Patric Sohrt über eine sehr besondere Freilichtbühnen-Saison
„Zuschauer haben uns gut getan“

Reckenfeld -

3000 Besucher in einer Theatersaison. Das kann man so und so sehen. Patrick Sohrt, neuer Vorsitzender der Freilichtbühne, gewinnt der Zahl positive Seiten ab.

Donnerstag, 24.09.2020, 06:00 Uhr aktualisiert: 24.09.2020, 16:18 Uhr
Patric Sohrt
Patric Sohrt Foto: Oliver Hengst

Die Freilichtbühnen-Saison ist beendet, der Blick richtet sich ab sofort auf die kommende Saison. Im Interview mit Redakteur Oliver Hengst sprach Patric Sohrt , Vorsitzender der Freilichtbühne, über die besonderen Herausforderungen der Corona-Saison und über das Projekt Spielerheim. Zudem gab er die für 2021 ausgewählten Stücke preis.

 

Unsere Zeitung titelte „Nichtmal 300 zahlende Besucher“, was zugegebenermaßen negativ klingt. Wenn sie die Überschrift hätten machen können: Welchen Aspekt hätten Sie in den Mittelpunkt gerückt?

Patric Sohrt: Ich finde es erstmal gut, dass wir knapp 3000 Zuschauer hatten. Wir waren ja aufgrund der Corona-Pandemie in so einer Art Schockzustand, der Theater-Lockdown hat uns auch getroffen. Es fand auch hier an der Bühne keinerlei soziales Miteinander mehr statt. Wir haben uns aber im weiteren Verlauf offen gehalten, wie wir die Saison gestalten. Das Kinderstück und unser Musical „Ein Käfig voller Narren – La Cage aux folles“ mussten wir aus dem Programm nehmen, aber wir haben mit „Gretchen 89 ff“ ein neues Stück mit neuem Konzept unter den erlaubten Bedingungen inszeniert, haben die „Welle“ und „Schöller“ wieder mit aufgenommen und kurzfristig einen klassischen Liederabend auf die Beine gestellt. Unter den Corona-Bedingungen war das gut. Wir haben uns eng abgesprochen mit der Stadt Greven und sind schon ein bisschen stolz drauf, dass wir das hinbekommen haben. Dass wir eine verkürzte Saison anbieten wollen, haben wir gemeinsam im erweiterten Vorstand entschieden.

Anderswo hat man alles abgesagt, in Reckenfeld nicht. Was hat den Ausschlag gegeben?

Sohrt: Wir hatten die komfortable Situation, dass wir Stücke wiederaufnehmen konnten. Was uns wichtig war ist, dass das Vereinsleben nicht komplett zum Erliegen kommt, sondern dass hier an der Bühne ein bisschen was passiert. Zudem haben wir ja auch finanziell einiges zu schultern. Wir haben in den nächsten Jahren einiges vor, unser Großprojekt Spielerheim steht vor der Tür.

Hat der Verein die Saison mit einem finanziellen Minus abgeschlossen?

Sohrt: Ich glaube, wir sind mit zwei blauen Augen davongekommen. Wir haben von Reserven, die wir hatten, zehren können. Die waren aber eigentlich für andere Dinge gedacht. Aber wir kommen aus der Situation glaube ich gut raus. Wir hatten viele Zuschauer, die ihre gekauften Karten in eine Spende umgewandelt haben, was ich großartig finde. Und wir hatten weitere Spenden, das hat uns weitergeholfen.

Wenn man die Saison mit all ihren Einschränkungen nun bilanziert: Hat sich der Aufwand gelohnt?

Sohrt: Ja, auf jeden Fall. Es war anfangs hart, weil wir lange abwarten mussten und sehr oft gefragt wurden, wie es denn weitergeht. Das auszuhalten war nicht immer einfach, aber es hat sich letztlich gelohnt. Wir haben uns auch geöffnet für andere Dinge, das war ein guter Schritt. Wir hatten hier an der Bühne Schulveranstaltungen, Zeugnisübergaben, Parteiveranstaltungen. Wir hatten „Storno“ hier, da haben uns die Leute die Bude eingerannt. Wahnsinn!

Was gab es für Rückmeldungen?

Sohrt: Die Aktiven waren glücklich, dass überhaupt etwas stattfand. Und die Zuschauer haben die Corona-Bedingungen akzeptiert, das hat alles wunderbar funktioniert. Gemeinsam haben wir das alles gut geschaukelt.

Fühlt es sich nicht komisch an, vor Publikum zu spielen, das Abstand halten muss?

