Im Reisebüro Weischer macht man aus der Not eine Tugend
Basar statt Balearen – Kränze statt Kataloge

Greven -

Der November ist üblicherweise der stärkste Monat, die „Hauptbuchungszeit“. Aktuell gibt es nur vereinzelte Buchungen.

Donnerstag, 26.11.2020, 12:00 Uhr
Lilia Peitsch (links) sowie Nicole und Daniel Rosendahl haben sonst im November kaum Zeit fürs kreative Werken, doch in diesem Jahr ist eben alles anders.
Lilia Peitsch (links) sowie Nicole und Daniel Rosendahl haben sonst im November kaum Zeit fürs kreative Werken, doch in diesem Jahr ist eben alles anders. Foto: Oliver Hengst

Um Kunden ins Reisebüro zu locken, und zwar solche, die ausnahmsweise mal nicht kommen, um zu stornieren, hat sich das Team des Reisebüros Weischer am Marktplatz eine ungewöhnliche Aktion einfallen lassen. In den Regalen, die sonst die Reisekataloge beherbergen, finden Kunden derzeit kreative Basteleien und weihnachtliche Deko-Artikel.

Dabei hat das Team keineswegs finanzielle Gewinne im Sinn. Wenn es überhaupt Erlöse gibt, sollen damit die Materialkosten gedeckt werden. Es geht vielmehr darum, wieder für Frequenz im Laden zu sorgen. An der fehlt es in diesen Tagen nämlich, man ahnt es, coronabedingt an allen Ecken und Enden. „In einem normalen November hätten wir sonst gar keine Zeit für so etwas gehabt“, sagt Weischer-Mitarbeiterin Lilia Peitsch . Der November, sagt Inhaber Daniel Rosendahl, sei üblicherweise der stärkste Monat, die „Hauptbuchungszeit“. Aktuell aber gebe es lediglich „vereinzelte Buchungen von langjährigen Stammkunden“. Das bringe aber „nur einen Bruchteil“ dessen, was sonst im November an Umsatz erzielt werde. Die ausbleibenden Buchungen schlagen sich natürlich nieder. Unter anderem ist das Personal in Kurzarbeit geschickt worden. Sonst sei man meistens mit vier oder mehr Kräften im Reisebüro präsent, aktuell nur mit einer Minimalbesetzung. „Schon traurig“, sagt Nicole Rosendahl.

Auch die Angestellte Lilia Peitsch ist von der Kurzarbeit betroffen. „Wir haben sonst“, sagt sie, „um diese Zeit immer unsere weihnachtliche Phase.“ In diesem Jahr auch, aber eben ganz anders. Die unfreiwillig üppige Freizeit habe sie nutzen wollen und sei daraufhin angefangen, kreativ zu werden.

Von einer fast schon bitteren Ironie zeugt der Umstand, dass für einige Basteleien zum Teil ungenutztes Reisebüro-Dekomaterial kreativ umfunktioniert wurde und im Sinne der Nachhaltigkeit auch Kataloge verarbeitet wurden – die man eigentlich gern den Kunden an die Hand gegeben hätte. Zum Teil sind so auch Reisegutscheine der etwas anderen Art entstanden. Das Team hofft, dass die Kundschaft vor allem diese Idee bei der Suche nach einem Weihnachts-Geschenk aufnimmt.

Vielleicht lockt der Basar Interessierte an, und sei es nur für ein Pläuschchen. „Die Kunden sollen wissen: Wir sind noch da“, sagt Nicole Rosendahl.

Natürlich ist die Hoffnung groß, dass die Pandemie mit dem Einsetzen der Impfungen bald ihren Schrecken verliert. Das aber, so sagt Daniel Rosendahl, werde sicher nicht so rasch passieren. Vom Impfstoff allein würden die Buchungen nicht wieder in die Höhe schnellen, dafür müsste auch die Infektionszahlen nachhaltig und deutlich zurückgehen. Dann werde die Branche wieder zu tun bekommen. „Es wird auch einen Nachholbedarf geben, da bin ich ganz sicher“, sagt der Inhaber.

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