Fahrräder und Nähmaschinen waren seine Berufung
25 Mark in der Lohntüte

Greven -

Bernhard Dütsch kann viel erzählen. Der Grevener feierte am gestrigen Freitag seinen 80. Geburtstag und ist erst vor gut fünf Jahren in den verdienten Ruhestand gegangen. 60 Arbeitsjahre und ein gewaltiges Wissen hat Dütsch angesammelt.

Samstag, 13.06.2020, 16:03 Uhr aktualisiert: 14.06.2020, 16:12 Uhr
Bernhard Dütsch hat in all den Jahren viele Erinnerungen gesammelt.
Bernhard Dütsch hat in all den Jahren viele Erinnerungen gesammelt. Foto: Martin Weßeling

Früher war alles besser? Das sagt sich ziemlich leicht daher. Gerade in Zeiten, in denen recht wenig sicher ist, in denen die Digitalisierung viele Menschen links und rechts überholt und die Globalisierung an der einen oder anderen Ecke auch eine hässliche Fratze zeigt. Da ist es manchmal ganz gut, innezuhalten und sich zu erinnern. An Tage, als der Teller beim Mittagsessen nicht immer prall gefüllt war und an Jahre des Aufschwungs, die mit knochenharter Arbeit verbunden waren.

So gesehen kann Bernhard Dütsch viel erzählen. Der Grevener feierte am gestrigen Freitag seinen 80. Geburtstag und ist erst vor gut fünf Jahren in den verdienten Ruhestand gegangen. 60 Arbeitsjahre und ein gewaltiges Wissen hat Dütsch angesammelt. „Aus dieser Zeit gibt es natürlich zahlreiche Erinnerungen. Nicht alle waren gut, aber viele sehr lehrreich“, schmunzelt der rüstige Rentner.

Und erzählt von harten Lehrjahren auf dem Weg zum Fahrrad-Mechaniker. „Mit dem Moped ging es damals nach Münster. Im Winter musste ich mir am Zylinder zwischendurch schon mal die Hände wärmen, so kalt war das.“ Oder vom ersten Lohn, den der junge Dütsch in den 1950-er Jahren kassierte. „Im ersten Lehrjahr waren das 25 Mark pro Monat, im zweiten 35, im dritten 45 und im vierten 55. Heute unvorstellbar“, schmunzelt er. Lehrjahre sind keine Herrenjahre – eine Weisheit, die zumindest damals zutraf.

Und aller Anfang, der war auch beim Zweirad- und Nähmaschinen-Fachgeschäft an der Münsterstraße ziemlich schwer. 1903 von Bernhard Goer gegründet, stand Maria Dütsch (geborene Goer) nach dem Zweiten Weltkrieg plötzlich ganz alleine da und führte die Geschäfte. Nach seiner Lehre musste Bernhard Dütsch dann schnell mit anpacken und die Geschichte der Firma mitgestalten. Es folgte eine Zusatzausbildung an der Nähmaschinen-Fachschule in Bielefeld, 1969 erwarb der Jubilar den Meisterbrief. Danach führte er das kleine Unternehmen an der Münsterstraße bis zum Renteneintritt im Jahr 2015 (Sohn Bernhard Dütsch jun. betreibt einen Fahrradhandel in Emsdetten). „Die Knie wollten einfach nicht mehr“, so Dütsch.

Zuvor hatte er gut 60 Jahre lang mit Näh- und Waschmaschinen, Fahrrädern, Mopeds, Rollern sowie E-Bikes gehandelt und diese fachmännisch repariert. Hinzu kamen Arbeiten an Strom- und Wasserleitungen. Eine Flexibilität am Arbeitsplatz, die heute verlangt wird – und früher bereits zur Normalität gehörte. Insofern war früher vielleicht nicht alles besser, ganz sicher aber Handarbeit.

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