Caprice hat sich in die digitale Welt begeben
„Wir proben mehr als früher”

Greven -

Sein eineinhalb Jahren gibt es die Band Caprice. Aber üben konnte man noch nicht so viel. Jetzt musizieren die sechs Musiker gemeinsam – online.

Dienstag, 02.02.2021, 18:00 Uhr
Tino-Walther-Bass
Tino-Walther-Bass Foto: Caprice

Der Kellerraum ist klein. „Wenn wir hier alle drin sind”, sagt Markus Sünderkamp , der Drummer von Caprice, „wird es schnell warm.” Aber seit Monaten waren die sechs Musiker der Grevener Band nicht mehr im Probenraum. Sie jammen online. Und das ist das Erstaunliche: Geprobt wird viel häufiger als früher. Sünderkamp: „Wir haben ja wegen Corona sonst nichts vor.”

Musik machen im Online-Verkehr ist nicht ganz trivial. Wenn Musikschullehrer unterrichten, lassen sie die Instrumente nacheinander spielen. Wenn Chöre versuchen, online zu proben, stellt der Dirigent oft alle anderen in der Proben-Konferenz auf stumm. Einer singt, die anderen singen nach – alleine im stillen Kämmerlein.

Markus-Sünderkamp-drums

Markus-Sünderkamp-drums Foto: Caprice

Latenz stört

Schuld daran ist die so genannte Latenz. Man könnte es als Nachhinken bezeichnen. Bilder und Töne brauchen Millisekunden, um beim Empfänger zu landen. Wenn der zurücksendet, entsteht ein unangenehmer Hall. Zusammenspiel funktioniert so nicht.

„Wir haben schon einiges ausprobiert”, sagt Sünderkamp. Gelandet ist die Band dann bei einer freien Internet-Software namens Jamulus. Die bündelt die eingehenden Töne jedes Bandmitglieds und spielt sie wieder aus. „Die Latenz ist so niedrig, dass sie nicht stört”, sagt der Grevener, der beruflich in der IT-Branche tätig ist.

Caprice aus Greven

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Eigener Server

Übrigens so wie zwei weitere Bandkollegen. Und das hilft. „Wir haben erst mal unseren eigenen Server aufgesetzt“, sagt Sünderkamp. Das kostet wenige Euros im Monat, verschafft aber Caprice einen eigenen Raum im Netz, den die Band mit niemandem teilen muss. Ansonsten kann es vorkommen, dass bei ausgelasteten Servern auch mit Jamulus Störgeräusche eindringen.

„Bei Jamulus gibt es auch offene Server“, sagt Sünderkamp, „da kann man sich in andere Sessions einklinken. Da können Sie auch mit jemandem aus Los Angeles spielen.”

Zu Anfang ist das etwas fummelig.

Markus Sünderkamp

Eigentlich wäre es gut, wenn man sich beim Musikmachen sieht. „Man muss es erst mal trainieren, sich nur auf sein Gehör zu verlassen”, sagt der Drummer. Bilder können in der Probe nicht übertragen werden – in der Gebrauchsanweisung von Jamulus wird ausdrücklich empfohlen, bei Proben auf Videokonferenzen zu verzichten. Es gibt nämlich noch eine andere Form der Latenz: Der Ton ist schneller als die Bilder. Da ist der Sound längst verrauscht und die Trommelstöcke sausen immer noch in der Luft.

Gar nicht schlecht

Online proben findet Sünderkamp gar nicht so schlecht. „Jeder mischt sich seinen Sound aus den verschiedenen Spuren zusammen“, sagt er, „zu Anfang ist das etwas fummelig.“ Die Experten halfen dabei den anderen per Fernbedienung, um die richtigen Einstellungen zu finden.”

Auch nach Corona könnte sich der Hobbymusiker Proben im Online-Raum vorstellen. Die Band-Kollegen kommen aus Münster, Havixbeck, Saerbeck und Greven – da könnte man Fahrzeiten sparen. „Ich kann mir das vorstellen, das wäre ein Modus, den man beibehalten kann”, sagt er, „von der Organisation her könnte man dranbleiben.“

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