Osterfeiern im Zeichen der Pandemie
Gottesdienst von der Gartenbank aus

Greven -

Während Grevens Kirchen 2020 im ersten Lockdown wie anderswo allerdings zum Fest der Auferstehung Jesu verschlossen blieben, haben sich die lokalen Gemeinden, evangelisch wie katholisch, in diesem Jahr auf das Virus und seine Regeln eingestellt. Freiluftgottesdienst im Pfarrgarten bei den Protestanten. Maskenpflicht, Abstandsregeln und YouTube-Livestream bei den Katholiken.

Dienstag, 06.04.2021, 05:25 Uhr aktualisiert: 06.04.2021, 05:30 Uhr
Ostern feiern unter Corona-Bedingungen: Pfarrer Jörn Witthinrich beim evangelischen Gottesdienst im Pfarrgarten unweit der Christuskirche.
Ostern feiern unter Corona-Bedingungen: Pfarrer Jörn Witthinrich beim evangelischen Gottesdienst im Pfarrgarten unweit der Christuskirche. Foto: Jannis Beckermann

Kurz bevor es losgeht, wirft der Pfarrer noch einen kritischen Blick gen Himmel. Graue Wolken, Sprühregen und kühle neun Grad auf dem Thermometer? Keine Frage, für einen Open-Air-Gottesdienst gibt es passenderes Wetter als an diesem Ostersonntag um kurz nach elf. Corona aber, das wissen mittlerweile nicht nur Virologen, macht auch am Hochfest der Christen keine Pause. Deshalb schreitet Jörn Witthinrich dann doch notgedrungen entschlossenen Schrittes zum Altar, den sein Team und er des Infektionsschutzes wegen unter freiem Himmel im Pfarrgarten der Christuskirche aufgebaut haben.

Gottesdienst auf der Gartenbank

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  • Eine besondere Osternacht mit Maske und ohne Gemeindegesang erlebten die Gottesdienstbesucher in der Martinuskirche.

    Foto: Jannis Beckermann
  • Eine besondere Osternacht mit Maske und ohne Gemeindegesang erlebten die Gottesdienstbesucher in der Martinuskirche.

    Foto: Jannis Beckermann
  • Eine besondere Osternacht mit Maske und ohne Gemeindegesang erlebten die Gottesdienstbesucher in der Martinuskirche.

    Foto: Jannis Beckermann
  • Eine besondere Osternacht mit Maske und ohne Gemeindegesang erlebten die Gottesdienstbesucher in der Martinuskirche.

    Foto: Jannis Beckermann
  • Corona zum Trotz: Pfarrer Klaus Lunemann entzündet die Osterkerzen während der traditionellen Osternachtsliturgie in St. Martinus.

    Foto: Jannis Beckermann
  • Corona zum Trotz: Pfarrer Klaus Lunemann entzündet die Osterkerzen während der traditionellen Osternachtsliturgie in St. Martinus.

    Foto: Jannis Beckermann
  • Corona zum Trotz: Pfarrer Klaus Lunemann entzündet die Osterkerzen während der traditionellen Osternachtsliturgie in St. Martinus.

    Foto: Jannis Beckermann
  • Ostern feiern in der Pandemie: Mit Maske und Hygienekonzept führte Pfarrer Klaus Lunemann durch die traditionelle Osternachtsliturgie in der Martinuskirche.

    Foto: Jannis Beckermann
  • Oster-Gottesdienst auf der Gartenbank: Im Pfarrgarten unweit der Christuskirche feierte die evangelische Gemeinde an der freien Luft mit ausreichend Abstand.

    Foto: Jannis Beckermann
  • Ostern feiern unter Corona-Bedingungen: Stefan Erdmann gestaltete den Open-Air-Gottesdienst im Pfarrgarten als Gesangssolist zusammen mit Pianistin Olga Dick mit.

    Foto: Jannis Beckermann
  • Ostern feiern unter Corona-Bedingungen: Stefan Erdmann gestaltete den Open-Air-Gottesdienst im Pfarrgarten als Gesangssolist zusammen mit Pianistin Olga Dick mit.

    Foto: Jannis Beckermann
  • Ostern feiern unter Corona-Bedingungen: Pfarrer Jörn Witthinrich beim evangelischen Gottesdienst im Pfarrgarten unweit der Christuskirche.

