Typisch Greven: August Wieners
Liebe zur plattdeutschen Sprache

Greven -

Sein Sohn sagt über ihn, er sei „ein tief religiöser, geschichtlich und literarisch sehr interessierter Mensch mit einer besonderen Liebe für die plattdeutsche Sprache seiner Wahlheimat“: Gemeint ist August Wieners, der 1908 seinen Dienst als Lehrer an der Schule in der Grevener Bauerschaft Aldrup antrat.

Sonntag, 12.07.2020, 17:19 Uhr
Klassenzimmer der Aldruper Schule mit Lehrer August Wieners und der Hilfslehrerin Toni Weber beim Nachmittagsunterricht
Klassenzimmer der Aldruper Schule mit Lehrer August Wieners und der Hilfslehrerin Toni Weber beim Nachmittagsunterricht Foto: Archiv

August Wieners wurde am 27. August 1885 in Hohenwepel (Kreis Warburg) geboren. Nach dem Besuch des Lehrerseminars in Büren (Sauerland) und nach einjährigem Militärdienst war er ab dem 1. April 1908 als Lehrer an der 1898 gegründeten Schule in der Grevener Bauerschaft Aldrup tätig.

Sein Sohn Ulrich sagt, er war „ein tief religiöser, geschichtlich und literarisch sehr interessierter Mensch mit einer besonderen Liebe für die plattdeutsche Sprache seiner Wahlheimat“. Auch in seinem Unterricht kamen plattdeutsche Gedichte und Erzählungen, zum Teil selbst geschrieben, ständig vor. Dazu gehörte auch sein Grevener Heimatlied „Ik will luowen nu mien Greiwen“, wozu er die Melodie selbst komponierte.

Bei Unterrichtsgängen brachte er seinen Schülern die heimische Pflanzen- und Vogelwelt nahe. Er war nicht nur ein ausgezeichneter Kenner vieler Vogelstimmen, er konnte sogar ihre „Melodien“ nachahmen.

Organist war Wieners auch, aber nicht in Aldrup. Denn als 1939 Alois Wesselmann , der Organist der Gimbter Kirche, zum Militär eingezogen wurde, übernahm er für viele Jahre dessen Aufgabe.

Der letzte Schultag war für den Lehrer August Wieners der 31. Oktober 1949. Da war er mehr als 41 Jahre in Aldrup tätig gewesen, anerkannt in Aldrup und darüber hinaus. Weil er die Dienstwohnung im Schulgebäude räumen musste, zog er 1951 in die Innenstadt.

Verheiratet war er mit der Grevenerin Elisabeth geb. Schwartze. Aus ihrer Ehe gingen vier Kinder hervor.

Natürlich hat August Wieners eine Schulchronik geführt. Sein Nachfolger Karl Schwartze hat diese bis zur Auflösung der Aldruper Schule 1966 weitergeführt.

Wieners hat auch nach seiner Pensionierung Zeitungsartikel geschrieben, zum Beispiel über das Schützenwesen, die Aldruper Schützenkette, verschiedene Aspekte der Geschichte Grevens, Erzählungen, zum Beispiel „Die Bockholter Hünen“. Hinzu kamen viele plattdeutsche Gedichte. Auch in seinem Nachlass befanden sich noch etliche weitere bis dahin unveröffentlichte Aufsätze zur Geschichte Grevens und plattdeutsche Gedichte.

Im Jahre 1959 erschien sein Buch „Hiärm“ über das Grevener Original Hermann Plugge, und 1961 veröffentlichte er sein Buch „Chronik Grevens und seiner Umgebung – Über den zweiten Weltkrieg und seine Folgen“.

In seiner Freizeit hat er sich auch sehr intensiv mit der Veredelung von Obstbäumen beschäftigt.

Besonders verdient gemacht hat er sich um den Aldruper Schützenverein. Denn schon bald nach seiner Ankunft in Aldrup wurden von ihm und einigen anderen erste Überlegungen angestellt, wie man den Aldruper Schützenverein, der zuletzt 1888 ein Schützenfest gefeiert hatte, neu beleben könnte. Im Jahre 1911 wurde die Aldruper Schützengesellschaft von ihm und einigen anderen Aldrupern neu begründet. Ab 1920 schrieb er für die Schützengesellschaft eine Chronik.

Am 26. Juni 1928 wurde August Wieners Schützenkönig des Aldruper Schützenvereins. Als Königin wählte er seine Ehefrau Elisabeth.

Die Gestaltung der Feier des 350-jährigen Jubelfestes des Vereins am 29./30. Mai 1938 lag ganz in seiner Hand, ein schwieriger politischer Balanceakt für ihn, da er kein Anhänger der Nazis war. Während des Krieges hatte er in Aldrup die unangenehme Aufgabe, den Familien der Gefallenen die schlechte Nachricht vom Tode ihres Vaters oder ihres Sohnes zu überbringen. Häufig genug waren Gefallene zugleich seine ehemaligen Schüler.

Schließlich wurde er zum Ehrenmitglied „seines“ Schützenvereins ernannt.

August Wieners verstarb am 5. November 1963.

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