Sohrt: Die Lücken im Zuschauerraum dienten ja dem Schutz der Zuschauer. Wir hatten ein gutes Gefühl, die Reihen nicht mit knapp 700 Zuschauern zu besetzen, sondern mit 300. Bei Gretchen waren 50 mit auf der Bühne, bei der Welle rund 100 – und auch die haben wir gut verteilt. Wir wollten damit auch ein Sicherheitsgefühl vermitteln. Dass Zuschauer gekommen sind, hat uns gut getan. Natürlich ist es etwas anderes, ob man 20 000 Zuschauer hat oder 3000. Aber für die knapp 3000 Zuschauer hat sich das deutlich gelohnt, und auch wir als Verein haben profitiert.

Trauen Sie sich, schon an die nächste Saison zu denken? Oder müssen Sie das vielleicht schon tun?

Sohrt: Ja, klar. Wir sind in den Planungen für nächstes Jahr. Wir haben „Tussi Park“ im Programm, eine Karaoke-Komödie. „Ritter Rost“ wird als Kinderstück aufgenommen, das haben wir von 2020 verschoben auf 2021. Und dann gibt es „Currywurst und Pommes“, eine Schauspielkomödie. Wir können natürlich in die Glaskugel schauen, aber da kommt erstmal kein Ergebnis raus. Somit müssen wir uns mit den Gegebenheiten, die uns erwarten, irgendwie arrangieren und entsprechend reagieren.

Sie gehen also von einer ganz normalen Saison 2021 aus?

Sohrt: Nein. Wir bereiten uns darauf vor, aber ich persönlich glaube nicht, dass wir eine ganz normale Saison erleben werden. Ich gehe davon aus, dass wir erneut reduzierte Platzzahlen haben werden. Wir haben Stücke ausgewählt mit einer eher geringen Anzahl an Darstellern auf der Bühne. Heißt auch, dass bei den Proben weniger Menschen zusammentreffen. Natürlich werden Hygienestandards eingehalten, auch bei den Proben. Das ist uns wichtig. Masken tragen, Hände desinfizieren – das haben wir an der Bühne verinnerlicht und dabei werden wir auch erstmal bleiben.

Der Verein möchte ein neues Spielerheim bauen. Hat diese besondere Saison Auswirkungen auf den Wunsch oder auf den Zeitplan?

Sohrt: Auf den Wunsch nicht. Und auf den Zeitplan erstmal auch nicht. Wir wissen noch nicht ganz genau, wie die Rückmeldungen aus der Politik ausfallen werden. Da warten wir noch auf Nachrichten von der Stadt Greven. Wir stehen natürlich auch mit dem Kreis und dem Land NRW in Kontakt. Größtenteils wurde uns Unterstützung signalisiert. Aber natürlich wissen wir, dass die Kassen leer sind. Insofern müssen wir uns da sicherlich anpassen und hoffen. Wir brauchen den Platz: für Proben, für die Kinder- und Jugendarbeit, fürs Wintertheater und so weiter. Die Notwenigkeit wird weiterhin gesehen, aber es muss natürlich für alle Seiten realisierbar sein.

Um Investitionen in welcher Höhe geht es?

Sohrt: Wir reden über 1,8 Millionen Euro. Zweidrittel der Finanzierung brauchen wir sicherlich von außen, um das stemmen zu können.

Bliebe immer noch ein Drittel für den Verein, ein ganz ordentliches Brett. Wie geht es weiter?

Sohrt: Eigentlich soll der Bagger im April kommen, vielleicht kommt er aber auch erst im April 2022. Wir wissen es noch nicht. Unser Architekt ist dabei, in Abstimmung mit uns das alles voranzubringen. Aber wir brauchen auch bald Aussagen dazu, ob Fördermittel fließen oder nicht.

Und gibt es Ideen, wie der Eigenanteil aufgebracht wird? Stehen Sponsoren bereit?

Sohrt: Wir stehen gerade mit Unternehmen in Verhandlungen, aber natürlich sind die in der momentanen Situation alle sehr vorsichtig. Und wenn wir in den kommenden Jahren weiter nur 3000 Zuschauer haben, brauchen wir das Projekt vorerst nicht zu realisieren. Wir brauchen schon so um die 20 000, wir brauchen gute Sommer. Dann soll das wohl klappen. Ich glaube allerdings, dass es noch etwas dauern wird, bis wir wieder zum Normalzustand zurückkehren können. Vielleicht klappt das 2022 wieder.

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