Erster Armutsbericht im Sozialausschuss vorgestellt
Genaue Zahlen für Handlungsauftrag vermisst

Greven -

Menschen, die ohne staatliche Unterstützung ihren Lebensunterhalt nicht bestreiten können, die gibt es auch in Greven. Das geht aus dem ersten Armutsbericht vor, der jetzt im Sozialausschuss vorgestellt wurde. Die Ausschussmitglieder hätten sich detailliertere Zahlen gewünscht. Da es diesen Bericht jetzt jährlich geben soll, kann das beim nächsten Mal nachgeholt werden.

Mittwoch, 24.06.2020, 23:31 Uhr
Auch in Greven gibt es Menschen, die Leistungen zum Lebensunterhalt benötigen. Im Sozialausschuss ist jetzt der erste Armutsbericht vorgestellt worden.
Auch in Greven gibt es Menschen, die Leistungen zum Lebensunterhalt benötigen. Im Sozialausschuss ist jetzt der erste Armutsbericht vorgestellt worden. Foto: Oliver Werner

Die Zahl der Menschen in Greven, die eine Grundsicherung erhalten sind wieder rückläufig. Das ist ein Ergebnis des ersten Armutsberichtes, der jetzt im Sozialausschuss vorgestellt wurde. Auf Antrag der Linken ist der Armutsbericht erstellt worden.

Grundsicherung

Die geringeren Zahlen erklärte Stefanie Haase-Kütz von der Verwaltung, die den Bericht vorstellte, damit, dass die Arbeitslosenzahlen aufgrund der guten wirtschaftlichen Lage ebenfalls gesunken seien. Durch die Corona-Pandemie könne das im nächsten Bericht wieder anders aussehen, vermutet Beate Tenhaken , Fachbereichsleiterin des Dezernates Arbeit und Soziales. Am höchsten waren die Zahlen vor einigen Jahren, als die Stadt viele geflüchtete Menschen aufgenommen habe.

Insgesamt seien in Greven 2257 Personen auf zusätzliche Leistungen angewiesen, darunter seien 860 Menschen unter 18 Jahren. Davon 935 erhalten Grundsicherung. Ohne Unterstützung seien sie nicht in der Lage, ihren Lebensunterhalt zu finanzieren. Insgesamt sei Armut auf verschiedene Weise definierbar, erklärte Haase-Kütz.

Kleinstbetriebe

In ihrem Bericht bezog sie sich auf Menschen, die aus zusätzliche Leistungen angewiesen sind. Für Menschen mit geringem Einkommen gebe es zahlreiche Hilfsangebote, heißt es im Armutsbericht weiter. Diese reichen von der Tafel über ein Sozialkaufhaus, zahlreichen Beratungsmöglichkeiten und vielem mehr.

„Ich hätte mir von dem Bericht mehr erwartet“, war Thomas Hudalla von den Linken nach dem Vortag enttäuscht. „Ich hätte mir detaillierte Zahlen gewünscht.“ Bei den Hilfsangeboten wäre es ihm wichtig gewesen, ebenfalls zu erfahren, wie diese von den Bürgern angenommen werden. Solche Zahlen könne der Ausschuss anschließend als Auftrag sehen, betonte Hudalla. Hans-Peter Metje, Vertreter des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, vermisste in dem Bericht die Gruppe der Kleinstbetriebe und Soloselbstständigen. Anderen fehlten Senioren in dem Bericht, die unter Altersarmut leiden. Sarah Waltermann von den Grünen hätte sich Schlussfolgerungen gewünscht, aus denen weitere passgenauere Angebote entwickelt werden könnten.

Stellschrauben

Anika Stöcker, die als sachkundige Bürgerin für die CDU dem Sozialausschuss angehört, lobte die vielen Angebote, empfahl aber auch, diese nicht nur für leistungsberechtigte Personen zu öffnen. Zudem müsse berufliche Qualifikation und Mobilität mit erfasst werden. Sie regte außerdem an, eine Armutskonferenz für Greven ins Leben zu rufen. Ein weiteres Hindernis seien Die komplizierten Anträge, die ausgefüllt werden müssen, sie seien für Menschen oft eine schwere Hürde, bemängelt Hudalla. „Daran könne wir leider nichts ändern“, erklärte Tenhaken. „Wir suchen aber ständig nach Stellschrauben, mit denen wir Chancengleichheit und Teilhabe verbessern können“, versicherte Tenhaken.

„Dieser Bericht war zwingend notwendig“, beendet der Ausschussvorsitzende Stevens Gomes (SPD) die Diskussion. Es bestand Einigkeit unter den Ausschussmitgliedern, dass dieser Bericht künftig jährlich erstellt werden soll.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7465971?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F168%2F
Nachrichten-Ticker