“

Natürlich fertigt die Goldschmiedin auch Trauringe. „Manchmal kommt das Paar auch zu mir und ist ganz frustriert: er will weiß (also Silber, Weißgold oder Platin) und sie gelb (also Gelbgold) – wie sollen wir uns da einigen?“, plaudert Beatrix Wendel aus dem Näh- pardon Schmuckkästchen. Sie kann das Paar dann beruhigen: „Sie geben ja mit der Heirat auch nicht Ihre Persönlichkeit auf und werden eins!“

Und die Schmuck-Künstlerin findet immer eine richtig gute Lösung: mal wählt jeder sein Lieblingsmaterial aus aber die Form ist gleich, mal variiert die Form von verspielt bis puristisch aber das Material ist das verbindende Element. Beatrix Wendel lädt auch gerne mal die Paare ein, ihren Ringen den letzten Schliff zu geben: ob beim Polieren oder Mattieren oder Hämmern – so entsteht ein ganz individuelles Schmuckstück, wie es eben nur eine Goldschmiedin kreieren kann.

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