Auf dem ehemaligen Hof Nettmann wurde früher Korn gemahlen
Die verlassene Wasser-Mühle

 Greven -

Hier wurde früher mal Mehl gemahlen. Nettmanns Mühle liegt verlassen in der Grevener Bauerschaft. Einst wurde sie mit Wasser betrieben.

Montag, 01.03.2021, 12:00 Uhr aktualisiert: 02.03.2021, 11:51 Uhr
Gerade in der Verbindung aus Holz, Stein und der Patina vergangener Zeiten entfaltet die alte Mühle Nettmann/Hufelschulte auch als „Lost Place“ einen ganz besonderen Charme.
Gerade in der Verbindung aus Holz, Stein und der Patina vergangener Zeiten entfaltet die alte Mühle Nettmann/Hufelschulte auch als „Lost Place“ einen ganz besonderen Charme. Foto: Peter Sauer

In der Bauerschaft Westerode kennt jeder das Geschnatter der drei Gänseherden des Hofes Hufelschulte an der Nordwalder Straße 136. Früher standen auf den Wiesen Weiderinder. Eher unbekannt ist, dass ein paar Katzensprünge weiter noch die Reste einer alten Mühle stehen.

Das letzte übrig gebliebene Gebäude des früheren Hofes Nettmann besitzt einen besonderen Charme, gerade wenn man es in der Übergangszeit zwischen dunklem Winter und hellem, aufblühenden Frühling besucht.

Turbinenhaus

Im eingeschossigen Fachwerkbau auf Sandsteinuntergeschoß mit zwischenzeitlich angebautem Turbinenhaus wurde früher lange Zeit fleißig Korn gemahlen. Das angestaute Wasser des Mühlenbachs nutzen die Müller fleißig mit.

Die alte Mühle Nettmann-Huffelschulte

Kräftig rauscht das Wasser durch das alte Mühlenstauwehr. Foto: Peter Sauer

Das Stauwerk ist heute noch gut von einer kleinen Brücke aus zu sehen. Die Mühle steht schon länger still. Aus der Fassade des Gebäudes bahnt sich die Natur ihren Weg.

Bäume werfen an Sonnentagen schöne Schatten an der zum Mühlenbach zugewandten Seite. Die Vorderfront der Mühle, mit unbändigem Moos, verblättertem Holz und aufgeplatzem Steinwerk, lässt sich gut von einem gegenüberliegenden schmalen Holzbänkchen aus in Augenschein nehmen.

Urkundlich erwähnt wurde die Mühle 1817. In diesem Jahr benannte der Grevener Amtmann in der amtlichen Statistik des Ortes insgesamt fünf Wassermühlen - darunter an Temmings Mühlenbach die Mühle des Schulzen Temming (früher Temmynck) und die des Colonen Nettmann, der das Gelände als Erbzinsgut besaß.

Nur Spuren der Gräfte

Nach dem Verfall und Verschwinden der Temmingschen Anlage (nur noch Stauwehr-Reste und vereinzelt Spuren der Gräften sind heute übrig) ist das Nettmannsche Gebäude bis heute größtenteils noch erhalten geblieben – als Mühle Hufelschulte.

Die alte Mühle Nettmann-Huffelschulte

Seitenansicht des Mühlengebäudes: Aus der Fassade wächst die Natur. Bäume werfen spannende Schatten. Foto: Peter Sauer

Diese wurde vermutlich bis in die 1930er Jahre betrieben. Davon berichtet die „350-Jahre-Chronik“ der Bürgerschützen-Gesellschaft 1668 Greven von 2018.  

Eine andere Quelle berichtet indes davon, dass die Bauern aus der Umgebung an der Mühle Hufelschulte noch in den 1950er Jahren Korn zum Mahlen angeliefert haben sollen.

Die verwitterten Fenster sind mit der Zeit des Leerstands blind geworden und ermöglichen keinen genauen Blick ins Innere, um zu erfahren, wie sie heute genutzt wird.

Aktuell wurde in den vergangenen Monaten hinter der alten Mühle ein neues Wohnhaus errichtet. „Der Eigentümer hat die Mühle gleich miterworben und wird sie auch nutzen“, sagt Nachbar Gerd Hufelschulte auf Nachfrage.

Derzeit wird das Grundstück in Schuss gebracht. Frische Maiglöckchen wachsen am Sandufer der alten Mühle und das Gänseschnattern passt ideal zum Rauschen des Mühlenbaches.

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