Verhandlung am Amtsgericht
Schwarzfahrer legen sich mit der Polizei an

Greven -

Angeklagt wegen Beleidigung und wegen Widerstands gegen Polizeibeamte, zwei Männer aus Greven stehen vor Gericht.

Freitag, 14.08.2020, 11:00 Uhr aktualisiert: 18.08.2020, 09:40 Uhr

Wer ohne gültiges Ticket mit einem öffentlichen Verkehrsmittel fährt, der landet im schlimmsten Fall vor dem Kadi. Nun waren zwei Männer aus Greven aber nicht nur wegen Schwarzfahrens, sondern auch wegen Beleidigung und wegen Widerstands gegen Polizeibeamte angeklagt. Allerdings ließ sich einer der beiden mutmaßlichen Täter durch seinen Verteidiger wegen Krankheit beim Amtsgericht Steinfurt entschuldigen. Deshalb wurde das Verfahren abgetrennt und der Prozess nur mit dem 27 Jahre alten Beschuldigten aus Greven fortgesetzt.

Der gab zu, am 23. November vergangenen Jahres mit dem abwesenden Angeklagten im Hauptbahnhof Münster gegen 6 Uhr morgens in den Zug Richtung Emden eingestiegen zu sein, um damit nach Greven zu fahren. „Mein Kumpel hat ein Semesterticket und sagte mir, dass darauf eine Person umsonst mitfahren darf“, erklärte der Umschüler, weshalb er keine Fahrkarte im Wert von 5,60 Euro gelöst hatte. „Wenn ich gewusst hätte, dass ich nicht nur wegen Schwarzfahrens angeklagt bin, hätte ich mir auch einen Anwalt genommen.“

Eine Zugbegleiterin klärte bei der Kontrolle beide auf, dass das im Ruhrgebiet, aber nicht im Münsterland möglich sei. Die 48 Jahre alte Zugbegleiterin aus Münster erinnerte sich daran, dass der 27-Jährige im Gegensatz zu seinem Kumpel kooperativ gewesen sei. „Er nahm den Bescheid über das erhöhte Beförderungsgeld verständnisvoll entgegen“, sagte die Zeugin. Der andere Schwarzfahrer sei von Beginn an aggressiv gewesen und habe keinen Respekt gezeigt.

Das bestätigte auch ein Bundespolizeibeamter, der zufällig in Uniform mit im Zug saß . Der nicht anwesende Angeklagte habe zu ihm gesagt, dass er keinen Respekt vor Amtspersonen habe. Allerdings beschuldigte der Ordnungshüter auch den 27-Jährigen, sich respektlos und provokant verhalten zu haben. „Beide hatten einen aggressiven Gesichtsausdruck“, meinte der Zeuge, der vorgab, als „Wichser“ – wahrscheinlich auch vom 27-Jährigen – beschimpft worden zu sein. Ein ebenfalls im Zug sitzender Landespolizeibeamter in Zivil hatte die Auseinandersetzung beobachtet und wollte helfen. Der Konflikt eskalierte jedoch, als der Zug im Bahnhof Greven hielt und beide Angeklagten aussteigen wollten. Der Bundespolizist war überzeugt, dass beide fliehen wollten und forderte vorher Verstärkung an. Zwei zusätzliche Bundespolizeibeamte nahmen die Streithähne in Empfang. Der Bundespolizist hatte zwischenzeitlich den vermeintlichen Rädelsführer mit seinem Knie zu Boden gedrückt und fixiert. Der Meppener Polizist bestätigte, dass beleidigende Worte gefallen waren, konnte sich aber weder an den Wortlaut, noch von wem sie stammen, erinnern.

„Wenn ich geahnt hätte, wie sich damals die Situation entwickelt, hätte ich mir ein Ticket gekauft“, meinte der bisher nicht vorbestrafte 27 Jahre alte Grevener. Das Gericht stellte das Verfahren wegen Beleidigung und wegen Widerstandes gegen Polizeibeamte gegen ihn ein. Damit muss der Angeklagte nur für seine eigenen Gerichtskosten aufkommen. Den überwiegenden Rest zahlt die Landeskasse.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7534462?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F168%2F
Nachrichten-Ticker