Bernd und Christina Böckmann bieten auf einem Feld Gemüse zum Selbsternten an
Fast wie im eigenen Garten

Greven -

Blumen zum selbstpflücken, das sieht man öfters. Aber Gemüse zum Selbsternten, das ist neu und wird sehr gut angenommen.

Freitag, 14.08.2020, 10:15 Uhr aktualisiert: 18.08.2020, 09:40 Uhr
Das junge Paar bietet seit Mai in der Kroner Heide viele Gemüsesorten zum Selbsternten an - das kommt gut an.
Das junge Paar bietet seit Mai in der Kroner Heide viele Gemüsesorten zum Selbsternten an - das kommt gut an. Foto: Oliver Hengst

Die Vorarbeiten sind schon im vergangenen Jahr angelaufen, genauso wie ein improvisierter Verkauf. Aber so richtig durchgestartet sind Bernd und Christina Böckmann erst in diesem Jahr. Seit Mai ist Greven um eine Einkaufsmöglichkeit reicher: Gemüse zum Selbsternten.

Blumen zum selbstpflücken (auch das geht auf dem Böckmann‘schen Feld) – das kennt man ja schon. Aber Gemüse, das ist neu. Und die Auswahl ist erstaunlich groß. Neben Tomaten, Zucchini (grün und gelb), Grünkohl und Spitzkohl warten auch Buschbohnen, Blumenkohl und Kohlrabi auf Selbsternter. „Vorne hängt eine Preisliste“, erklärt Bernd Böckmann, der das Feld an der Krone Heide (nahe Hof Drees, Hausnummer 22) mit seiner Frau im Nebenerwerb betreibt. „Ich komme vom Hof“, sagt Böckmann, auf einem solchen ist er auch hauptberuflich tätig. Gattin Christina ist gerade in Elternzeit und packt mit an, wann immer die beiden kleinen Kinder es zulassen.

Das Konzept: Die Kunden ernten und werfen das Geld dann in eine Kassensäule aus Metall. Problem mit fehlender Ehrlichkeit gab es – von einer gravierenden Ausnahme abgesehen – bislang nicht. Und im Notfall kommt man Räubern mit einer Videokamera auf die Schliche. Aber im Grunde vertraut das junge Paar darauf, dass das Prinzip, das auf Blumenfeldern zum Selbstpflücken meist gut funktioniert, auch hier klappt. Die Hoffnung: wer selbst erntet kann kein schlechter Mensch sein.

Das Angebot ändert sich saisonal. „Ab Herbst gibt es auch Kürbisse“, sagt Christina Böckmann. Im kommenden Jahr sollen auch Möhren, Rote Beete, Radieschen und eventuell weitere Gemüsesorten hinzukommen. Und als böte das zusammen mit den üppigen Blumenfeldern den Insekten noch nicht genug, hat Böckmann auf einer derzeit nicht genutzten Fläche noch eine Wildblumenmischung ausgesät, um Bienen und Co. etwas Gutes zu tun.

Einiges aus dem Gemüse-Angebot wird für manchen Supermarkt-Einkäufer möglicherweise Neuland sein, etwa die Busch- oder Schnippelbohnen oder andere alte Sorten. Böckmann macht sich aber keine Sorgen: „Die Hausfrauen kennen das wohl.“ Er geht die Reihe ab, zupft hier und da eine Bohne ab. „Da braucht man nicht mal ein Messer. Eigentlich ganz einfach“, sagt er.

„Wir setzten keine chemischen Pflanzenschutzmittel ein“, betont Bernd Böckmann. Zum Schutz gegen den Kohlweißling seien manche Sorten daher zeitweise mit einem Vlies abgedeckt. Chemie einsetzen – das wollen die Böckmanns nicht. „Und die Kunden wollen das auch nicht“, sagt er. Die Rückmeldungen eben dieser Kunden bestärken sie, den eingeschlagenen Weg der Direktvermarktung weiterzugehen. „Frischer geht es ja wohl nicht“, sagt der 33-Jährige. „Kunden, die zu uns kommen, wollen nicht unbedingt Ware aus Spanien kaufen.“ Und von eben diesen Kunden, die Regionalität und Frische schätzen, gibt es offenbar immer mehr. „Der Umsatz ist seit Mai gut angestiegen“, freut er sich über eine funktionierende Mund-zu-Mund-Propaganda. Und die Gattin ergänzt: „Da ändert sich auch das Bewusstsein“. Sie erlebe in ihrem Umfeld (viele Mütter mit kleinen Kindern) oft, dass viel Wert auf gesunde, frische Nahrungsmittel gelegt werde.

Das (eingezäunte) Feld ist im Grund durchgehend begehbar, nur die kleine Verkaufshütte am Eingang wird abends gegen 20 Uhr leer geräumt. In dieser bieten die Böckmanns Eier, veredelte Produkte und bereits geerntetes Gemüse für jene an, die nicht selbst ins Feld wollen oder können. Wobei jenen dann ein Erlebnis entgeht . . .

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