Dr. Hans-Gerd Pelzer übergibt Programmverantwortlichkeit an Dr. Ramy Zoubi
Die rettenden Mammographien

Greven/Ibbenbüren -

Dr. Hans-Gerd Pelzer war von Anfang an dabei. Jetzt gibt der Programmverantwortliche für das Mammographie-Screening im Kreis Steinfurt den Stafelstab von Dr. Ramy Zoubi aus Ibbenbüren.

Sonntag, 21.06.2020, 08:00 Uhr
Dr. Hans-Gerd Pelzer (l.) hat das Mammographie-Programm im Kreis Steinfurt von Anfang an begleitet, er übergibt die Verantwortung jetzt an Dr. Ramy Zoubi.
Dr. Hans-Gerd Pelzer (l.) hat das Mammographie-Programm im Kreis Steinfurt von Anfang an begleitet, er übergibt die Verantwortung jetzt an Dr. Ramy Zoubi. Foto: Günter Benning

Ein Untersuchungsraum mit Dachschräge. Darin ein moderner Röntgenapparat für Mammographien, Bilder der Brust. „Normalerweise“, sagt Dr. Ramy Zoubi , „kommen Männer hier gar nicht rein.“ Aber jetzt ist Feierabend und der 36-jährige Radiologe aus Ibbenbüren trifft sich mit seinem Grevener Kollegen Dr. Hans-Gerd Pelzer (64) zum symbolischen Wachwechsel.

Pelzer war seit 2006, dem Beginn des Mammographie-Programms der Verantwortliche im Kreis Steinfurt. Mit Blick auf sein Alter übergibt er das Amt an Zoubi.

Der Ibbenbürener entstammt einer Radiologen-Familie: Der Vater gründete die Praxis, Dr. Tarek Zoubi, ein Bruder, gehört zu den „Befundern“ des Mammographieprogramms. Und der jüngste Bruder studiert. Ziel: Radiologie. Nur der vierte Zoubi-Bruder ist anders, schmunzelt Ramy Zoubi: „Zahnarzt.“

Brustkrebs. Das ist immer noch die häufigste Krebsart bei Frauen. Vor 20 Jahren war die Diagnose oft ein Todesurteil. Die Totalamputation der Brust war ein Schreckens-Szenario, mit dem die Betroffenen lebten. „Das kommt heute nur noch selten vor“, sagt Pelzer, „diesen Eingriff wollen wir vermeiden.“ Die Sterblichkeit konnte durch frühzeitige Begutachtung um 30 Prozent gesenkt werden.

Beim Mammographie-Screening orientierte sich das deutsche Gesundheitssystem vor zwei Jahrzehnten an den Niederländern. Die legten deutlich früher großen Wert auf Prävention und frühzeitige Untersuchungen.

„Natürlich werden dabei auch zigtausend Frauen untersucht, die gar nichts haben“, räumt Hans-Gerd Pelzer ein.

Wenn dabei Verdachtsmomente auftauchen, ist es nicht selten, dass die Betroffenen über Phänomene sprechen, die nie in eine Krankheit gemündet hätten.

Außerdem werden die Frauen wie bei jeder Röntgenaufnahme Strahlungen ausgesetzt – auch das ein Kritikpunkt. „Aber die Strahlung der heutigen Geräte“, sagt Pelzer, „macht nur noch ein Drittel der Strahlung früherer Geräte aus – und die Bilder sind trotzdem besser.“

Am Ende spricht der Erfolg für sich. Etwa bei jedem siebten Besuch zeigt sich eine Auffälligkeit, davon führt wiederum etwa jeder zehnte zu einer Behandlung. Tumore seien, so die Ärzte, dabei häufig sehr klein und könnten problemlos entfernt werden. „Ohne ins Lymphsystem zu streuen“, so Zoubi.

Programmverantwortung: Die Aufgabe, die Hans-Gerd Pelzer jetzt an Ramy Zoubi weitergibt, hört sich etwas nach Ehrenamt an. Doch sie ist mit großem Aufwand verbunden. Alleine fünf Fortbildungen in ganz Deutschland musste der Radiologe absolvieren. Und dann ist er für einen Raum zuständig, in dem jedes Jahr 50 000 Frauen zur Mammographie eingeladen werden.

Das ist eine logistische Aufgabe, die erst einmal gestemmt werden muss. Zwölf Mitarbeiter erstellen die Mammographien – jeweils vier Röntgenbilder – an den Standorten Greven, Rheine und Ibbenbüren. Vier eigens dafür geschulte Ärzte begutachten die Bilder.

Verpflichtend ist das Mammographie-Screening nicht. „Aber wir sind stolz darauf, dass wir 65 Prozent der Frauen erreichen“, sagt Hans-Gerd Pelzer. Rein organisatorisch gehört dazu übrigens auch der Kreis Borken mit 40 000 betroffenen Frauen.

Corona hat auch das Mammographie-Programm ausgebremst. Von einem Rückgang von bis zu 40 Prozent spricht der Grevener Arzt. Dafür ist es in den Wartezimmern angenehmer, sagt Ramir Zoubi: „Die Frauen müssen allein kommen.“

Auch wenn Hans-Gerd Pelzer die Programmverantwortlichkeit abgibt – das Mammographie-Screening erfolgt weiter in seiner radiologischen Praxis.

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