28-jährige Grevenerin rettet Kopf ihres Schwippschwagers
Vermeintliches Gewaltopfer verweigert Aussage

Greven -

Eine Beziehung geht auseinander, das unschöne Ende mündet in Gewalt. Nun landete die Angelegenheit vor Gericht.

Donnerstag, 18.02.2021, 17:24 Uhr aktualisiert: 19.02.2021, 14:53 Uhr
Im Amtsgericht Steinfurt fand die Verhandlung gegen einen 27 Jahre alten Mann aus Unna statt, der später aus Mangel an Beweisen freigesprochen wurde.
Im Amtsgericht Steinfurt fand die Verhandlung gegen einen 27 Jahre alten Mann aus Unna statt, der später aus Mangel an Beweisen freigesprochen wurde. Foto: Mike Oelerich

Wenn ein Zeuge mit einem Angeklagten verwandt ist, hat er das Recht, die Aussage zu verweigern. Allerdings ist der Grad der Verwandtschaft nach deutschem Recht genau definiert. Am Mittwoch stand ein 27 Jahre alter Mann aus Unna vor dem Amtsgericht Steinfurt, der von der 28 Jahre alten Schwägerin seines Bruders aus Greven beschuldigt wurde, sie mehrmals geschlagen, an den Haaren gezogen und dabei im Gesicht und an den Knien verletzt zu haben. Auslöser des Konflikts war die Beendigung der Beziehung zwischen dem Angeklagten und dem vermeintlichen Opfer vor etwa einem Jahr.

Am 22. März vergangenen Jahres gegen 14.45 Uhr wollte der Beschuldigte seine Sachen aus der Wohnung der 28-Jährigen in Greven abholen. Dabei ist es zum Streit gekommen. „Sie hat mich gekratzt, weil sie eifersüchtig war. Daraufhin habe ich sie geschubst. Mehr war nicht“, meinte der 27 Jahre alte Vater eines Sohnes aus einer früheren Beziehung, die er wieder aufleben lassen wollte.

Er bestritt mit Unterstützung seines Pflichtverteidigers, so wie es in der Anklage formuliert wurde, dass er zwei Mal zurückgekommen sei, seine Schwippschwägerin weiter geschlagen und an den Haaren ziehend durch die Wohnung geschleift zu haben. Das vermeintliche Opfer bestätigte die Aussage ihres Schwippschwagers und stellte die einige Tage später gemachte Aussage bei der Grevener Polizei in Frage.

„Wenn Sie zugeben, dass Sie gelogen haben, droht Ihnen eine Anklage wegen falscher Verdächtigung“, warnte die Richterin die irritierte Zeugin und ergänzte: „Für Ihren ehemaligen Freund steht viel auf dem Spiel.“ Die Aussage der Polizeibeamtin, die am Tattag zur Wohnung gerufen wurde, deckte sich mit der des Angeklagten. „Ich habe nur eine Rötung der Wange gesehen. Als ich sie fragte, woher die aufgeschürften Knie stammen, konnte sie mir keine plausible Antwort geben“, erinnerte sich die 43 Jahre alte Ordnungshüterin von der Polizei aus Emsdetten.

Richterin und Staatsanwältin unterbrachen den Prozess und diskutierten allein im Sitzungssaal weiter. Nach einer Viertelstunde wurde die 28 Jahre alte Grevenerin noch einmal in den Zeugenstand gebeten. „Sie wurden also geschubst, nachdem Sie den Angeklagten gekratzt haben? Was danach passiert sein soll, dazu machen sie von Ihrem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch?“, baute die Richterin der Zeugin eine Brücke, die sie auch gleich annahm.

So blieb dem Gericht nichts anderes übrig, den Beschuldigten aus Mangel an Beweisen vom Tatvorwurf der Körperverletzung freizusprechen.

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