Langeweile-KillerNick Hornby: High Fidelitiy
Hätte man früher lesen sollen. . .

Greven -

Die Schwarte ist 25 Jahre alt. Aber was soll‘s, wenn sie einem jetzt erst in die Finger fällt. Martin Weßeling vertieft sich in Nick Hornbys Männerliteratur.

Sonntag, 04.04.2021, 10:00 Uhr
Langeweile-KillerNick Hornby: High Fidelitiy: Hätte man früher lesen sollen. . .
Foto: Martin Weßeling

Ich könnte es mir jetzt wirklich einfach machen und den Klappentext etwas verkürzt herunterbeten. So eine schnelle Nummer halt. Wenig Aufwand, viel Ertrag – nur mit dem Ergebnis wäre ich nicht zufrieden gewesen. Es wäre dem Büchlein einfach nicht gerecht geworden. Und darum geht es doch, wenn man etwas vorstellen möchte, dass bewegt, aus der Masse herausragt, so unscheinbar es auch daher kommt.

Masse ist in diesem Zusammenhang ein gutes Stichwort. In den letzten Monaten gab es ausreichend Zeit und auch Lust, Bücher corona-unabhängig zu so etwas wie einem Grundbedürfnis zu machen. Gute, schlechte, dicke, dünne, Historisches, Zeitgenössisches, Zukünftiges und Belangloses – es war irgendwie alles dabei. Und dann kommt dieser Nick Hornby um die Ecke mit etwas mehr als 300 (zu klein) bedruckten Seiten, die den Namen „high fidelity“ im Titel tragen. Ein Augenöffner, ein Buch, bei dem sich die Gewissheit einstellt, dass man es früher hätte lesen sollen – viel früher.

Im Prinzip geht um den Durchschnitts-Typen, den wir in uns allen wiederfinden, mit all den kleinen Unzulänglichkeiten, mit all den kleinen und großen Niederlagen, die sich viel besser ins Gedächtnis brennen als die Erfolge, die schnell verblassen. Nichts Besonderes also? Doch, dieser Hornby wird auf der ersten Seite zum Kumpel, der bis zum Schluss bleibt, mitfährt bei diesem skurrilen, peinlichen, tröstlichen und emotionalen Bergrennen, das sich Leben nennt. Und der eine Umschreibung für das grundsätzliche Missverständnis zwischen Mann und Frau liefert, die man einfach viermal hintereinander liest. Nicht, um diese Metapher zu begreifen, sondern, weil sie einfach so gut ist. „In zwei bis drei langen und extrem prägenden (pubertären) Jahren wurde uns (Jungen) eingehämmert (von den Mädchen…), an so etwas nicht einmal zu denken. In der Zeitspanne zwischen vierzehntem und vierundzwanzigstem Lebensjahr verwandelt sich das Vorspiel dann von etwas, das Jungen tun wollen und Mädchen nicht, in etwas, das Frauen wollen und Männer überflüssig finden“. Weltklasse!

Nick Hornby, High fidelitiy; Kiepenheuer&Witch, ISBN 978-3-462-04993-0

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7889886?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F168%2F
Nachrichten-Ticker