Kati Schmidt berichtet aus San Francisco
Freundeskreis verfolgt die Eskalation mit Schrecken

Greven/San Francisco -

Kati Schmidt lebt und arbeitet in San Francisco. Die Proteste vor dem Capitol in Washington, angestachelt vom amtierenden US-Präsidenten Donald Trump, verfolgte sie mit Schrecken, wie sie im Interview berichtet.

Montag, 11.01.2021, 07:27 Uhr aktualisiert: 11.01.2021, 07:38 Uhr
Kati Schmidt aus Greven lebt in San Francisco, hat einen amerikanischen Pass und durfte auch wählen.
Kati Schmidt aus Greven lebt in San Francisco, hat einen amerikanischen Pass und durfte auch wählen. Foto: Privat

Was sagen Grevenerinnen, die in den USA leben, zur gegenwärtigen Situation in Washington? In der vergangenen Woche hatten wir Judith Rognli aus Utah gefragt, jetzt antwortet Kati Schmidt (36), die 2003 ihr Abitur am Augustinianum gemacht hat und 2015 in die USA auswanderte. Sie lebt in San Francisco und arbeitet für Course Hero. Auch im Internet ist sie mit einem Blog (kaliforniakati.com) aktiv, in dem sie von ihren Erfahrungen als Deutsche in den USA berichtet, um anderen die ersten Schritte zu erleichtern. Mit ihr sprach unser Redaktionsmitglied Günter Benning .

Was sagen die Menschen in Ihrer Umgebung über die Proteste?

Schmidt: Am Mittwochmorgen freute ich mich über die Nachricht, dass voraussichtlich beide demokratische Kandidaten die Stichwahl in Georgia gewonnen hatten und den Demokraten damit eine knappe Mehrheit im Senat sicherten. Als ich in meiner Mittagspause CNN einschaltete, sah ich, dass Trump-Anhänger, das Kapitol gestürmt hatten. Sofort schrieb ich meiner Freundin, die dort arbeitet, ob sie in Sicherheit war und war erleichtert, eine positive Rückmeldung von ihr zu bekommen. Mein Freundeskreis hier in San Francisco verfolgte die Eskalation mit Schrecken. Es ist tragisch, dass es zu diesem Aufstand mit tödlichen Folgen kommen musste, bis einige republikanische Abgeordnete die Wahl Bidens öffentlich anerkannt und sich gegen die Angriffe auf die amerikanische Demokratie ausgesprochen haben.

Sturm auf das Kapitol in Washington

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  • Eskalation in Washington: Polizisten mit gezogenen Waffen beobachten, wie Demonstranten versuchen, in die Kammer des Repräsentantenhauses im US-Kapitol einzudringen.

    Foto: J. Scott Applewhite (dpa)
  • Während der Kongress sich darauf vorbereitet, den Sieg des gewählten Präsidenten Joe Biden zu bestätigen, haben sich Tausende von Menschen versammelt, um ihre Unterstützung für Präsident Donald Trump und seine Behauptungen über Wahlbetrug zu zeigen. Sicherheitskräfte versuchen, sie aufzuhalten.

    Foto: Andrew Harnik (dpa)
  • Die Polizei überwacht Demonstranten, die versucht haben, durch eine Polizeiabsperrung zu brechen am Kapitol in Washington.

    Foto: Julio Cortez (dpa)
  • Unterstützer des US-Präsidenten Trump versuchen eine Absperrung vor dem Kapitol zu durchbrechen.

    Foto: John Minchillo
  • Vor der Eskalation nahmen Tausende Menschen an einer Kundgebung zur Unterstützung des US-Präsidenten Trump teil.

    Foto: Jacquelyn Martin
  • Donald Trump, noch amtierender Präsident der USA, erneuerte seine haltlosen Behauptungen über Betrug bei der Abstimmung. Seinem Stellvertreter Mike Pence warf er wegen dessen Weigerung, die Bestätigung der Wahlergebnisse im Kongress zu verhindern, mangelnden Mut vor.

    Foto: Evan Vucci
  • Nach der Rede Trumps marschierten Hunderte seiner Unterstützer auf den Parlamentssitz zu.

    Foto: Julio Cortez
  • Einige lieferten sich dort Handgreiflichkeiten mit Einsatzkräften.

    Foto: Julio Cortez
  • Vizepräsident Mike Pence eröffnete als Präsident des Senats im Kapitol die Sitzung, um die Stimmen des Electoral College zu zählen, die bei der Wahl im November abgegeben wurden. Rechts steht die Sprecherin des Repräsentantenhauses Nancy Pelosi.

    Foto: Saul Loeb
  • Nach dem Sturm auf das Kapitol wurde das Parlamentsgebäude evakuiert. Die Abgeordneten wurden in Sicherheit gebracht.

    Foto: Greg Nash
  • Eindringlinge im US-Kapitol: Polizisten beobachten Demonstranten in einem Flur in der Nähe der Senatskammer.

    Foto: Manuel Balce Ceneta
  • Gezogene Waffen im Parlament: Polizisten mit gezogenen Waffen beobachten, wie Demonstranten versuchen, in die Kammer des Repräsentantenhauses im US-Kapitol einzudringen.

    Foto: J. Scott Applewhite
  • Foto: dpa
  • Foto: dpa
  • Foto: dpa
  • Foto: dpa
  • Foto: dpa
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  • Foto: dpa

Beeinträchtigen die Proteste Ihr Lebensgefühl? Bleiben die USA so gespalten?

Schmidt: In den vergangenen Jahren haben sich die Lager der Demokraten und Republikaner und ihrer Anhänger immer weiter voneinander entfernt. In meinem beruflichen und privaten Umfeld habe ich kaum Überschneidungen mit Republikanern und kenne persönlich keine Trump-Anhänger. Viele meiner Freunde hier sind Deutsche oder andere Immigranten, die sich mit Fragen zur amerikanischen Politik an mich wenden, da ich die einzige Deutsch-Amerikanerin und Wählerin bin, die sie kennen.

Wie geht es weiter in den USA?

Schmidt: Ich bin optimistisch, dass die neue Regierung sich auf die Eindämmung der Corona-Krise und die Einigung der verfeindeten politischen Lager konzentrieren wird. Aber ich weiß auch, dass dies nicht über Nacht passieren wird. Als frischgebackene Amerikanerin mit doppelter Staatsbürgerschaft und Alumni der Atlantikbrücke möchte ich meinen Teil dazu beitragen. Der optimistische Blick in die Zukunft und die aktive Partizipation an der Demokratie sind zwei der Hauptgründe, die mich dazu bewogen haben, nach Amerika auszuwandern, und sind heute wichtiger denn je.

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