Studenten und ein Ackerbürgerhaus
Planen, entwickeln, berechnen

Greven -

Studenten des Studiengangs „Bachelor of Engineering“ der FH Münster beschäftigen sich zur Zeit mit einem alten Ackerbürgerhaus in der Grevener Innenstadt.

Freitag, 09.10.2020, 10:30 Uhr aktualisiert: 13.10.2020, 10:22 Uhr
Ein Blick auf den Plan des Hauses kann nicht schaden. Dozentin Elfriede Heidhoff (vorne) und Restaurator Franz-Josef Huckenbeck (hinten) beraten die Studenten
Ein Blick auf den Plan des Hauses kann nicht schaden. Dozentin Elfriede Heidhoff (vorne) und Restaurator Franz-Josef Huckenbeck (hinten) beraten die Studenten Foto: Peter Beckmann

Leerstand, macht ein Gebäude nicht besser. Das gilt für „neue“ Gebäude genau so wie für alte Schätzchen, die schon einige Jahrzehnte auf dem Buckel haben. In diese Kategorie fällt auch das alte Ackerbürgerhaus an der oberen Marktstraße, das früher einmal die Pizzeria Gallo D‘Oro beheimatete. Anfang der Woche kam endlich wieder Leben ins Gebäude. Und das hängt letztendlich mit einer Pizza zusammen, die dort vor Jahren verspeist wurde.

Elfriede Heidhoff ist Architektin und Dozentin an der Fachhochschule Münster . Und: Sie ist gebürtige Grevenerin. Wie viele „alte“ Grevener hat sie auch schon mal in der ehemaligen Pizzeria Gallo D‘Oro eine Pizza gegessen. Und genau das, besser gesagt das Gebäude, in der sie die Pizza verspeiste, hat einiges mit einem einzigartigen Studiengang zu tun, den die FH und die Handwerkskammer Münster in Kooperation anbieten. Der Studiengang nennt sich „Bachelor of Engineering“.

Inhalt des Studienganges ist die Entwicklung von neuen Nutzungskonzepten für Bestandsgebäude. Und da kommt eben das alte Ackerbürgerhaus ins Spiel. „Wir haben für das Seminar eben ein solches leerstehendes Gebäude gesucht, an dessen Beispiel die Studenten Konzepte erarbeiten können“, erklärte Elfriede Heidhoff.

Der Lehrplan des Studiengangs ist breit angelegt, denn für das zukünftige Aufgabenfeld der Absolventen wird nicht nur das Wissen eines Bauingenieurs verlangt: Architektur, Versorgungstechnik, Betriebswirtschaft und Spezialgebiete wie Bautenschutz sind Disziplinen, die integriert werden müssen.

Und so nahmen sich die Studierenden das alte Haus in der Marktstraße vor, erarbeiteten eine Bauaufnahme mit Erstellung digitaler Pläne über den Entwurf neuer Grundrisse und Ansichten, berechneten nachträglich Dämmungen, kalkulierten Bau- und Sanierungsleistungen. Und nicht zuletzt geht es um eine neues Nutzungskonzept.

„Wir bieten den Studenten insgesamt vier Aufnahme-Termine vor Ort am und im Gebäude, und am Ende des Monats gibt es noch eine historische Stadtführung in Greven“, erklärte Heidhoff. Denn auch der geschichtliche Zusammenhang sei ein wichtiger Faktor für Ideen für eine künftige Nutzung des Gebäudes.

Den Studenten zur Seite steht neben der Dozentin auch der Zimmerer und Restaurator Franz-Josef Huckenbeck, der vor zwei Jahren im Auftrag der Besitzerin das denkmalgeschützte Haus untersuchte und einige Schäden und auch Umbauten feststellte.

All zu einfach ist die Aufgabe für die Studenten natürlich nicht. Denn das alte Ackerbürgerhaus steht unter Denkmalschutz. „Da ist zum Beispiel eine nachträgliche Dämmung nicht so ganz einfach zu realisieren“, so Heidhoff.

Letztendlich ist natürlich völlig unklar, ob die von den Studenten erarbeiteten Pläne jemals umgesetzt werden. „Die Pläne werden natürlich der Eigentümerin zur Verfügung gestellt. Ob sie aber eines der Pläne auch real umsetzt, bleibt natürlich ihr überlassen.“

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