Ärger um Fußgängerzone
Poller-Problem von Greven „wird ein Nachspiel haben“

Greven -

(Mit Video) Kommt es zur Klage gegen die Kosten für die versenkbaren Poller in der Innenstadt? Im Betriebsausschuss erhoben Anwohner der Fußgängerzone jedenfalls schwere Vorwürfe gegen die Stadt.

Freitag, 16.04.2021, 15:50 Uhr aktualisiert: 16.04.2021, 15:59 Uhr
Im Betriebsausschuss erhoben Anwohner der Fußgängerzone wegen der Poller schwere Vorwürfe gegen die Stadt.
Im Betriebsausschuss erhoben Anwohner der Fußgängerzone wegen der Poller schwere Vorwürfe gegen die Stadt. Foto: Oliver Hengst

Dass die Grevener Fußgängerzone außerhalb der festgelegten Lieferzeiten nicht mehr befahren werden darf (zumindest nicht von Lieferfahrzeugen), hat sich herumgesprochen. Offenbar aber auch ein Schlupfloch, das manche Fahrer von Transportern nutzen: eine schmale Gasse, eigentlich nur für Fußgänger gedacht, neben dem Geschäft „Sportzeit“, durch die ein Sprinter gerade so hindurchpasst. Doch damit ist bald Schluss. Die Stadt wird das Schlupfloch schließen.

Womit noch längst nicht Schluss ist: der Zwist zwischen Stadt und Anwohnern, die sich dagegen wehren, dass sie für die Durchfahrt der Fußgängerzone bezahlen müssen. Im Betriebsausschuss äußerten sich am Mittwoch zwei von ihnen – und erhoben schwere Vorwürfe gegen die Stadt.

Anwohnerin will Kosten nicht tragen

Anwohnerin Brigitte Rinn , die bereits via Zeitung ihren Unmut zum Ausdruck gebracht hatte , nannte die Installation der Poller eine „Zwangsbeglückung“. Dass jene Menschen, die in der Innenstadt wohnen und ihre Häuser nur über die Fußgängerzone anfahren können, dafür auch noch zur Kasse gebeten würden, sei eine „Kostenkeule“. „Wir sind nicht gewillt, diese Kosten zu tragen“, sagte Rinn, die zudem mangelnde Transparenz bei der Entscheidungsfindung beklagte. Das alles sei „sehr unbefriedigend“, auch die Kommunikation mit der Stadt. „So geht‘s nicht. Das nehme ich nicht als gottgegeben hin. Das wird ein Nachspiel haben, das ist klar.“

Video in Kooperation mit dem WDR:

Muss die Stadt nach dieser Ankündigung damit rechnen, dass die Sache letztlich vor Gericht landet? Das blieb in der Sitzung unklar. Aber von einem freundschaftlichen Miteinander sind Stadt und (zumindest einige) Anwohner offenbar weit entfernt. Das machte auch Rinns Nachbarin deutlich, die Unterkünfte an Monteure vermietet. Sie bemängelte, dass das Wirtschaften für Gewerbetreibende in Coronazeiten ohnehin schon schwierig sei, nun packe die Stadt noch die Kosten für die Poller oben drauf. So mache man die Fußgängerzone kaputt, kritisierte die Immobilienbesitzerin.

Ergebnis eines fünf Jahre dauernden Prozesses

Im Gegenteil, argumentierte die Stadtverwaltung. Es gehe gerade darum, die Fußgängerzone attraktiver zu machen, indem man sie für Autos sperre, die dort nicht hingehörten. „Wir machen die Fußgängerzone nicht tot, wir halten die Autos raus, das ist der Sinn einer Fußgängerzone“, sagte Meike Bücker-Gittel (Technische Betriebe). Zudem sei der Informationsfluss jederzeit gewährleistet gewesen.

André Kintrup ergänzte: „Wir haben natürlich ganz viel öffentliche Information gemacht.“ Es habe drei Bürgerbeteiligungs-Termine gegeben. Auch die politischen Ausschüsse seien eingebunden worden. „Das, was jetzt draußen passiert ist, ist das Ergebnis eines fünfjährigen Prozesses“, machte Kintrup deutlich. Zudem habe man aktuell alle jetzigen und alle potenziellen Inhaber von Ausnahmegenehmigungen (die für die Durchfahrt nötig ist) angeschrieben. Alle Betroffenen seien vor Scharfschaltung „umfassend über alle Modalitäten imformiert worden, auch Frau Rinn“. Alle seien mit einer Fernbedienung ausgestattet worden. Übrigens: „Das System arbeitet technisch einwandfrei.“ Die Gebühr für die Ausnahmegenehmigung (160 Euro pro Jahr) bewege sich im Rahmen der in anderen Kommunen üblichen Summen.

„Und natürlich haben wir jetzt zum Schluss Störfeuer von dem einen oder anderen, der es noch doof findet. Aber da müssen wir jetzt mit umgehen“, sagt Kintrup.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7917975?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F168%2F
Nachrichten-Ticker