Prozess: Grevener muss 1500 Euro Geldauflage zahlen
„Frauentausch“ läuft nicht rund

Greven/Steinfurt -

Ein Mann soll den Freund seiner Frau geschlagen haben. Mit dessen Frau er zusammenlebt. Alles klar? Eine Geschichte aus dem Amtsgericht.

Dienstag, 30.06.2020, 11:00 Uhr
Prozess: Grevener muss 1500 Euro Geldauflage zahlen: „Frauentausch“ läuft nicht rund
(Symbolfoto) Foto: colourbox.com

Nicht so ganz einfach waren die Verhältnisse bei einem Verfahren wegen Körperverletzung, Beleidigung, Bedrohung und Nötigung im Amtsgericht Steinfurt. Der Täter, ein 38-jähriger polnischer Staatsbürger aus Greven, lebte mit der Frau des Opfers zusammen. Dieser wiederum, ebenfalls ein Pole, war der neue Lebensgefährte der Noch-Ehefrau des Täters. Frauen-und-Männertausch mit Sprengstoffanteil.

Am Dienstag wurde dem ohne Verteidiger erschienenen nicht vorbestraften Berufskraftfahrer vorgeworfen, im Oktober vergangenen Jahres den neuen Freund seiner Noch-Ehefrau geschlagen und sie als „Schlampe und krank“ bezeichnet zu haben.

Dolmetscherin übersetzt Angeklagten

Dabei existierte gegen den Angeklagten ein Annäherungsverbot, das ihm jedoch erst einen Tag später postalisch zuging. Außerdem wurde ihm von der Staatsanwältin angekreidet, drei Tage später der gemeinsamen Tochter per Handy geschrieben zu haben, dass ihre Mutter eine Schlampe und Hure sei und er sie umbringen werde. „Ich war sauer. Aber ich habe mich kurz danach bei meiner Frau entschuldigt. Das mit dem Handy war nicht so gemeint“, gab der 38-Jährige mit Hilfe einer Dolmetscherin die Beschimpfungen zu, bestritt aber, den neuen Lebenspartner seine Noch-Ehefrau geschlagen zu haben.

„Mein Frau und ich stehen kurz vor der Scheidung, verstehen uns aber wieder gut und reden miteinander“, ließ der Angeklagte übersetzen.

1500 Euro an Multiple Sklerose Stiftung

Sowohl seine Noch-Ehefrau als auch die gemeinsame Tochter wollten zu den Vorwürfen nichts sagen und verweigerten die Aussage. Der Strafantrag der Beleidigung wurde zurückgezogen. Der 45 Jahre alte neue Lebenspartner holte während seiner Zeugenaussage weit aus: „Das ist eine längere Geschichte. Er hat mich mit meiner Frau betrogen. Wir sind uns schon längere Zeit nicht grün.“

Nur weil seine neue Partnerin dachte, dass an der Haustür der Freund ihrer Tochter sei, habe sie dem Beschuldigten geöffnet, schilderte der Elektrotechniker, der vorgab, vom 38-Jährigen schon einmal krankenhausreif geschlagen worden zu sein. „Aber weil ich keine Zeugen hatte, empfahl man mir von einer Anzeige abzusehen“, sagte er. Am Tattag sei er aber nicht geschlagen worden, sondern es habe nur ein Gezerre gegeben. Von einer bei der Polizei angegebenen blutigen Lippe wollte er nichts mehr wissen.

Somit ging die Staatsanwältin auf den richterlichen Vorschlag einer Einstellung des Verfahrens ein. Der Angeklagte wird 1500 Euro an die Deutsche Multiple Sklerose Stiftung zahlen.

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