Veranstaltungsbranche weist auf ihre bedrohte Situation hin
Die Nacht der roten Lichter

Greven -

Sie stehen meist hinter der Bühne. Jetzt protestiert die Veranstaltungsbranche mit rotem Licht in Greven.

Donnerstag, 25.06.2020, 08:00 Uhr aktualisiert: 25.06.2020, 15:00 Uhr
Ralf Thiemann hat den Marktplatz illuminiert. Mit seiner Firma P2 steckt er in der Corona-Krise
Ralf Thiemann hat den Marktplatz illuminiert. Mit seiner Firma P2 steckt er in der Corona-Krise Foto: Günter Benning

Ralf Thiemann steht nicht gern im Rampenlicht. „Muss das sein?“, fragt der Geschäftsführer des Grevener Veranstaltungsunternehmens P2, als er fürs Foto vor den Marktbrunnen geholt wird.

Es muss sein. Denn am Montagabend will seine Branche auf die Schäden hinweisen, die Corona geschlagen hat. Thiemann beschäftigt zehn Mitarbeiter, darunter zwei Meister für Veranstaltungstechnik und Auszubildende. Alle in Kurzarbeit. „Seit März ist unsere Auftragslage bei Null“, sagt er. Und selbst, wenn jetzt wieder Großveranstaltungen geplant würden, „braucht jeder Veranstalter ein halbes Jahr Vorlauf, um in den Vorverkauf zu gehen und Zahlungssicherheit zu haben.“

Bundesweit stellen Leute wie Thiemann am Montag die Lampen auf rot. Mit großen Bühnenscheinwerfern hat P2 den Marktbrunnen, das Mandala und die umliegenden Häuser rot angestrahlt.

„Wir sind ja nicht gegen die Maßnahmen der Regierung“, sagt Thiemann vor der roten Kulisse, „aber wir müssen wissen, was passiert mit unseren Auszubildenden, was passiert mit unseren Gesellen. Was mache ich mit denen? Ich kann die nicht jahrelang in Kurzarbeit schicken.“ Die Branche brauche eine Perspektive. „Oder“, sagt er, „wir gehen kaputt.“

Rafael Brinkel (BBE-Veranstaltungstechnik) hat sich derweil mit zwei anderen Firmen am Ballenlager postiert: „Im Moment“, scherzt er bitter, „habe ich ja viel Zeit.“

Manuel Averbeck (MA-Veranstaltungstechnik) ist sonst viel unterwegs: „Von Flensburg bis nach Wien.“ Der Techniker von der Hüttruper Straße sorgt für Ton und Licht bei Tourneen bekannter Künstler, begleitet Konferenzen und Partys. „Seit März haben wir keinen einzigen Euro Umsatz gemacht“, sagt er.

Auch Patrick Bitter (Bitter Events) sieht sich um seine Existenzgrundlage gebracht. Es gebe keine Veranstaltungen, sagt er, „und die es gibt, sind so eingeschränkt, dass es wirtschaftlich keinen Sinn macht.“ Entschädigungen gebe es nicht. „Wir halten unseren Kopf dafür hin, dass 80 Millionen Deutsche nicht infiziert werden.“ Das sei richtig, aber es müsse auch ein Ausgleich kommen, der „in irgendeiner Weise gerecht ist.“ Die Branche, erklärt Bitter, solle immerhin über 80 Milliarden Mehrwertsteuereinnahmen im Jahr erbringen.

Und wie sind die Perspektiven? Rafael Brinkel: „Eher schlecht. Es gibt viele Veranstalter, die es im kleinen Rahmen versuchen, aber man weiß nicht, wo es hinführt.“ Ein Kunde von Manuel Averbeck hatte ihm am Montag drei Veranstaltungen für Januar, Februar, März storniert. Coronas späte Folgen.

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