Taxi Hildebrandt seit 80 Jahren am Markt
Elfenbein auf vier Rädern

Greven -

Das Unternehmen Taxi Hildebrandt ist ein echtes Familienunternehmen, Max Hildebrandt hat das Taxi-Unternehmen vor etwa 80 Jahren in der Nachkriegszeit gegründet.

Mittwoch, 21.10.2020, 12:00 Uhr aktualisiert: 27.10.2020, 10:12 Uhr
Alfons Vrede (Bild) leitet zusammen mit Dieter Hildebrand das Unternehmen mit der markanten Telefonnummer.
Alfons Vrede (Bild) leitet zusammen mit Dieter Hildebrand das Unternehmen mit der markanten Telefonnummer. Foto: Pia Weinekötter

Welche Farbe hat ein Taxi? Beige? Oder Natur? „Nein“, lacht Alfons Vrede , „die korrekte Bezeichnung lautet ‚Hell-Elfenbein‘ – das wurde auch schon mal bei Günther Jauch als Millionen-Frage gestellt und der Kandidat wusste es leider nicht.“ Schade, dass der Kandidat damals nicht Alfons Vrede als Telefon-Joker genommen hat. Das hätte sich gelohnt, denn mit Taxen kennt der Unternehmer sich aus.

Gemeinsam mit Dieter Hildebrandt betreibt der gebürtige Grevener „Taxi Hildebrandt“ mit der Zentrale an der Emsdettener Straße als echtes Familienunternehmen. In dem Klinkerbau mit der gemauerten „3333“ – der einprägsamen Telefonnummer der Taxi-Zentrale – über der Tiefgaragen-Einfahrt koordiniert seine Frau Marita die eingehenden Anrufe und die Einsätze der 14 Fahrzeuge. Alle Fahrzeuge sind mit GPS ausgestattet und somit auf dem Bildschirm in der Zentrale sichtbar. „Per Sprechfunk gebe ich dann die Aufträge an den Fahrer weiter, der ihn am besten übernehmen kann“, erklärt Marita Vrede.

Sie ist eine geborene Hildebrandt, ihr Opa Max Hildebrandt hat das Taxi-Unternehmen vor etwa 80 Jahren in der Nachkriegszeit gegründet: „Damit ist unser Taxi-Unternehmen aktuell nicht nur das größte in Greven, sondern gehört auch mit zu den ältesten Betrieben der Stadt.“

„Gegründet wurden wir unter der Bezeichnung ‚Hauderer‘, einem aus Schlesien stammenden Begriff, den er aus seiner alten Heimat mit nach Greven brachte“, berichtet Vrede. 1965 übergab Max Hildebrandt das Unternehmen an seinen Sohn Willi Hildebrandt, der die Geschäftsführung 1989 an seinen Sohn Dieter Hildebrandt und seinen Schwiegersohn Alfons Vrede weitergab. Die Beiden führen den Betrieb seitdem als geschäftsführende Gesellschafter. Doch auch schon vorher übernahmen die gelernten Schlosser in ihrer Freizeit so manche Taxi-Fahrt – eben wie in einem echten Familienunternehmen.

Die Hildebrandt-Taxen haben in der Stadt zwei feste Standorte: „Wir sind am Bahnhof und am Krankenhaus zu finden“, erklärt Alfons Vrede, „zum FMO fahren wir jedoch nur auf Bestellung, ein fester Platz dort lohnt sich auch in Nicht-Corona-Zeiten für uns nicht.“ Ein Großteil der Fahrten sind die Krankenfahrten: „Das sind Fahrten zu Ärzten und Kliniken beispielsweise zur Chemotherapie oder zur Dialyse oder auch zur ambulanten Reha nach Münster“, umreißt Vrede dieses Segment und ergänzt, „als einziger Anbieter in der Kernstadt Greven bieten wir auch Rollstuhlfahrten an.“ Für den Bereich Krankenfahrten übernimmt der Taxi-Unternehmer auch die Bürokratie für seine Kunden und rechnet direkt mit den diversen Abrechnungszentren der Krankenkassen ab.

Ein weiteres Standbein sind die Schulfahrten „entweder zu den Förderschulen oder von Kindern aus den Bauerschaften, die nicht direkt an den Schulbusverkehr angebunden sind.“ Und das dritte Standbein ist der sogenannte Gelegenheitsverkehr. „Und der ist in der Corona-Krise ziemlich zusammengebrochen“, erzählt Alfons Vrede. „Die Leute fahren weniger in den Urlaub, gehen seltener ins Restaurant und in die Kneipe – sie sind einfach verunsichert und das bekommen auch wir zu spüren.“

Trotzdem hat Taxi Hildebrandt in Zeiten von Corona-bedingten Schulschließungen und eingeschränktem Krankendiensten nur einen Monat Kurzarbeit anmelden müssen. Dann hatte der Unternehmer seine 65 Fahrer und Fahrerinnen so organisiert, dass es für alle passte. „In der Anfangszeit war sogar die Betriebspflicht zwischen 23 und 6 Uhr aufgehoben“, erinnert sich Vrede zurück. Betriebspflicht bedeutet tatsächlich eine Sicherstellung der Fahrbereitschaft rund um die Uhr an sieben Tagen pro Woche. Das ist auch der Grund, warum es mit der familiären Nachfolge der vierten Generation etwas hapert. „Unsere Kinder haben alle gute eigene Jobs – mit Feierabend am Freitag“, hat der 65-Jährige Verständnis.

Trotzdem werden die hellen Hildebrandt-Taxen auch weiterhin durch Greven und Umgebung fahren. Denn während in Niedersachsen die Taxi-Farben mittlerweile frei wählbar sind, gilt in NRW für alle Taxen nach wie vor das ‚Hell-Elfenbein‘. Und das freut Alfons Vrede, denn: „Das ist gut für den Wiedererkennungswert!“

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