Mehr Stress im Rettungseinsatz
Corona sorgt für weniger Flüge der Rettungshubschrauber

Greven -

Weniger Einsätze wegen geringerer Unfallzahlen. Aber mehr Stress im Einsatz. Corona macht sich doppelt bei der Luftrettung des ADAC bemerkbar.

Samstag, 27.02.2021, 06:00 Uhr
Chrisotph Westfalen vor einem einem Einsatz.
Chrisotph Westfalen vor einem einem Einsatz. Foto: Johannes Kohlen

Die Zahl der Einsätze für den Rettungshubschrauber Christopher Westfalen des ADAC , der am Flughafen Münster-Osnabrück stationiert ist, gingen im vergangenen Jahr leicht zurück, teilt der ADAC in einer Bilanz der NRW-weiten Flüge mit. Corona sorgte auch hier für einen Rückgang der Einsätze.

Die sechs in Nordrhein-Westfalen stationierten Rettungs- und Intensivtransporthubschrauber der gemeinnützigen ADAC Luftrettung sind 2020 zu 6741 Einsätzen in NRW, angrenzenden Bundesländern und im benachbarten Ausland geflogen (2019: 7162).

Der in Würselen bei Aachen stationierte „Christoph Europa 1“ war mit 1579 Einsätzen (2019: 1706) erneut am häufigsten unterwegs. Es folgten „Christoph Europa 2“ aus Rheine mit 1378 Einsätzen (2019: 1249), „Christoph 25“ aus Siegen mit 1212 Einsätzen (2019:1401) sowie „Christoph 8“ aus Lünen mit 1002 Einsätzen (2019: 1122).

Patientenverlegung

Die hauptsächlich für die Verlegung von Patienten eingesetzten Intensivtransporthubschrauber „Christoph Westfalen“ aus Greven und „Christoph Rheinland“ aus Köln kamen auf 980 (2019: 1019) sowie 590 (2019: 665) Einsätze.

Zwar gingen die Alarmierungen der ADAC Rettungshubschrauber in NRW wegen des coronabedingten Rückgangs der Mobilität um 5,9 Prozent zurück.

Die Crews waren aber dennoch so gefordert wie nie, heißt es in einer ADAC-Mitteilung. Das Coronavirus verlangte den Besatzungen alles ab und sorgte wegen der strengen Sicherheits- und Hygienekonzepte sowie der ständigen Infektionsgefahr für eine deutlich stärkere Einsatzbelastung.

„Wir haben es seit Ausbruch der Pandemie geschafft, die notfallmedizinische Versorgung der Menschen in Deutschland auch in dieser schwierigen Zeit uneingeschränkt zu gewährleisten“, betont Frédéric Bruder, Geschäftsführer der ADAC Luftrettung.

Hauptursache Unfälle

Einsatzursache Nummer eins waren für die ADAC Rettungshubschrauber aus Nordrhein-Westfalen bei 36 Prozent der Flüge Verletzungen nach Unfällen. Dazu gehören Freizeit-, Sport-, Schul- und Verkehrsunfälle. Danach folgten mit 24,6 Prozent Notfälle des Herzkreislauf-Systems (z.B. Herzinfarkt) sowie neurologische Notfälle (z.B. Schlaganfall) mit 17 Prozent.

Bundesweit flogen die Piloten der gemeinnützigen ADAC Luftrettung im 50. Jahr ihres Bestehens zu 51 749 Einsätzen. Unter den versorgten Patienten waren 2020 mit 58 Prozent mehr Männer als Frauen. Neun Prozent der Patienten waren Kinder oder Jugendliche. Mit 141 Notfällen pro Tag bewegte sich das Einsatzgeschehen damit weiter auf hohem Niveau.

Gestiegen ist die Zahl der Spezialeinsätze: Die Crews rückten im vergangenen Jahr zu 800 Corona-Einsätzen aus, darunter rund 100 Spezial-Verlegungstransporte von schwer erkrankten Covid-19-Patienten.

Zudem hat die Zahl der Flüge bei Nacht zugenommen, die durch spezielle Nachtsichtbrillen möglich sind. Sie sind Teil eines hochmodernen „Night-Vision-Imaging-Systems“, kurz NVIS genannt.

Nachtflüge

Die vier damit ausgerüsteten Stationen – unter anderem Greven – waren 2020 insgesamt zu 2967 Einsätzen und damit 152 häufiger als im Vorjahr unterwegs.

Bei ihrer Arbeit können die ADAC Crews auf die modernsten Rettungshubschrauber des Typs H145 und H135 von Airbus Helicopters zurückgreifen.

Mit ihnen wurden 2020 rund 3,3 Millionen Kilometer zurückgelegt. Das sind etwa 150 000 Kilometer weniger als ein Jahr zuvor. Die durchschnittliche Flugzeit bei einem Einsatz betrug unverändert rund 30 Minuten.

ADAC Luftrettung

Mit mehr als 50 Rettungshubschraubern und 37 Stationen ist die gemeinnützige ADAC Luftrettung nach eigenen Angaben eine der größten Luftrettungsorganisationen Europas. Die ADAC Rettungshubschrauber gehören zum deutschen Rettungsdienstsystem. Sie werden über die Notrufnummer 112 bei der Leitstelle angefordert und sind im Notfall für jeden Verunglückten oder Erkrankten zur Stelle. „Gegen die Zeit und für das Leben“ lautet der Leitsatz der ADAC Luftrettung gGmbH. Denn gerade bei schweren Verletzungen oder Erkrankungen gilt: Je schneller der Patient in eine geeignete Klinik transportiert oder vor Ort vom Notarzt versorgt wird, desto besser sind seine Überlebenschancen bzw. seine Rekonvaleszenz. Seit 2017 ist die ADAC Luftrettung ein Tochterunternehmen der ADAC Stiftung.

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