Warum sich Schüler in der „Auszeit“ engagieren
„Man wächst zusammen, das macht total viel Spaß“

Greven -

Da müssen sie nicht lange überlegen: Schüler der Nelson-Mandela-Gesamtschule können viele Gründe für ihr Engagement in der hauseigenen Schülerfirma benennen.

Donnerstag, 11.06.2020, 07:59 Uhr aktualisiert: 12.06.2020, 15:49 Uhr
Neuntklässlerin Mia (Mitte) erklärt Carlotta (links) und Lara, beide noch recht neu dabei, einige Abläufe.
Neuntklässlerin Mia (Mitte) erklärt Carlotta (links) und Lara, beide noch recht neu dabei, einige Abläufe.

„Von Anfang an, seit ich auf der Schule bin, fand ich das toll.“ Für Gesamtschülerin Carlotta war daher schnell klar, dass sie selbst auch mal bei der Schülerfirma Auszeit mitmachen wollte. Jetzt, wo sie in der achten Klasse ist, ist der Zeitpunkt gekommen. „Jeder kann hier mitmachen, wenn er bereit ist, sich einzubringen“, sagt sie. Der Kontakt zu wenig vertrauten Mitschülern anderer Klassen und sogar anderer Stufen ist nur eine kleine Hürde – die schnell überwunden ist. „Man wächst zusammen. Das macht total viel Spaß.“

Ähnlich ergeht es auch Lara aus der achten Klasse, die ebenfalls seit einigen Wochen neu dabei ist. „Alle Achter haben eine E-Mail bekommen. Man konnte sich dann bewerben“, berichtet sie. Nach einem Bewerbungsgespräch folgten rasch erste Termine für die Einarbeitung. Beides übernehmen ältere Schüler, die schon länger dabei sind, so wie Mia aus der neunten Klasse, die schon ein Jahr Auszeit-Erfahrung hat. „Man zeigt den Neuen, wie die Abläufe sind und wie das mit der Kasse und mit den Maschinen funktioniert“, sagt sie.

Bei der Einarbeitung wird dann meistens auch rasch klar, in welchem Bereich die Neuen eingesetzt werden wollen: Marketing, Einkauf, IT, Vorstand und mehr – viele Aufgaben warten darauf, erledigt zu werden. Carlotta interessiert sich für den Bereich Vorstand. „Mir macht das Spaß, in alle Bereiche hineinzuschauen.“ Das Management der Abläufe habe seinen ganz eigenen Reiz. Das heißt aber nicht, dass sie keinen Kaffee an der Theke verkauft. „Das müssen alle machen“, stellt sie klar.

Finn Rüschenschulte ist Elftklässler und somit schon ein „alter Hase“. Für ihn sind die praktischen Erfahrungen, die er in der Schülerfirma sammelt, auch eine „gute Basis für Bewerbungsgespräche. Man hat dann schon gewisse Kenntnisse.“ Er kümmert sich in der Auszeit um die Buchhaltung und möchte auch beruflich in den Finanz-Sektor. Er hat erlebt, dass die Tätigkeit in der Schülerfirma für viele schon ein echter Türöffner war. Eine Erfahrung, die Schulleiter Ingo Krimphoff bestätigen kann. Es komme heute nicht mehr nur auf Noten an, sondern zunehmend auf die so genannten „soft skills“.

Bei Tillian Borchmann hat sein Auszeit-Engagement gar eine selbständige Tätigkeit (mit Gewerbeschein) ausgelöst. Er programmierte für die Schülerfirma eine App zur Vorbestellung und Bezahlung von Brötchen und Co. – daraus ergaben sich Folgeaufträge. Ihm ist auch das Thema Persönlichkeitsbildung wichtig. Neulich stellte er auf einem großen Kongress das Projekt Auszeit vor. „Das sind Erfahrungen, die macht man im Schulalltag sonst nicht.“

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