    Foto: Jannis Beckermann
  • Ostern feiern unter Corona-Bedingungen: Pfarrer Jörn Witthinrich beim evangelischen Gottesdienst im Pfarrgarten unweit der Christuskirche.

    Foto: Jannis Beckermann
  • Ostern feiern unter Corona-Bedingungen: Pfarrer Jörn Witthinrich beim evangelischen Gottesdienst im Pfarrgarten unweit der Christuskirche.

    Foto: Jannis Beckermann
  • Oster-Gottesdienst auf der Gartenbank: Im Pfarrgarten unweit der Christuskirche feierte die evangelische Gemeinde an der freien Luft mit ausreichend Abstand.

    Foto: Jannis Beckermann
  • Ostern feiern unter Corona-Bedingungen: Pfarrer Jörn Witthinrich beim evangelischen Gottesdienst im Pfarrgarten unweit der Christuskirche.

    Foto: Jannis Beckermann
  • Oster-Gottesdienst auf der Gartenbank: Im Pfarrgarten unweit der Christuskirche feierte die evangelische Gemeinde an der freien Luft mit ausreichend Abstand.

    Foto: Jannis Beckermann

„So richtig wie Ostern fühlt es sich vielleicht nicht an“, gibt der Pfarrer mit Blick auf seine Gemeinde zu. Die Gläubigen folgen auf Gartenbänke verteilt bei frischer Brise in der Winterjacke dem Gottesdienst. Die Botschaft des Festes allerdings, das will der Kirchenmann betont wissen, die sei gerade in Zeiten der Krise relevanter denn je. „Ostern zeigt uns: Es gibt Himmelszeichen, die gegen R-Werte und Inzidenzzahlen bestehen“, so formuliert es Witthinrich in seiner Predigt zu diesem Osterfest, dem bereits zweiten im Zeichen der Pandemie.

Während Grevens Kirchen 2020 im ersten Lockdown wie anderswo allerdings zum Fest der Auferstehung Jesu verschlossen blieben, haben sich die lokalen Gemeinden, evangelisch wie katholisch, in diesem Jahr auf das Virus und seine Regeln eingestellt. Freiluftgottesdienst im Pfarrgarten bei den Protestanten. Maskenpflicht, Abstandsregeln und YouTube-Livestream bei den Katholiken.

Und so ist auch die Osternacht in Sankt Martinus, der alten Stadt- und Marktkirche, am Karsamstag eine andere. Leere Reihen in den Kirchenbänken prägen das Bild der sonst gut besuchten Messe bei Kerzenschein. „Eine Feier unter besonderen Bedingungen“, nennt es Pfarrer Klaus Lunemann, als er vorm Südportal der Kirche die Osterkerze am flackernden Feuer entzündet. So viel Tradition darf dann nämlich doch noch sein.

In seiner Predigt spricht Lunemann anschließend aus, was viele bewegt: Die Corona-Pandemie als „unfassbare“ Zeit genauso wie die Dauerkrise der katholischen Amtskirche und ihrer Eliten, deren Handeln bei der Aufklärung von Missbrauch oder im Umgang mit Fra uen, Schwulen und Lesben immer mehr Katholiken an „ihrer“ Kirche verzweifeln lässt. Lunemann plädiert dafür, ihr dennoch nicht den Rücken zu kehren: „Es ist besser in der Kirche aufzutreten als auszutreten“, lautet sein dringender Appell.

Sich in Engagement statt Resignation zu üben, dafür wirbt wiederum auch Jörn Witthinrich, Lunemanns evangelischer Amtskollege, im Schatten der Christuskirche. Es brauche mehr „Mut-Anfälle“ statt Wut beim Kampf gegen häusliche Gewalt im Lockdown genauso wie beim Eintreten gegen ausländerfeindliche Parolen, wie sie unlängst wieder in der Debatte um Container für Geflüchtete in der Minnebuschsiedlung zu hören gewesen seien. Seine Wut äußern könne jeder. „Aber Mut-Anfälle sind Aktionen für das Leben, die viel besser zu Ostern passen“, sagt Witthinrich und wird am Ende selbst für seinen Mut belohnt. Denn die dunklen Regenwolken am Osterhimmel ziehen weitgehend gefahrlos ab.

Open-Air-Gottesdienst Anfang April? Geht also doch.

 

 

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